Auf „Ergenekon“ folgt „Geschenk Allahs“

Schon die Aufdeckung des angeblichen „Ergenekon-Putsches“ diente Erdogan als Vorwand, um gegen den „tiefen Staat“ (säkulare Generäle, Richter, Anwälte, Journalisten,…) vorzugehen.

Der neue Phantom-Putsch, der wohl in erster Linie Erdogans Herrschaft der Straße (auch in Deutschland) manifestieren sollte, führte gleich am nächsten Tag zur Entlassung von 3000 Richtern.

Die Armee-Spitze war hingegen schon längst gesäubert worden. Spätestens mit der Aufdeckung der angeblichen „Ergenekon“-Verschwörung waren Erdogan-Generäle an alle Schlüsselstellen befördert worden.

In Ägypten hatte der Muslimbruder Mursi nicht genug Zeit gehabt, um sich bei der Etablierung seines islamischen Staates vor einem Sturz durch die Armee abzusichern.

In der Türkei ist nach 13 Jahren islamistischer Herrschaft der Zug für einen säkularen Putsch längst abgefahren:

„Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“

Der Putsch, der von Erdogan selbst als „Geschenk Allahs“ bezeichnet wurde, war daher wohl lediglich eine weitere Station bei der Errichtung eines islamischen Staates.

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17 Antworten to “Auf „Ergenekon“ folgt „Geschenk Allahs“”

  1. Tourix Says:

    Das Problem ist, der türkischen Wirtschaft geht es gut. Daher haben die einfacher gestrickten Türken keinen Anlass an ihren „Führer“ zu zweifeln.
    Aber die Wirtschaft scheint zu bröckeln.
    Und spätestens wenn es dem ganzen Land dreckig geht, wird es auch zu ernsthaften Zweifel kommen und dann kann es auch wieder zu einem säkularen putsch kommen.

    • American Viewer Says:

      Man muss das Land einfach aus der NATO werfen und Sanktionen einführen. Gegen Russland ging es doch auch. Aber niemand denkt auch nur im Traum daran. Und selbst gegen Russland will man die Sanktionen schon wieder aufheben. Erdogan erhebt sich seit Jahren immer stärker zum anti-westlichen Diktator, aber man lässt ihn einfach schalten und walten wie er will. Ein Skandal ist das, vergleichbar fast nur noch mit dem Appeasement gegen Hitler.

  2. Olaf Says:

    Die deutschen Medien feiern die Islamisten, welche Soldaten foltern, mit blutroten Bilderstrecken. Der BRD-Dschurnalist ist ein Perversling sondergleichen.

  3. aron2201sperber Says:

    ein Putsch in einer Demokratie, wurde in der Zeit des Kalten Krieges immer als eine Niederlage für die westliche Demokratie angesehen.

    deswegen wurden in Ländern der westlichen Peripherie Situationen befeuert, die zu einem Putsch führten.

    die Türkei war besonders häufig davon betroffen:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2015/04/01/der-rote-terror-meldet-sich-zuruck/

    Demokratien sind ohnehin immer nur so stark, wie ihre Bürger sind.

    wenn die Mehrheit für eine antidemokratische islamistische Partei ist wie in der Türkei oder in Ägypten, hat die Demokratie sowieso schon verloren.

    auch der Antidemokrat Hitler ließ sich demokratisch wählen.

    bei Hitler endete die Demokratie mit dem Reichstagsbrand – bei Erdogan hat es etwas länger gedauert.

    mit dem Putsch dürfte die Beseitigung der türkischen Demokratie jedoch abgeschlossen werden.

  4. Paul Says:

    Das Handeln von Erdogan erinnert mich immer mehr an die Säuberungsaktion von Stalin, insbesondere an die „Große Säuberung“ 1936-1938.

    Herzlich, Paul

  5. zrwd Says:

    klingt plausibel!

  6. salamshalom Says:

    Was auch immer hinter diesem Mysterium Namens „Putsch“ steckt… der Gewinner ist der Sultan aller Osmanen. Das zumindest in seinem eigenen Reich und in seinen Strassen. Das ist Teil der Demokratie. Nur die Penetranten denken dabei unweigerlich an die Ukraine…und die damals erfolgten westlichen Reaktionen dort.
    Abseits der Mainstream-Deutung entdeckt man die Essenz: Eine offensichtliche fullminante Kehrtwende in der Aussenpolitik.
    Ärger mit den Amis, mit den Saudis, mit den Franzosen, mit den Deutschen. Die Kommandeure des Nato-Stützpunktes Incirlik werden als Mitputschisten festgesetzt. Geradewegs die Militärs, die maßgeblich am Abschuß der russischen Maschine involviert waren.
    Ein MP verbalisiert allen Ernstens, dass die „Beziehungen zu Syrien verbessert werden müssten. Wir brauchen wieder friedliche Beziehungen zu unseren Nachbarn. Zu stabilen Nachbarn“! Bumms…
    Dazu ein serviler Entschuldigungsbrief an Putin. Da bekommt das Theater um diesen Putsch gleich eine interessante Dramaturgie. Und eine ordentliche kommödiantische Note, oder soll man dilettantische Note schreiben?

    • aron2201sperber Says:

      jetzt wo Erdogan wieder mit Putin anbandelt, braucht er sich auch nicht mehr um westliche Standards bei der Bekämpfung der Opposition zu scheren.

      dass es sich bei den eingesperrten Anwälten und Journalisten um Linke handelt, macht nix – bei jeder Revolution müssen Opfer gebracht werden und außerdem waren es eh nur Trotzkisten:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/11/23/die-verschworungstheorie-frisst-ihre-kinder/

      nicht zuletzt die Kurden kann man als Putins Kumpane viel unbeschwerter bekämpfen, ohne sich dafür „westlich-demokratische“ Heuchelei vorwerfen lassen zu müssen:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/09/24/ohne-westen-lebt-sichs-leichter/

      als Putinist zählt man immer zur guten antiimperialen Seite – und die imperialistische EU bleibt dank Merkel ohnehin weiter erpressbar.

      • salamshalom Says:

        Die Entwicklung und der Progress sind nach einer Zeit der Stagnation rasant und teilweise genauso zu erwarten gewesen. Der Komplex und die Allianz, namentlich “ Die Freunde Syriens“, war aber von Anfang an ein aufgeblähter Haufen Scheiße, der vieles unter einem Deckel sammelte, was nicht gemeinsam unter einem Deckel gehörte.
        Durch den Druck der verpatzten Situation im Nahen Osten kocht die trübe Suppe jetzt endgültig über.
        Während Iran, Hizbullah, Syrien und Russland eine Schicksalsgemeinschaft bilden, verfolgen „the friends“ in weiten Teilen nur Interessen, die sich im gesamten Bild anschauend auch noch nur in einigen Sequenzen vereinen und in anderen entscheidend widersprechen. Konnte nicht gut gehen, war klar.
        Dass jetzt ausgerechnet der Frontstaat angesichts der „Behandlung“ seiner „Freunde“ (Kurden, EU, Putsch) eine Kehrtwende einzuleiten scheint, wird diesen „Freunden“ extrem wenig schmecken und man darf sehr, wirklich sehr gespannt auf die folgenden Moves sein.
        Über Imperialismus/Antiimperilaismus und solcher Worthülsen muss man wirklich nicht mehr sprechen. Die Pflöcke sind längst eingeschlagen, die Rollen verteilt.
        Der Westen hat einfach mal in der arabischen Welt bei den Indianern verkackt (Franzosen und Engländer in den `20ern bis `50ern, dann die Übernahme der „Geschäfte“ durch die USA in der Region ab den `70ern, und die Rückkehr der Westeuropäier in junger Vergangenheit) , manche Häuptlinge, mit Feuerwasser und Donnerbüchsen eingenebelt, schwimmen noch gegen den Strom des eigenen Volkes. Wer nicht mitmacht, oder nicht mehr mitmachen will, was nicht automatisch bedeuteten muss, dass nun automatisch mit dem Volk geschwommen wird, dem wird die Zuneigung entzogen und der wird neutralisiert. Oder aber, wenn sich das strategisch nicht ohne größere Komplikationen für den weißen Mann gestalten lässt, man erhöht den Output an Geschenken und Zuwendungen, um diesen störrischen Häuptling doch noch in den eigenen Reihen zu halten.
        Was also wird man mit dm Sultan machen? Umnieten oder in den Allerwertesten kriechen?

      • aron2201sperber Says:

        vieles, was in der Region gut ist, stammt aus der kurzen englischen und französischen Kolonialzeit, die du so verteufelst.

        auch die linken arabischen und persischen 68er-Studenten, die du wahrscheinlich als stramme Antiimperialisten kennst, wurden im westlich geprägten Bildungssystem jener Zeit geprägt, auch wenn in den 60ern der Zeitgeist „antiimperialistisch“, „antikolonial“ etc. war:

        https://aron2201sperber.wordpress.com/2013/02/09/ulrike-meinhofs-iranischer-genosse/

        nur wenige schaffen es, ihre alte anti-westliche Masche zu hinterfragen und sich davon zu lösen:

        https://aron2201sperber.wordpress.com/2016/07/06/der-syrer-der-nicht-bunt-sein-will/

      • salamshalom Says:

        Das Bildungssysytem war gut… und daher sollten die Araber die Inbesitznahme ihrer Heimat, die Unterwerfung, Demütigung, Vertreibung und Ermodung durch Fremde erdulden und sich womöglich, wegen oben angesprochenem Bildungssystem, dankbar zeigen…
        Genau diese arrogante, ignorante und weltfremde Sichtweise stellt den Kern des Problems dar.
        Hier der weiße Mann, der sagt, wie es geht. Dort der Einheimische, der sich zu bedanken hat.

        Ich denke, wir eleben eine Zeitenwende…

      • aron2201sperber Says:

        die schlimmste Unterwerfung, Demütigung, Vertreibung und Ermordung fand nicht durch die Kolonialherren, sondern zunächst durch einheimische Diktatoren und später durch islamische Terroristen statt.

        im Irak-Krieg gingen fast alle Opfer unter Zivilisten auf die Kappe von islamischen Terroristen.

        und so ist es überall in der islamischen Welt von Nigeria bis zu den Philippinen

      • salamshalom Says:

        Nee, ist klar.
        Warum freut man sich eigentlich in Österreich so darüber, die Türken vor Wien zurückgschlagen zu haben? Diese Kolonialisten hätten den Össis doch so viel gutes bringen können😉
        Oder die Spanier in Andalusien? Die Germanen? Die Franzosen im zweiten Weltkrieg? Wir haben den Froschschenkelfressern doch die gute deutsche Leitkultur gebracht. Das Sauerkraut. Jetzt wo wir weg sind, jagen sie sich selbst in die Luft oder fahren sie sich gegenseitig über den Haufen. So kann man es natürlich auch sehen…

      • American Viewer Says:

        „Die Germanen? Die Franzosen im zweiten Weltkrieg?“

        Die Deutschen und der zweite Weltkrieg sind doch gerade das Beispiel für, das es auch anders geht. Mit guten Beispielen hast du es nicht so, wa? Die meisten Deutschen sind meinen Erfahrungen nach heute froh, dass sie von den Alliierten erobert und besetzt wurden. Solche Besatzungen gibt es also auch. Der Besiegte muss nur einsehen, dass er falsch liegt. Das erreicht man allerdings in der Regel nur durch eine totale Kapitulation. So weit will der Westen aber schon lange nicht mehr gehen. Man könnte auch sagen: Der Westen ist extrem weich geworden. Und das ist der Hauptgrund, warum seine Interventionen seitdem nahezu allesamt grandios gescheitert sind.

        Heute würde wahrscheinlich sogar ein Krieg gegen Hitler grandios scheitern: Die Internetkommentare wären voll Trollen wie dir, die schreiben würden: „Aber den Hitler muss man doch auch mal so sehen! Krieg ist nie gut. Ein Ende der NATO-Aggressionen. Sofort!“ Und eine NGO nach dem anderen würde auf der Bildfläche auftauchen, sich von Hitler vereinnahmen lassen und das gleiche erzählen.

    • aron2201sperber Says:

      die Reich-Erweiterung auf die syrischen Muslimbrüder muss Erdogan zwar abhaken:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2016/02/05/erdogan-opfert-aleppo/

      dafür darf man wieder von einem türkisch-russischen Marsch auf Berlin träumen:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/10/16/die-eroberung-von-berlin/

    • aron2201sperber Says:

      statt aus antiimperialistischer Sicht als Förderer des IS zu missverstanden zu werden, wird man die Türkei als guten islamischen Staat wie den Iran ansehen

      sowohl die Muslimbrüder (die Hauptpartei im Bürgerkrieg von 2011 bis 2014) als auch deren Förderer (Türkei, Katar) sind flexibel und der große Satan ist für Islamisten ohnehin immer die USA

  7. Türkische Linke in Erdogans rechtem Hintern | Aron Sperber Says:

    […] Verschwörungstheorien, die Erdogan nicht zum ersten Mal gegen seine Konkurrenz einsetzt, hat Erdogan von den türkischen Linken übernommen, die ebenfalls […]

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