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Weltmoralisten statt Weltpolizisten

Oktober 11, 2016

Die Leute haben von Hillary Clinton die Schnauze voll. Außer Trump würde daher fast jeder republikanische Kandidat mit ziemlicher Sicherheit gewinnen. Und selbst der Medien-Paria Trump ist weiterhin nicht ganz chancenlos.

Als Republikaner weiß man, dass auch die anderen Kandidaten mies dargestellt worden wären. Für den aussichtsreichsten Konkurrenten Ted Cruz hatte man schon die Schublade „erzkonservativ“ bereitstellt.

Die Amerikaner haben auch mitgekriegt, dass ihr Land trotz des Musterschülers Obama um nichts beliebter geworden ist. Obama ist zwar weiter der Liebling der globalen Intelligenzija. Die USA bleibt jedoch der alte Klassenfeind.

Obama hat sein Amt – wie man es sich von ihm auch erwarten durfte bzw. musste – statt als Weltpolizist als Weltmoralist ausgelegt. Statt den Verlust des amerikanischen Sheriffs auszugleichen, hat Europas Führerin mit Obama um den Titel des Weltmoralapostels wettgeeifert.

Obama und Merkel haben eine Politik gemacht, wie sie von linken Medien und NGOs stets gepredigt wurde, auch wenn Amnesty International oder Human Rights Watch im Gegensatz zur US-Armee tatsächlich noch nie etwas zur Absetzung von Menschenrechtsbrechern beigetragen haben, und die islamische Massenzuwanderung für die westlichen Demokratien eine mindestens genauso schwierige und gefährliche Herausforderung darstellt wie die Errichtung von Demokratien in der islamischen Welt.

So wurde ein KGB-Mann trotz Zusammenbruch des Kommunismus zum wichtigsten Mann der Welt. Putin hat zwar in Syrien eine miese Rolle gespielt, indem er seinen Bastard Assad an der Macht gehalten hat. Immerhin hatte er jedoch eine klare Linie.

Ohne die eigene Bereitschaft, selbst gegen Assad einzugreifen, hatte die hochmoralische westliche Forderung nach der Absetzung Assads fatale Folgen. Die Initiative wurde dadurch fragwürdigen Verbündeten wie den Golfstaaten und der Türkei überlassen.

Herausgekommen ist dabei ein von Dschihadisten geführter Bürgerkrieg, der die Opferzahlen des Demokratie-Abenteuers von Bush bei Weitem übertroffen hat, und zur Etablierung eines neuen Taliban-Staates in Syrien und dem Irak geführt hat.

In der Kombination mit Merkels Mutti-Theresa-Syndrom ist Europa dadurch in eine epochale Flüchtlingskrise geraten. Unter dem bösen, dummen Bush und dem unmoralischen, schlauen Schröder waren die Asylzahlen hingegen stetig zurückgegangen.

Trump will sich mit Putin arrangieren. Das ist nicht sehr moralisch, aber sinnvoller als einen destabilisierenden Krieg in Syrien fortzusetzen, bei dem man im Moment die Interessen von Parteien vertritt, die unsere Zivilisation hassen.

Wenn sich selbst Islamisten wie Erdogan mit Putin arrangieren, dann muss der Westen erst recht damit aufhören, Dschihadisten in Syrien zu unterstützen.

Es ist verständlich, dass die USA nach den negativen Reaktionen auf die Absetzung Saddams und der Taliban nicht wieder Weltpolizei spielen wollten.

Weltmoralist kann man jedoch erst spielen, wenn wer anderer die Rolle des Weltpolizisten übernimmt.