Warum Terror für Opfer nicht „bono“ ist

Bisher verhielten sich der Kreml sowie die russischen Medien in Sachen möglicher Anschlag auf das Passagierflugzeug mehr als zurückhaltend, wie der „Independent“ schreibt. Sollte eine Bombenexplosion als Absturzursache bestätigt werden, könnte das einen schweren innenpolitischen Dämpfer für die Großmachtpolitik Putins bedeuten.

(ORF)

Putins Syrien-Strategie beruhte auf dem Konzept, seinen Bastard Assad zu stärken.

Dabei ging es in erster Linie um Aleppo und andere umkämpfte Städte im Westen Syriens, und nicht um die vom IS beherrschten östlichen Gebiete, die Assad ohnehin abgeschrieben hatte.

Dass Putin jetzt auf einmal doch den IS zum Gegner hat, passt ihm gar nicht ins Konzept.

Auch wenn „Cui bono?“-Theorien nach Anschlägen gegen den Westen in Putins Medien stets breitgetreten wurden, sieht man jetzt, wie wenig „bono“ es ist, Opfer von miesen Terroristen zu werden.

„Bono“ ist der Terror ausschließlich für die Reputation der IS-Terroristen, die gezeigt haben, dass sich auch außerhalb des IS zuschlagen können.

Putin wird trotzdem auf den Terror reagieren müssen, und sich dabei wie der Westen die Hände schmutzig machen. Denn wer gegen Terroristen Schwäche zeigt, wird erst recht weiter zum Opfer gemacht werden.

Auch für die USA war es nicht „bono“, nach dem Al Qaida-Anschlag durch Stärke reagieren zu müssen, und sich dabei in aufreibende Kämpfe gegen islamische Irre zu verwickeln.

Bomben gegen Passagierflugzeuge waren in den 80er-Jahren Gaddafis Spezialität.

Gaddafi bestrafte Staaten, die sich ihm gegenüber falsch benommen hatten, jedoch militärisch eine Nummer zu groß waren, besonders gerne mit Bomben gegen Passagierflugzeuge.

Die Rache genoss sich Gaddafi stets im Stillen.

Lockerbie und eine über Niger explodierte französische Passagiermaschine musste er zwar letztlich auf seine Kappe nehmen.

Sein Meisterstück blieb jedoch Ustica.

Hier wurde er vom bestraften Land auch noch zum Opfer erklärt, während seine größten Gegner jahrzehntelang als Täter verdächtigt wurden.

Italien hatte es damals nicht ins Konzept gepasst, dass der wichtigste Öl-Lieferant gleichzeitig auch für den Terror zuständig war:

1994 kam ein internationales technisches Gutachten zu dem Ergebnis, dass es sich um eine Bombenexplosion im Inneren des Flugzeuges gehandelt habe, und zwar in der Toilette, welche steuerbordseitig im Heck liegt.

(Wikipedia)

Daher drückte Italien beide Augen zu, um diese Geschäfte trotz Gaddafis Terror nicht zu verderben:

Die nicht-technischen Mitglieder der Priore-Kommission sahen weiterhin eine Rakete als Ursache an.

(Wikipedia)

Gaddafi hatte aber immerhin zwei Seiten (auch wenn beide bösartig waren):

Sudans Präsident Numeiri: „Ghaddafi hat eine gespaltene Persönlichkeit – beide Seiten sind bösartig.“

So konnte er trotz wahnsinniger Rache-Aktionen am nächsten Tag wieder der charmant-schmierige „Amico“ sein, mit dem man tolle Geschäfte abschließen konnte.

Dass Gaddafi sich niemals öffentlich zu seinen Terroranschlägen bekannte, half natürlich beim Ignorieren.

Diese Möglichkeit gibt es bei Al Qaida oder dem IS nicht.

Putin wird den Kampf gegen den IS daher wohl oder übel aufnehmen müssen – mit all den hässlichen Dingen, die eine Konfrontation mit wahnsinnigen Monstern mit sich bringen.

Im Gegensatz zu Putin nach 9/11 sollte sich der Westen jetzt nicht schadenfroh zurücklehnen, sondern Putin die Unterstützung anbieten, die für einen gemeinsamen Kampf gegen den IS notwendig wäre.

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Eine Antwort to “Warum Terror für Opfer nicht „bono“ ist”

  1. Thomas Holm Says:

    Die Charlie-hebdo Karikatur dazu ist der Hammer. Truemmerteile aus der Luft gegen den Terror. Die globale Respekt-Szene ist vom Kreml bis zu den Pyramiden in heiligem Pietaets-Zorn entbrannt.

    Abgesehen davon, dass die Karikatur die Lage auf die 12 trifft, habe ich allerdings auch noch den Eindruck, dass der betreffende Hochkultur-Bogen eine solch tiefe Ironie-Ebene grundsaetzlich nicht rafft. Was fundamental viel explosiver ist als alle Fahrzeug- und Fassbomben zusammen.

    Und nota bene* Putin ist dieselbe Eurasische Lichtgestalt, zu der immerhin ein Erdogan jahrelang drohte, von der NATO weg auszubuechsen.

    *und fuer ein Cave canem ist es zu spaet fuer das Tal der Woelfe.

    Als naechstes geht es fuer Eintracht Anatolien rund sobald die Persische Ersatzbank fuer Kickers Kurdistan klargemacht ist.

    Nur sind die im Augenblick in so einer komischen Unsterblichen-Krise – in der Levante. Die wird gerade zum Generale-Massengrab fuer die Erben der Grosskoenige dieser fulminanten Hochkultur.

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