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Die verlorene Ehre der Uwes

Dezember 11, 2015

Im Frauengefängnis von München-Stadelheim, im Trakt 3 im dritten Stock, soll Beate Zschäpe sich wie eine Diva aufführen.

Zur ihrem Gefolge gehörten eine Drogensüchtige und eine notorische Schlägerin. Mit ihnen würde sie im Gruppenraum Mittagessen, über andere herziehen.

Zschäpe, so die Insassin, erwecke den Eindruck, als ginge sie der ganze Prozess nichts an: „Sie benimmt sich wie ein fröhliches Schulmädchen auf Klassenfahrt: alles eitel Sonnenschein.“

Doch die Fassade trügt: Den Richter, so die Insassin, habe Zschäpe „ein Schwein“ genannt. Und eine ihrer Gefolgsfrauen habe einer Ausländerin gedroht: „Die Beate hat mir versprochen, dass du fertig gemacht wirst.“

Andere Mitgefangene erzählen, dass es auch beim Wachpersonal Frauen gibt, die ihr – so wörtlich – „in den Arsch kriechen“

Sie sei die „Königin“ unter den Gefangenen, die „Chefin“.

(Bild)

Gegen eine „Politische Gefangene“ der RAF hätte die Bild nie einen derartigen Artikel vom Stapel gelassen.

Sämtliche Nobelpreisträger wären dann nämlich losgestürmt, um die Ehre der von Bild geschändeten Frau zu retten.

Gegen eine Rechtsextreme darf Bild hingegen hemmungslos hetzen, wie es dem linken Klischee von Bild entspricht.

Dafür sorgt sich der Spiegel rührend um den guten Ruf der Uwes, die sich gegen die Anschuldigungen durch die böse Beate nicht mehr wehren können:

Die beiden können sich also nicht mehr dagegen wehren, dass Zschäpe sie nun massiv belastet und ihnen die alleinige Verantwortung an der Mordserie zuweist.

(SPON)

Die deutsche Berichterstattung erreicht schön langsam das italienische Foxy Knoxy-Niveau.

Das kalte Schweige-Monster Zschäpe hatte erst die beiden Uwes gesteuert, jetzt streitet es alles ab und lacht sich im Gefängnis einen Ast.

Die Vorstellung, dass eine Frau mit ihren weiblichen Kräften zwei Männer kontrollierte, weist Gemeinsamkeiten mit der Amanda Knox-Story auf

Zwar war die Narrative bei Knox um einiges absurder, zumal Knox den einen Mann, der für sie gemordet haben sollte, gerade mal eine Woche und den anderen Mann (einen kriminellen Penner, der laut DNA-Spuren eindeutig der Vergewaltiger war) gar nicht gekannt hatte, und es für ein gemeinsames satanisches Ritual nicht den geringsten Hinweis gab.

Zschäpe hatte mit den Uwes immerhin zusammengelebt und es handelte sich um eine rechtsextreme Bande.

Dass Zschäpe das Alpha-Weibchen gewesen sein soll, das die beiden Männchen steuerte, ist jedoch an den Haaren herbeigezogen, selbst wenn sie beim Camping-Urlaub die Kassa verwaltet hatte.

Witzig ist auch, dass Zschäpes Verteidigung jetzt vorgeworfen wird, weibliche Klischees zu strapazieren:

Beim NSU-Prozess hat die Verteidigung Klischees über Frauen strapaziert, um Beate Zschäpe als naives Mädchen darzustellen: abhängig, emotional, unselbstständig. Zudem wird Zschäpe in eine deutsche Tradition der Schuldverdrängung gestellt: Erst habe man von nichts gewusst – und später nichts tun können.

(Von Patrick Gensing, tagesschau.de)

Dabei ist die Hexe, welche die wehrlosen Männer mit ihrer geheimnisvollen weiblichen Macht steuert, eines der ältesten Klischees über Frauen.

Meistens sind es nun einmal doch die Männer, die in solchen Gruppen die Hosen anhaben.

Selbst bei der RAF, die besonders viele “emanzipierte” Frauen in ihren Reihen hatte, war Andreas Baader der große Macker, dem sich auch die Ober-Emanze Ulrike Meinhof brav unterordnete.

Klar kann es auch Ausnahmen geben, wie jetzt bei der Terrorbraut von San Bernardino – doch die war bei der Schießerei nachweislich dabei.

Wäre sie zu Hause geblieben, wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, sie zur Mittäterin oder gar zum Kopf ihres Mannes zu erklären.

Bei Hexen wie Knox oder Zschäpe ist das hingegen anders.