Die linke Moral der Schadenfreude

Ich hielt den Irak-Krieg für einen strategischen Fehler.

Bush und Blairs Projekt eines demokratischen Vorzeige-Staates statt Diktatur war zu ambitioniert.

In der Region wird man leider wohl noch lange mit Bastards wie Assad oder den Sauds leben müssen.

Statt den mühsamen Weg der versuchten Demokratisierung des Nahen Ostens zu gehen, hätte man auch Saddam einfach wieder zum „eigenen Bastard“ machen können.

Dass ausgerechnet viele Deutsche den Irak-Krieg als große moralische Verfehlung des Westens anprangern, ist allerdings absurd.

Hätte es im Irak mit Demokratie und Freiheit wie in der BRD funktioniert, wäre es für die Iraker wohl nicht das Schlechteste gewesen, selbst wenn für die USA dabei ein “böser” Profit herausgeschaut hätte.

Auch wenn ich den Krieg nicht begonnen hätte, erhoffte ich daher stets einen Erfolg der westlichen Intervention.

Obwohl man hier viele Jahre (auch als Linker) mit Demokratie und Freiheit gut gelebt hatte, wünschten viele den Irakern und den USA von Anfang an alles Schlechte und waren schadenfroh über jeden toten amerikanischen Soldaten und jeden durch Terror getöteten irakischen Zivilisten.

Bush ist jedoch mittlerweile längst Geschichte.

Die Probleme in Syrien fallen mitten in die Obama-Ära der Nichtintervention.

Der IS ist auch nicht vom Irak nach Syrien einmarschiert, sondern es war genau umgekehrt.

Trotzdem fällt vielen nichts Besseres ein, als weiter stur und schadenfroh mit dem Finger auf die Schuld des Westens zu zeigen:

Es liegt allerdings eine paradoxe, düstere Ironie darin, dass die Kriege, mit denen die westliche Politik den Nahen Osten verwüstet, oder die Armut, für die sie in Afrika verantwortlich ist, dazu beitragen, den großen demografischen Hunger des alten Europas zu stillen. Die Völkerwanderung, die wir brauchen, lösen wir selber aus.

(Jakob Augstein)

Weil Deutschland zum Westen gehört, ist man sogar schadenfroh, wenn das eigene Land einer islamischen Völkerwanderung ausgesetzt ist, die unsere Zivilisation wohl kaum unbeschadet überstehen wird können.

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5 Antworten to “Die linke Moral der Schadenfreude”

  1. Olaf Says:

    Die Linken und Allah sind unfehlbar, also muß der Westen dran schuld sein. Das ist doch logisch, wird jede ostdeutsche Physikerin wissenschaftlich belegen können und Augstein ist ja auch ein Hochstudierter Universalkuckuck.

  2. aron2201sperber Says:

    Die Bush-Ära war für uns Europäer praktisch.

    Man konnte sich einfach nobel heraushalten und sich dafür auch noch selbst auf die Schulter klopfen.

    Deswegen wird auch nach 7 Jahren Obama gerne so getan, als ob die Bush-Ära immer noch andauern würde.

    Der Irak-Krieg mag ein Fehler gewesen sein, trotzdem wurde der Irak von Bush in einem halbwegs geordneten Zustand übergeben, und die deutschen Asylzahlen waren am Ende der Bush-Ära an einem historischen Tiefststand.

    Die ewige Schuldzuweisung an die USA ist nichts als eine Flucht vor der eigenen Verantwortung.

    Indem man die Flüchtlingskrise als unabwendbare Naturkatastrophe beschreibt, die durch die Intervention der Amerikaner ausgelöst worden sei, kann man sich vor allen unangenehmen Entscheidungen drücken.

    So gibt es keine Ansätze zur Lösung der Krise und man ist nicht einmal dazu bereit, die eigenen Grenzen zu schützen.

    Auch die Flüchtlinge, die Deutschlands Willkommenskultur in Anspruch nehmen, teilen zu einem großen Teil das Schuld-Schema ihrer Aufnahmegesellschaft:

    Unter Syrern gebe es die Haltung, der IS sei ein Produkt des Westens, es gebe Verschwörungstheorien, dass die USA den IS erfunden hätten.

    (Spiegel)

    Geflohene Assad-Anhänger geben dem Westen die Schuld, weil der Westen gegen Assad war, Assad-Gegner geben dem Westen die Schuld, weil der Westen nicht genug gegen Assad unternommen habe.

    Leider ist die Schuldzuweisung an den Westen so ziemlich das einzige, was man mit der westlichen Aufnahmegesellschaft teilt.

    Dank der westlichen Schuld braucht man sich nicht mit den Gründen, die in der eigenen islamischen Welt zur Vertreibung geführt haben, auseinandersetzen.

    Statt Verantwortung für die eigenen Probleme zu übernehmen, kann man so die eigenen Probleme mit bestem Gewissen in die schuldige westliche Aufnahmegesellschaft importieren.

  3. Flax Says:

    Ich finde es auch immer wieder erstaunlich, dass Russland nie erwähnt wird. Sämtliche konfliktregionen sind überschwemmt mit russischem Kriegsgerät, aber angeblich steckt hinter jedem Konflikt die US Militär und Öl Industrie.
    MfG flax

    • aron2201sperber Says:

      das Blame-game zu spielen ist auch sinnlos.

      Russland ist mit seinem KGB-Mann zufrieden und daran wird sich so bald nichts ändern.

      leider wird man sich mit dem miesen Putin zusammentun müssen, um die aktuellen Krisen zu meistern.

      mir wäre es auch anders lieber – im Moment kann man es sich aber leider nicht leisten, wählerisch zu sein

  4. Im Zweifel für Trump | Aron Sperber Says:

    […] ist dabei ein von Dschihadisten geführter Bürgerkrieg, der die Opferzahlen des (zur Schadenfreude vieler) gescheiterten Demokratie-Abenteuers von Bush bei Weitem übertroffen hat, und zur […]

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