Augsteins Judenknacks

Angela Merkels Flüchtlingspolitik hat viele Gegner. Vor allem in ihrer eigenen Partei.

Aber Merkels Gegner haben ein Problem: Wie erklären sie, dass so viele Deutsche seit dem vergangenen Sommer so viel Zeit und Kraft und Liebe in die Sorge um die Flüchtlinge stecken? Ganz einfach: Die haben einen „Judenknacks“.

(SPON – Jakob Augstein)

Kein einziger CDU-Politiker hat seine Kritik an Merkels Kurs mit einer derartigen Behauptung verbunden.

Tatsächlich ist der „Judenknacks“ seit 1968 eine linke Domäne.

Buchdeckel „

Als Verbündeter des Westens wurde Israel von der Stasi-gesteuerten APO dem imperialistischen Lager zugerechnet.

Seitdem zögerten die von ihrem „Judenknacks“ befreiten, selbst ernannten Entnazifizierer Deutschlands nicht, den Judenstaat ebenfalls als Nazi anzuprangern.

Dass der „Judenknacks“ mittlerweile auch wieder Eingang ins deutsche rechte Lager gefunden hat, liegt zu einem großen Teil daran, dass ehemalige Linksradikale wie Horst Mahler ins rechtsextreme Lager übergewechselt sind und ihre linken Imperialismus-Theorien dorthin mitgenommen haben.

Während eine geistige Kontinuität zwischen alter Rechten und Bewegungen wie Pegida kaum nachzuweisen ist, musste selbst Augstein empört feststellen, dass eine Pegida-Sprecherin bei einer gemeinsamen TV-Diskussion ähnliche Theorien wie er selbst vertrat.

Nicht umsonst gilt der ehemalige Kommunist Jürgen Elsässer, der bis vor wenigen Jahren noch für Augsteins Freitag geschrieben hatte, als einer der wichtigsten Ideologen der neuen (antisemitischen) Rechten.

Die Vorstellung, dass sich die deutsche Regierung aufgrund ihres „Judenknacks“ von „Tel Aviv und Washington“ steuern ließe, ist Wasser auf den Mühlen der altlinken und neurechten Antisemiten.

Dass Augstein genau jenen Antisemitismus bedient, zeigt, wie wohlverdient Augsteins Platzierung unter den aktuellen Top-Antisemiten ist.

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15 Antworten to “Augsteins Judenknacks”

  1. American Viewer Says:

    Sehr treffender Artikel. Ähnliche Gedanken hatte ich auch beim Lesen des neuesten Augstein-Aufgusses.

    • aron2201sperber Says:

      Danke für dein Lob!

      ich war mir nicht sicher, ob ich meine Überlegungen gut ausgedrückt hatte

      Augstein verfolgt mit seinem Artikel 2 Ziele:

      1) vordergründig: Merkel & Co. einzureden, man müsse aus Auschwitz-Moral so handeln

      2) hintergründig: Merkel zu unterstellen, Merkel würde wegen des deutschen Judenknacks bereits so handeln

      dabei legt er den Konservativen nie geäußerte Argumente in den Mund und lässt sie für sich sprechen.

      das ist ziemlich perfid – selbst für Augesteins Verhältnisse

  2. American Viewer Says:

    Wenn wir nicht solche Lehren aus Auschwitz ziehen wollen, welche dann?

    Hm. Was für eine *schwere* Frage von Augstein. Ich hätte da ein paar Vorschläge:

    – keine Dämonisierung Israels
    – keine einseitige Fokussierung auf Israel im Sinne von strengeren Maßstäben
    – keine Delegitimierung Israels und seiner demokratisch gewählten Regierung
    – nicht Millionen junge männliche Israelhasser bei sich aufnehmen
    – Israel im Zweifelsfall lieber unterstützen, anstatt *Verständnis* für die Diktaturen zu zeigen, die Israels Tod herbeisehnen
    – selbst kein Antisemit sein

    Augstein macht das glatte Gegenteil. Wenn er über Israel berichtet – und das macht er bekanntlich obsessiv oft – dann berichtet er nur negativ. Er kann den lebenden Juden nicht verzeihen, dass sie sich nicht auch ermorden lassen. Das ist Augsteins Judenknacks.

    • aron2201sperber Says:

      Augstein ist nicht der erste deutsche Linke, der seinen Judenknacks überwindet und Israel zu seinem Feindbild macht.

      Kunzelmann und kurze Zeit später die Kader der RAF haben es bereits vorgemacht, dass Antifaschismus und Antisemitismus sich perfekt vereinbaren lassen.

      und es sind keineswegs nur die linken Deutschen, die Israel frech zum neuen Nazi erklären, jedoch gleichzeitig den Holocaust für ihre eigenen Agenden (Migration, Multikulti, Kampf gegen Rechts,..) nützen.

      der neue Labour-Chef, Syriza, Italiens Linke etc. sind nicht besser als die deutschen Linken, obwohl sie nicht die historische Last der Deutschen tragen

  3. libertylauch Says:

    Da gibt es aber auch einen Wandel. Bei mir an der Uni sind sehr viele Linke (Linksradikale) mittlerweile pro Israel. Da gibt es teilweise sogar gemeinsame Anti-Antisemitismus Aktionen von RCDS-Klientel und Linksradikalen.

    • aron2201sperber Says:

      es hat unter Linksradikalen immer wieder auch proisraelische Sekten gegeben:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Antideutsche

      auch wenn ich bei keiner solchen Sekte dabei war, war ich früher selbst auch links und pro Israel.

      der irrationale Hass der linken Mehrheit gegen Israel und die USA haben mir geholfen, auch andere linke Überzeugungen in Frage zu stellen.

      dass manche Linke aus Israel einen Fetisch machen, macht sie nur bedingt sympathischer – wer an eine deutsche Weltverschwörung glaubt, ist auch offen für andere Verschwörungstheorien.

      sowohl Fetische als auch Feindbilder sind austauschbar:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2014/12/10/kein-gluhender-antisemit-sondern-ein-deutscher-aufklarer/

      ich bin heute Anhänger möglichst rationalen und unideologischen Denkens.

      wenn ein Araber versucht, ähnlich vernünftig zu denken, steht er mir genauso nahe wie ein gebürtiger Christ oder Jude

      und obskurantische Juden, die es genauso gibt, sind mir genauso unsympathisch wie alle anderen Obskuranten

    • American Viewer Says:

      Ich sehe das auch nicht als Wandel. Es gibt schon immer positive Ausnahmen. Aber das sind meinen Erfahrungen nach eben Ausnahmen. Diese Leute haben auf Basisebene der Linken, der SPD und der Grünen keine Mehrheit. Dort dominieren die „Israelkritiker“.

  4. aron2201sperber Says:

    Augstein verfolgt mit seinem Artikel 3 Ziele:

    1) Merkels konservative Kritiker zu diffamieren, indem er ihnen den Ausdruck „Judenknacks“ in den Mund legt.

    2) Merkel & Co. einzureden, man müsse aus Judenknacks bzw. Auschwitz-Moral weiter so handeln.

    3) zu unterstellen, Merkel hätte auch bisher aufgrund des deutschen Judenknacks so gehandelt, und so die Paranoia altlinker und neurechter antisemitischer Verschwörungstheoretiker zu bestärken

  5. Marco Says:

    Juden sind die Vorreiter des Zinsgeschäfts, des heutigen (christlich-westlichen) Familienbildes und ausserdem sind sie gute Geschäftsleute. Und Amerikaner sind die Verfechter des Kapitalismus, des Föderalismus und der freien Meinung.
    Das sind alles Dinge, die Linke (Sozialisten/Kommunisten) ablehnen und an eben dieser Haltung zu erkennen sind.

    Ich zitiere passend aus der Bibel:
    „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ Mat 7:16

    Meiner Meinung nach sind Leute wie Augstein und Todenhöfer in der selben Kategorie einzuordnen wie Hitler, Stalin, Zedong etc., ebenfalls vermeintliche Verfechter des Guten.
    Sie würden ihren Judenknacks nur zu gerne überwinden, müssten dafür aber aus der Deckung als „gute Menschen“ kommen und ihr wahres Gesicht Zeigen.

    Merke: Um einen Feind zu beseitigen, ohne den eigenen Hass ihm gegenüber preis zugeben, unterstützt einfach dessen Feind (Im heutigen Fall den Islam). So kann man Hass schüren und trotzdem als Pazifist durchgehen.

    • American Viewer Says:

      Ein sehr guter Kommentar. Darüber wird viel zu wenig gesprochen.
      Das ist doch das Problem, das wir heute haben: Hetze gegen die Marktwirtschaft, Hetze gegen das kapitalistische System und das bewusste Anstacheln einer Neid- und Wegnehmkultur gegenüber Leuten, die ein Vermögen gebildet haben – und sei es auch noch so klein.

      Aus dieser Propaganda heraus entstehen aus meiner Sicht faschistische und kommunistische Systeme – und eben nicht aus einer kritischen Haltung gegenüber der ungesteuerten Zuwanderung. Eine Massenmigration gab es zu den Zeiten von Hitler und Stalin nicht, das war damals in keinem Land der Erde ein Thema, schon gar keine ungesteuerte Massenmigration.
      Hetze gegen den Kapitalismus, das war damals das große Thema mit dem die Menschen eingenommen wurden und von dem sie eingenommen waren. Das wird heute unterschlagen.

      Viele der Schriften von damals sind in Deutschland noch heute ganz bewusst verboten, denn sonst könnte jeder genau nachlesen, was damals das große Thema war: Der “raffende” (bevorzugt angloamerikanische) Kapitalist – bei Stalin auch gerne in Form des “raffenden” Kulaken und bei Hitler natürlich in Form des “raffenden” Juden.

      Augstein reproduziert nur die Propaganda von damals. Wie so viele Linke und Rechte. Aber bei Augstein ist es besonders extrem.

  6. qwerty248 Says:

    http://www.independent.co.uk/news/world/europe/german-jews-no-longer-safe-due-to-anti-semitism-and-deteriorating-security-a6823216.html#gallery

    Ist das Werbung eines Antisemit?

  7. libertylauch Says:

    An der Uni Hannover dominieren definitiv die Pro-Israel Leute, zumindest im Politikstudium. Sie sind allerdings auch effektiver darin, andere Leute zu diffamieren (wenn auch inhaltlich korrekt). Der Israelfetisch geht dadurch allerdings nicht verloren: lustige Selfies von deutschen, antimilitaristischen Antikapitalisten mit israelischen Soldaten sind dort keine Seltenheit. Da muss man erst mal drüber nachdenken, so verwirrend ist das =D

    • MR Says:

      Nunja, Ihre subjektive Wahrnehmung mag ja im Falle Hannovers durchaus stimmen – ich wäre allerdings ziemlich skeptisch, ob Ihre Beobachtung auch für andere Universitäten zutreffend ist. An der Freien Universität Berlin sind die „Israelkritiker“ – dem Geist Rudi Dutschkes entsprechend – eindeutig in der Mehrheit. Letztes Jahr wurde beispielsweise im Rahmen eines Seminars ein Gastdozent eingeladen, der (kein Scherz) genau wusste, welche Organisation wirklich den Absturz des Germanwings-Fluges verschuldet habe: der Mossad. Vor diesem Hintergrund erscheint mir ein skeptischer Zynismus hinsichtlich vieler Linken und ihres, in ein israelkritisches Gewand gehüllten, Antisemitismus durchaus angebracht.

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