Die Schuldunfähigkeit des Spiegels

Man stelle sich vor, die Junge Freiheit würde in so einem Stil über das Opfer des Attentats von Köln schreiben:

Ministerpräsident unter dem Messer: Ein Mailänder Chirurg hat Italiens Premier Berlusconi vier Stunden lang am Kiefer operiert. Seit einem Attentat, bei dem er im Gesicht verletzt wurde, hatte der Cavaliere Probleme beim Kauen und Sprechen. Die große Klappe allerdings blieb.

(Spiegel)

Berlusconi

Wenn Einzeltäter aus politischen Gründen Verbrechen verüben, geht es tatsächlich meistens um die eigene Psyche.

Attentate unbedeutender Menschen auf bedeutende Menschen des öffentlichen Lebens hat es immer schon gegeben und wird es auch weiterhin geben. Oft sind die Opfer Politiker (z.B. Kennedy, Reagan, Schäuble, Fortuyn,…) – entscheidend ist dabei jedoch mehr die Bedeutsamkeit des Opfers (z.B. John Lennon) – je bedeutender das Opfer, desto bedeutsamer die Tat.

Auch bei Berlusconis Attentäter wurde wohl zu Recht die Schuldunfähigkeit aus psychischen Gründen festgestellt.

Das politisch Bedenkliche am Berlusconi-Attentat lag nicht in der politischen Motivation des psychisch labilen Mannes, sondern darin, dass seine kranke Tat von vielen Menschen innerhalb und außerhalb Italiens begrüßt wurde.

Sind jene Menschen auch alle schuldunfähig?

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8 Antworten to “Die Schuldunfähigkeit des Spiegels”

  1. American Viewer Says:

    Wobei es schon extrem ist, dass die schwere Körperverletzung für den Täter nahezu folgenlos blieb. Die italienische Justiz hat ernsthafte Probleme.

    • aron2201sperber Says:

      ja, der Täter musste trotz Unzurechnungsfähigkeit nicht in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher und die Auflagen des Gerichts waren ein Witz:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2010/06/29/berlusconi-vogelfrei/

      • American Viewer Says:

        Ja, das meinte ich.

        Schuldunfähigkeit sollte man auch nicht mit Freispruch gleichsetzen. Schuldunfähigkeit ist generell kein ideales Konzept. Die Linken reden gerne von Inklusion. Inklusion muss dann allerdings auch die negativen Folgen beinhalten, die ein Leben als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft mit sich bringen.

        Schuldunfähigkeit hängt lustigerweise auch immer von der Schwere der Tat ab. Kein Massenmörder wird für schuldunfähig erklärt. Völlig egal wie krank er ist.

        Täter wie Tartaglia müssen zwangsweise eingewiesen werden und zumindest eine Mindestzeit in einer geschlossenen Anstalt verbringen, die zeitlich einer entsprechenden Gefängnisstrafe entspricht. Und wenn sie danach immer noch eine Gefahr darstellen, muss man über diese Zeit hinausgehen.

      • aron2201sperber Says:

        Täter wie Tartaglia müssen zwangsweise eingewiesen werden und zumindest eine Mindestzeit in einer geschlossenen Anstalt verbringen, die zeitlich einer entsprechenden Gefängnisstrafe entspricht. Und wenn sie danach immer noch eine Gefahr darstellen, muss man über diese Zeit hinausgehen.

        so sehe ich es auch

  2. Paul Says:

    Mein lieber Aron, Du musst das Wort Schuldunfähig nur richtig lesen.
    Der Spiegel ist Schuldunfähig, weil er unfähig ist die Schuld für seine saumäßige Berichterstattung zu übernehmen.

    Herzlich, Paul

  3. Malte S. Sembten Says:

    Die große Klappe allerdings blieb.

    — Das hat – vielleicht unbeabsichtigt – einen anerkennenden Beiklang, finde ich.

  4. Arnold Steimle Says:

    Der Spiegelkommentar ist despektierlich, sicher. Ich bin auch kein Freund des Spiegel und von Jakob Augstein. Aber die Aufregung um diesen Kommentar kann ich dennoch nicht nachvollziehen. Wenn jemand mit der Macht Berlusconis, die bei seiner Person mit einer großen Portion Skrupellosigkeit gepaart ist Opfer eines Anschlags wird, ist das Teil des Risikos, das man eingeht, wenn man an exponierter Stelle selbst Gesetzesübertritte in Serie begeht. Berlusconi hat seine ganze Macht dazu missbraucht, sich selbst außerhalb der geltenden Gesetze bewegen zu können, ohne dafür belangt zu werden. Den Mann muss die Journallie nicht schonen. Und die Forderung nach political correctnes wird nicht besser, nur weil man sie vom politischen Gegner verlangt.

    • aron2201sperber Says:

      der Anschlag auf Berlusconi hatte nicht das Geringste mit seinen eigenen angeblichen Gesetzesübertritten zu tun.

      dass es zum Anschlag kam, lag wohl an der Psyche des Attentäters, der wohl aus einer Gelegenheit heraus handelte – auch Oswald hatte das Gewehr ursprünglich nicht für Kennedy, sondern für ein anderes Opfer gekauft.

      Berlusconi ist aus politischen Gründen ein Feindbild und nicht wegen seiner Tätigkeit als Unternehmer (bei der ihm letztlich nie etwas Strafbares nachgewiesen werden konnte).

      dabei hatte die politisierte italienische Justiz wirklich alles versucht, um Berlusconi zu verurteilen:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2013/06/26/italiens-justiz-hat-wieder-zugeschlagen/

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