Guantanamo ohne Wärter

Allen voran die deutsche Regierung warnte in den vergangenen Tagen vor einer Vermischung der Flüchtlingsdiskussion mit dem Thema Terrorismus. „Es gibt keine Verbindung, keine einzige nachweisbare Verbindung zwischen dem Terrorismus und den Flüchtlingen – außer vielleicht einer: nämlich, dass die Flüchtlinge vor den gleichen Leuten in Syrien flüchten, die verantwortlich sind für die Anschläge in Paris“, sagte etwa der deutsche Justizminister Heiko Maas (SPD) am Montag im ARD-„Morgenmagazin“.

(ORF)

Tatsächlich behaupten die meisten syrischen Flüchtlinge in Deutschland, vor dem Assad-Regime geflohen zu sein und eben nicht vor dem IS:

Von wem geht die größte Bedrohung in Syrien aus? Laut einer Umfrage unter Flüchtlingen in Deutschland flieht die Mehrheit nicht vor dem IS, sondern vor der Gewalt des Assad-Regimes.

(SPON)

Und gerade in den westeuropäischen Wohlfahrtsstaaten war der IS beim Rekrutieren besonders erfolgreich:

Die Anzahl der Kämpfer aus Westeuropa verdoppelte sich im vergangenen Jahr auf nahezu 4.000. Die meisten kommen aus Frankreich mit geschätzten 1.200, Großbritannien (500 bis 600) und Deutschland (500 bis 600), heißt es in der Studie. Bezogen auf die Bevölkerungszahl (pro Million Einwohner) sind vor allem Belgien (40), Dänemark (27) und Schweden (19) betroffen.

Aus Österreich sind der Studie zufolge zwischen 100 und 150 Personen beziehungsweise 17 pro Million Einwohner im Kampfeinsatz in Syrien oder im Irak. Jüngste Schätzungen des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) gehen bereits von 178 in Österreich beheimateten Kämpfern aus. Von 69 Personen weiß das BVT, dass sie wieder zurückgekehrt sind.

(Standard)

Diese Zusammenhänge zu ignorieren, ist fahrlässig.

Guantanamo war ein Fehler der US-Politik.

Terroristen lässt man am besten, wo sie sind, und bekämpft sie dort.

Merkels Politik verwandelt Europa gerade in ein riesiges Guantanamo mit völlig überforderten Wärtern.

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15 Antworten to “Guantanamo ohne Wärter”

  1. Salamshalom Says:

    Hallo aron,
    bezüglich des Verursachers der syrischen Flüchtlingswelle sitzt du leider einer Fehlinformation auf. Solltest du dich bei deinen Aussagen („Laut einer Umfrage unter Flüchtlingen in Deutschland flieht die Mehrheit nicht vor dem IS, sondern vor der Gewalt des Assad-Regimes.“) auf die unsägliche „Umfrage“ von AaR berufen, so muss ich leider intervenieren. In verschiedenen Blogs wurde schon über die Fehlerhaftigkeit dieser Erhebung geschrieben. AaR musste sogar selbst 2 erklärende Artikel nachschießen, um diese Umfrage „zu erläutern“.
    Was man aber an dieser Clownerei sehr schön sehen kann, ist der Umgang der hiesigen Presse mit „Fakten“: Es wird ummodeliert, umgedeutet und ignoriert, solange, bis es in den aktuellen Artikel und seiner Aussage passt. Frei nach dem Beckenbaur` schen Motto: was kümmert mich mein Geschwätz von gestern…

    • aron2201sperber Says:

      Die meisten syrischen Flüchtlinge sind Muslimbrüder, was man an der Verschleierung der “Schwestern” leicht erkennen kann.

      Jene sind grundsätzlich auf den Westen angepisst, weil der Westen nicht genug gegen Assad getan habe – und Deutschland zählt samt Mutti nun einmal zum Westen.

      Auch am IS ist für die Muslimbrüder der Westen schuld, weil der Westen mit seiner Einmischung grundsätzlich immer an allen Problemen der islamischen Welt schuld sei. Hier übernimmt man einfach pragmatisch alle bereits bestehenden Verschwörungstheorien gegen den Westen, auch wenn sie im Widerspruch zur beklagten Nichteinmischung gegen Assad stehen.

    • aron2201sperber Says:

      Geflohene Assad-Anhänger geben dem Westen die Schuld, weil der Westen gegen Assad war, Assad-Gegner geben dem Westen die Schuld, weil der Westen nicht genug gegen Assad unternommen habe.

      Leider ist die Schuldzuweisung an den Westen so ziemlich das einzige, was man mit der westlichen Aufnahmegesellschaft gemein hat.

      Dank der westlichen Schuld braucht man sich nicht mit den Gründen, die in der islamischen Welt zur eigenen Vertreibung geführt haben, auseinandersetzen.

      Statt Verantwortung für die eigenen Probleme zu übernehmen, kann man so die eigenen Probleme mit bestem Gewissen in die schuldige westliche Aufnahmegesellschaft importieren.

      • Salamshalom Says:

        „Geflohene Assad-Anhänger geben dem Westen die Schuld, weil der Westen gegen Assad war, Assad-Gegner geben dem Westen die Schuld, weil der Westen nicht genug gegen Assad unternommen habe.“
        Aber exakt so sieht es doch auch aus. Planlose Destabilisierungsstrategie nennt sich diese Form der westlichen Intervention. Und daher muss man beiden Seiten Recht einräumen bei ihrer Kritik.

      • aron2201sperber Says:

        Planlose Destabilisierungsstrategie nennt sich diese Form der westlichen Intervention.

        welche Intervention?

        https://aron2201sperber.wordpress.com/2015/09/11/flucht-vor-verantwortung/

        seit Obama hat sich die USA nobel herausgehalten, selbst als angebliche rote Linien überschritten wurden.

      • Salamshalom Says:

        aron, eine Intervention muss nicht automatisch eine Invasion bedeuten (obwohl über so eine momentan fleißig debattiert wird).
        Dann bedeutet „Westen“ nicht automatisch Obama. Zu ihm gehören auch die Sarkozys, die Camerons, die Hollandes und viele mehr.

        Und nun zur erfolgten Intervention (!) speziell in Syrien:
        Tolerieren des Aufbaus und des Unterhaltens der welt-größten Terrorgruppe durch die best buddies des Westens, KSA und Qatar.
        Tolerieren und Unterstützung des Bündnispartners Türkei bei der Durchschleusung zehntausender Islamisten über die Grenze nach Syrien und somit direkte Stärkung der Islamisten.
        Militärische Ausbildung, Beratung und Unterstützung von Kämpfern in Syriens Nachbarstaaten. Verlust der Kontrolle über ihre Kompliance auf syrischem Gebiet und damit direkte Hilfestellung der Islamisten.
        Tolerieren der Bombardierung der (eigentlich) mit dem Westen verbündeten syrischen Kurden durch den Bündnispartner Türkei und somit direkte Stärkung der Islamisten.
        Rigoroses Ignorieren einer starken syrischen Opposition unter der Führung Haitham Manaa (Kairo) und stubides Festhalten an der Hotelopposition, die zu keiner Zeit jemals eine signifikante Unterstützung in der Bevölkerung genoss und nie genießen wird.
        Rigoroses Ausblenden der seit 2012 vorgeschlagenen Agenda, das syrische Volk unter UN-Kontrolle ihre eigene Regierung wählen zu lassen.
        Tolerieren der seit 2012 erfolgten Attentate und Selbstmordanschläge in Syrien, vor allem in Damaskus (keine Verurteilungen, kein Distanzierungen).
        Diese Liste der Interventionen ließe sich noch ziemlich verlängern. Aber mit dieser shortlist soll es erst mal gut sein.

      • aron2201sperber Says:

        aron, eine Intervention muss nicht automatisch eine Invasion bedeuten (obwohl über so eine momentan fleißig debattiert wird).

        jetzt wissen wir zwar, was alles eine Intervention sein kann (so gut wie alles)

        aber wie schaut dann eigentlich eine Nicht-Intervention aus?

        so wie bei Putin, der seinem Bastard Truppen für den Bürgerkrieg schickt?

        Und nun zur erfolgten Intervention (!) speziell in Syrien:
        Tolerieren des Aufbaus und des Unterhaltens der welt-größten Terrorgruppe durch die best buddies des Westens, KSA und Qatar.

        wirfst du dem Westen nicht einen Mangel an Realpolitik gegenüber „stabilen“ arabischen Diktaturen vor?

        wenn sich der Westen aus realpolitischen Gründen seine stabilen Bastarde wie den König der Saudi-Barbaren etc. hält, passt es dir auch nicht.

        übrigens pflegt auch dein Putin enge Beziehungen mit dem Saudi-barbarischen Königshaus:

        Saudis

        http://de.sputniknews.com/zeitungen/20151012/304868685/russland-saudi-arabien-ziele-syrien.html

      • Salamshalom Says:

        „Mein“ Putin unterhält zu Saudiarabien diplomatische Beziehungen. Die USA unterhalten zu ihren Saudis eine Beziehung, die sehr eng, nahezu intim ist (denk` mal an Prinz Bandar auf Bush`s Schoß, oder war es nur die Sessellehne?).
        Die USA haben im Golf große Militärstützpunkte, der Golf fungiert als eine Art Tankstelle für den Westen, den es unter allen Umständen zu beschützen gilt. Die USA/der Westen werden nimmer müde, ihre „Absichten“ und Legitimationen, die eng an „Demokratie, Frieden, Freiheit“ bla-bla angelehnt sind, unters Volk zu bringen. Und das (!) ist der große Unterschied zu „meinem“ Putin, „meinem“ Assad oder „meinem“ Rohani: Sie sprechen nicht davon und sie intervenieren nicht in der Weltgeschichte unter dem Vorwand der Freiheit und der Demokratie herum.
        Was unterscheidet uns Westler augenblicklich eigentlich von den Islamisten? Unsere Ideologie passt nicht zu deren Ideologie. Menschen, die dazwischen stehen, werden von beiden Seiten bombardiert. Entweder, weil es demokratisch ist oder weil Allah es will.
        http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/videos/michael-lueders-kritisiert-westliche-nahost-politik-100.html

      • aron2201sperber Says:

        Gnade! alles nur nicht Lüders

      • aron2201sperber Says:

        Was unterscheidet uns Westler augenblicklich eigentlich von den Islamisten? Unsere Ideologie passt nicht zu deren Ideologie. Menschen, die dazwischen stehen, werden von beiden Seiten bombardiert. Entweder, weil es demokratisch ist oder weil Allah es will.

        was unterscheidet Russlands Ideologie von unserer, abgesehen davon, dass Putin keine Schwuchteln mag?

        Will Russland keine Demokratie sein?

        wie gesagt, war die Demokratisierung des Nahen Ostens wohl ein überambitioniertes Projekt:

        https://aron2201sperber.wordpress.com/2015/11/16/wie-merkel-den-is-schockiert/

        grundsätzlich sollte jedoch auch Russland daran interessiert sein, dass möglichst alle Menschen, auch jene im Nahen Osten, in Demokratie und Freiheit, statt in Diktatur und Unfreiheit leben.

        obwohl Putin ein Demokrat sein will, sich von der Sowjet-Diktatur distanziert und auch sonst kaum als politisch links stehend bezeichnet werden könnte, teilt er die dümmliche Schadenfreude der ewigen Linken:

        https://aron2201sperber.wordpress.com/2015/09/10/die-linke-moral-der-schadenfreude/

  2. American Viewer Says:

    Für Schwätzer wie Salamshalom ist allein schon die Existenz von Ländern wie USA, Frankreich und Israel das Problem.

    Diese Länder haben immer schuld – egal was sie auch machen.
    Allein schon die Existenz dieser Länder auf dem Planet Erde ist eine „illegale Intervention“, die beendet werden muss.

    Es lohnt nicht mit diesen Leuten zu sprechen.

    • Salamshalom Says:

      Lieber Kollege,
      Ihre Arbeitsdiagnose ist weit hergeholt und durch das Symptombild und der Klinik nicht zu erhärten.
      Abgesehen von Ihrem persönlichen Angriff setzt mir Ihr Argumentationstsunami, mit dem Sie meine obigen Zeilen kontern, sehr zu 😉
      Oder, um es Neudeutsch nach De Maiziere auszudrücken: Ein Teil meiner Antworten hat Sie sehr verunsichert.

    • besucher Says:

      Das klingt jetzt aber wie ein Totschlagargument, hört hört. 🙂

    • max Says:

      Recht haben Sie, lieber AV. Wer den Westen mit „Islamisten“ gleichsetzt, hat nicht alle Murmeln im Sack.
      Früher waren Flagellanten noch ehrliche Leute, die droschen auf den eigenen Rücken ein. Wer heute „den Westen“ geisselt, meint ausnahmslos nie sich selber.

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