Auf Nachbarn geritzte Hakenkreuze im ORF

Vier vermummte Männer hatten im September in Bad Fischau-Brunn einen Mann überfallen, der mit seinem Fahrrad am Nachhauseweg war. Sie rissen ihn zu Boden und ritzten ihm ein Hakenkreuz in die Stirn. Das Opfer selbst brachte die Polizei auf die Spur eines Tatverdächtigen, der die vergangenen drei Monate in Untersuchungshaft verbrachte.

Bei der Hauptverhandlung am Montag am Landesgericht Wiener Neustadt wurde der Verdächtige jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

(ORF, 22.12.2015)

Nun war der 52-Jährige laut Medienberichten auf dem Weg in die Arbeit mit dem Auto zum Bahnhof unterwegs gewesen, als ihm ein Fahrzeug mit eingeschalteter Warnblinkanlage auffiel. Ein junger Mann hielt ihn unter dem Vorwand, seine Freundin sei eingeklemmt, an. Der 52-Jährige stieg aus, um zu helfen, wurde jedoch von hinten niedergeschlagen.

Als er wieder zu sich kam, sei er zur Hälfte in einem eiskalten Bach gelegen, die Hände auf dem Rücken mit Kabelbindern gefesselt. Die Verdächtigen ritzten ihm ein Hakenkreuz in die Brust und sagten, das sei die Rache für die U-Haft ihres Freundes. Im Morgengrauen sei es dem stark unterkühlten Verletzten gelungen, sich die Böschung hinauf zu einem Feldweg zu schleppen. Den Ermittlern gegenüber konnte das Opfer das Fahrzeug der Verdächtigen beschreiben und einen Teil des Kennzeichens nennen.

(ORF, 19.02.2016)

In einigen prominenten Fällen stellten sich die Geritzten nachträglich als die Ritzer heraus, auch wenn es in diesem konkreten Fall natürlich auch anders gewesen sein könnte.

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Opfer einer Hakenkreuzattacke

Bevor man – wie die Staatsanwaltschaft von Wiener Neustadt – gleich nochmals Anklage (diesmal wegen Mordversuch) gegen die vermeintlichen Täter erhebt, würde eine eingehende psychiatrische Untersuchung des Opfers nicht schaden.

Psychisch kranke Menschen sind manchmal bereit, sich selbst die schlimmsten Dinge anzutun, um ihre vermeintlichen Peiniger zu entlarven.

Der ORF spielt mit seiner „Am Schauplatz Gericht„-Sendung eine wohl nicht unwesentliche Rolle bei der Justiz-Groteske.

Die Masche von Peter Resetarits ist jene des nüchternen, objektiven Gerichtsreporters, der schmuddelige Gerichtsverfahren zwischen streitenden Nachbarn begleitet, und dabei zur Unterhaltung der Zuschauer die prozessierenden Streithähne reichlich zu Wort kommen lässt (als alter Voyeur schätze ich die Doku-Soap durchaus).

Hier handelt es sich jedoch um kein Zivilverfahren, sondern um eine ernste Strafsache, bei der ein Familienvater bereits drei Monate im Gefängnis saß und nun sogar wegen Mord angeklagt wurde.

Auch wenn das Opfer vor Gericht beim ersten Anlauf gescheitert war, gab es einen großen Fernsehauftritt bei Resetarits, ein gewaltiges Medienecho und eine Staatsanwaltschaft, die gegen das erstinstanzliche Urteil berufen hatte.

Falls es sich um die Tat eines psychisch Kranken gehandelt haben sollte, dürften jene Reaktionen die Bereitschaft für eine weitere, noch spektakulärere Selbstverletzung signifikant erhöht haben.

Und heute war das Opfer wieder bei Peter Resetarits zu Gast, der seine Rolle als objektiver Beobachter des „Schauplatz Gericht“ schon weit überschritten hat.

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10 Antworten to “Auf Nachbarn geritzte Hakenkreuze im ORF”

  1. American Viewer Says:

    zum zweiten Mal in Folge ein Hakenkreuz in die Haut geritzt worden

    Nun war der 52-Jährige laut Medienberichten auf dem Weg in die Arbeit mit dem Auto zum Bahnhof unterwegs gewesen, als ihm ein Fahrzeug mit eingeschalteter Warnblinkanlage auffiel. Ein junger Mann hielt ihn unter dem Vorwand, seine Freundin sei eingeklemmt, an.

    Das ist in der Tat eine sehr unglaubwürdige Geschichte.

    Hinzu kommt das Foto. Die Art der Schnittführung spricht in der Tat auch für Selbstverletzung.

    • aron2201sperber Says:

      ich finde die geschilderten Umstände auch ausgesprochen unglaubwürdig.

      dass gleich mehrere Personen bei so etwas mitmachen, halte ich für absolut unwahrscheinlich

      die Verletzungen kann ich zwar nicht selbst beurteilen – Danke für deine Einschätzung als Arzt! – mir erschienen sie jedoch so, dass sie sowohl von einem anderen als auch selbst zugefügt sein könnten

      ich habe schon selbst sehr schlimme Selbstverletzungen bei Gefängnisinsassen gesehen, die den Verletzungen auf dem Foto um nichts nachstanden

      • max Says:

        Typisch für solche Schnitzereien ist, dass sie ausnahmslos in Bereichen zu finden sind, die das „Opfer“ problemlos selbst erreicht. Auch die Schnittführung spricht entschieden für eine Selbstverletzung. Bei gewaltsamem Zufügen solcher Verletzungen ist erstens der Schnitt nicht so gerade, und zweitens gibt es jeweils mehrere Schnittansätze. Alles in allem ist nicht nur die Geschichte des Opfers völlig unglaubwürdig, das Verletzungsbild ist es noch mehr.

      • aron2201sperber Says:

        er gibt auch an, sich nicht an die Zufügung der Schnitte erinnert zu haben.

        dann müsste er jedoch in einem ziemlich tiefen Koma gewesen sein – von einer entsprechenden Kopfverletzung war jedoch nichts zu lesen.

      • aron2201sperber Says:

        die fehlende Kopfverletzung hat offenbar auch der Polizei stutzig gemacht:

        Die Ermittler zweifeln an T.s Aussagen. Für einen derart heftigen Schlag auf den Hinterkopf, der eine so lange Bewusstlosigkeit auslöse, fehle die passende Verletzung.

        http://kurier.at/chronik/niederoesterreich/hakenkreuz-attacke-opfer-wird-zum-beschuldigten/184.510.152

  2. aron2201sperber Says:

    die Ehefrau scheint vom Anliegen ihres Mannes völlig überzeugt zu sein.

    ich kenne aus meinem privaten Umkreis jedoch auch einen Fall eines vermutlich an Schizophrenie erkranten Mannes (er hält alle ehemaligen Freunde für Scientologen) dessen Eherfrau sich völlig auf seine Wahnwelt eingelassen hat (sonst hätte sie sich wohl auch von ihm trennen müssen)

  3. aron2201sperber Says:

    die Rolle der Staatsanwaltschaft ist auch mehr als dubios

    und wieder ist es Wiener Neustadt:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Neust%C3%A4dter_Tiersch%C3%BCtzerprozess

    mir sind die Tierschützer alles andere als sympathisch – gegen ein paar Idioten mit dem Mafia-Paragraphen aufzufahren, war völlig unverhältnismäßig.

    eine strenge Bestrafung für Sachbeschädigung hätte absolut ausgereicht

  4. aron2201sperber Says:

    gerade von Richtern und Staatsanwälten sollte man sich ein besonders hohes Maß an Rationalität erwarten.

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2013/04/16/pladoyer-fur-eine-unoriginelle-justiz/

    wie man auch bei der Aufarbeitung der Kampusch-Entführung gesehen hat, ist dies in Österreich leider nicht der Fall:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/02/28/verlockende-verschworungstheorien/

  5. Olaf Says:

    Eben gelesen:
    Wie sagt der angelsächsische Mundartdichter Wilhelm Schüttelspeer doch so trefflich: „Verdacht wohnt stets im schuldigen Gemüt; der Dieb scheut jeden Busch als einen Häscher.“

    Linke sehen das Böse, weil sie ihre Bosheit projizieren, oder eben, wenn sie komplett verrückt sind, erfinden sie Taten und ritzen sich Zeichen in den linken Wanst.

    • aron2201sperber Says:

      ich glaube nicht, dass der Typ ein Linker ist – er bezichtigt den Nachbarn auch gar nicht, ein Nazi zu sein.

      bei der Sache dürfte Politik gar keine Rolle spielen.

      das Hakenkreuz steht einfach für das Böse, es hätte jedoch wohl auch ein Davidstern sein können.

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