Der Rote Terror meldet sich zurück

Am Dienstag waren zwei bewaffnete Linksextremisten in Istanbul in ein Gerichtsgebäude gestürmt und hatten einen Staatsanwalt als Geisel genommen. Beide Täter wurden bei der Befreiungsaktion am Abend von der Polizei erschossen, der Staatsanwalt erlag in der Nacht im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Staatsanwalt Türkei

In den 70ern stürzten diese von den Sowjets geförderten Irren die Türkei mit ihrem Terror in einen regelrechten Bürgerkrieg.

Dass es in der Türkei und in anderen Ländern der westlichen Peripherie nicht zur Etablierung eines linken Systems, sondern zur Errichtung einer rechten Militärdiktatur kam, stellte für die Sowjetunion keineswegs eine Niederlage, sondern ein Minimalziel dar: denn jede rechte Militärdiktatur enthüllte zumindest das „wahre Gesicht“ der freien Welt.

Die vom roten Terror (Rote Brigaden, RAF) bzw. nationalistischen Terror (IRA, ETA, PFLP, PKK) destabilisierten Staaten konnten von der Ostblock-Propaganda dann als „faschistisch“ und „reaktionär“ angeprangert werden.

Trotz der relativen Stärke der kommunistischen Partei hätte man auch in Italien kaum mehr als jenes Minimalziel erreichen können.

In West-Berlin hatte man hingegen das Maximalziel vor Augen, zumal durch die Insel-Lage der Stadt eine realistische Chance auf die Übernahme bestand.

Der angebliche DDR-Flüchtling Dutschke wollte ja ausgerechnet im vom Ostblock umzingelten West-Berlin eine freie Räte-Republik gründen.

Wie lange die dann frei geblieben wäre, kann man sich leicht ausrechnen, wenn man auf die Ereignisse des Prager Frühlings von 1968 blickt.

Bei vollem Bewusstsein, dass es sich bei Heinz Kurras um ihren eigenen Mann handelte, benützte die Stasi den Tod Benno Ohnesorgs für eine Strategie der Spannung.

Kein Wunder, dass man bei der Anprangerung einer angeblichen “Strategie der Spannung” durch westliche Geheimdienste stets so viel Phantasie zeigte. Schließlich hatte man damit selbst genug praktische Erfahrungen.

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14 Antworten to “Der Rote Terror meldet sich zurück”

  1. American Viewer Says:

    Logisch sind die Terroranschläge nicht. Erdogans AKP hat in den Umfragen in den letzten Monaten immer weiter abgebaut, sein Ziel einer 2/3-Mehrheit geriet ganz real in Gefahr. Erdogan braucht diese 2/3-Mehrheit aber dringend, sonst kann er sich als Staatspräsident nicht wieder zum Alleinherrscher krönen.

    Und in dieser für ihn so kritischen Phase verüben Linksextremisten 9 Wochen vor der Wahl mehrere Terroranschläge auf AKP-Parteizentralen und einen AKP-Staatsanwalt? Das für Erdogan wie Fastenbrechen, Opferfest und Aschura zusammen.

    Ich finde es bemerkenswert, dass immer nur kleine Rädchen im AKP-Apparat ins Visier geraten. Erdogan selbst oder andere hohe AKP-Mitglieder sind offenbar nicht betroffen. Ganz so als wüssten die Linksextremisten nicht, dass der Fisch vom Kopf her stinkt.

    Wenn es wirklich „nur“ Linksextremisten waren, dann sind sie wie immer komplett unfähig.

    • aron2201sperber Says:

      Terroristen sind nicht wirklich steuerbar, das waren auch die RAF etc. nicht – um Terrorist zu sein, braucht man die Illusion der Unabhängigkeit, Söldner sind etwas Anderes.

      auch wenn sich der Terror in diesem Fall für Erdogan positiv auswirken sollte, so ist es insgesamt keine gute Sache.

      Staatsanwälte sind keineswegs kleine Rädchen im System, Terror ist für kein System eine angenehme Sache.

      derjenige, der Terror bekämpft, wird schnell auf die gleiche Stufe wie der Bekämpfte gestellt.

      im Italien der „Bleiernen Jahre“ wurde der Staat (bzw. die Regierungsparteien) und die Roten Brigaden als die Bösen angesehen, während die oppositionelle PCI Wahlsieg um Wahlsieg feierte

      die aktuelle Berichterstattung zeigt, dass der Terror auch erdogan nicht unbedingt gut aussehen lässt:

      Der 15-jährige Elvan war im März 2014 nach neun Monaten im Koma gestorben . Er war während der Gezi-Proteste 2013 in Istanbul von einem Tränengasgeschoss getroffen worden, als er nach Angaben seiner Eltern auf dem Weg zum Bäcker war. Der verantwortliche Polizist ist bis heute nicht bekannt, niemand wurde wegen der Tat zur Rechenschaft gezogen

      Die türkische Regierung, darunter Recep Tayyip Erdogan persönlich als damaliger Regierungschef, hatte Elvan dagegen als „Terroristen“ und „Provokateur“ bezeichnet, der Steine gegen Polizisten geschleudert haben soll.

      http://www.spiegel.de/politik/ausland/istanbul-linksextremisten-nehmen-staatsanwalt-als-geisel-a-1026492.html

      die Terroristen kommen zwar schlecht weg, Erdogan allerdings auch.

      Profiteure sehen anders aus.

  2. besucher Says:

    Heute werden die vorgeblich linken Terroristen in der Türkei wohl eher von Erdogans Kanälen gefördert damit sich der große Meister als Stabilitätsanker inszenieren kann. In der Türkei sind im Juni Wahlen, schon mal daran gedacht?

    • aron2201sperber Says:

      ich habe schon bei American Viewer darauf hingewiesen, dass das Beispiel des Terrors der 70er Jahre in Italien eher das Gegenteil zeigt:

      im Italien der “Bleiernen Jahre” wurde der Staat (bzw. die Regierungsparteien) und die Roten Brigaden als die Bösen angesehen, während die oppositionelle PCI Wahlsieg um Wahlsieg feierte

      • American Viewer Says:

        Die Türkei ist aber nicht der Westen. Im Westen ist es in Mode „links“ und „gut“ zu sein. Viele Bürger aus nicht-westlichen Staaten sind bekanntermaßen weitaus konservativer eingestellt. Ich glaube die Situationen kann man nicht vergleichen.

      • aron2201sperber Says:

        Italien ist im Grunde genommen auch ein sehr konservatives Land, auch die Salonkommunisten sind oft verblüffend bourgeois.

        meine italienische Familie ist ein typisches Beispiel: durch und durch links, aber trotzdem erzkatholisch und spießbürgerlich.

        und wenn es darauf ankommt, schmeißt man auch den stets proklamierten Antirassismus rasch über Bord, und ist entsetzt, dass die Tochter einen (beruflich erfolgreichen) Schwarzen heiratet

  3. aron2201sperber Says:

    außerhalb des Ostblocks wurden sämtliche Nationalisten von der IRA, ETA, PKK bis zur PFLP gefördert – wenn der Terror eine so toll stabilisierende Wirkung hätte, wäre er wohl auch innerhalb der eigenen Grenzen und nicht ausgerechnet immer nur beim Feind gefördert worden:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2014/12/14/wsg-und-raf-im-gleichen-ausbildungslager/

  4. Saigon und West-Berlin | Aron Sperber Says:

    […] sich ausgerechnet im ebenfalls von kommunistischer Aggression bedrohten West-Berlin die Studenten mit den Aggressoren solidarisierten, zeugt von der Dummheit der […]

  5. Was der Sultan duldet und was nicht | Aron Sperber Says:

    […] die PKK mit ihrem Terror die im Kalten Krieg strategisch wichtige Türkei destabilisierte, war der kurdische Freiheitskampf für Linke noch eine […]

  6. Doppelte Doppelmoral | Aron Sperber Says:

    […] die PKK mit ihrem Terror die im Kalten Krieg strategisch wichtige Türkei destabilisierte, war der kurdische Freiheitskampf für Linke noch eine […]

  7. Hamas hofieren, Kurden massakrieren | Aron Sperber Says:

    […] Blocks sollten durch linken (RAF, Rote Brigaden) oder nationalistischen (IRA, ETA, PLO, PKK) Terror destabilisiert […]

  8. Erdogans Doppelmoral | Aron Sperber Says:

    […] austreiben. Solange die PKK mit ihrem Terror die im Kalten Krieg strategisch wichtige Türkei destabilisierte, war der kurdische Freiheitskampf für Linke noch eine […]

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