Archive for 19. Februar 2017

Nicht Riad, sondern Mekka ist das Problem

Februar 19, 2017

Vernünftige Worte von Saudi-Barbariens Außenminister im Spiegel-Interview:

Al-Jubeir: Ich teile die Angst nicht. Ganz im Gegenteil: Wir sind sehr optimistisch, wir erwarten eine sehr viel engere Kooperation als bisher. Donald Trump ist ein sehr pragmatischer Mann, er ist kein Verrückter, er ist kein Ideologe. Schauen Sie sich sein Kabinett an, vom Außenminister bis zum CIA-Chef, alles fähige Persönlichkeiten mit viel Erfahrung. Trump selbst hat klargemacht, dass die USA unter ihm eine starke Rolle in der Welt spielen werden, dass er den „Islamischen Staat“ bekämpfen will, dass er Iran stärker kontrollieren will. Alle diese Ziele teilen wir.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie haben hier auch die vielen Befürchtungen gehört, dass das Risiko von militärischen Auseinandersetzungen, von neuen US-Interventionen unter Trump steigen wird.

Al-Jubeir: Erinnern Sie sich an die Zeit als Ronald Reagan 1980 gewählt wurde. Die Welt, allen voran in Europa, fürchtete einen Atomkrieg. Nena sang in ihrem Popsong „99 Luftballons“ vom Ende der Welt, vom Weltkrieg. Was ist dann passiert? Reagan hat die Ausweitung der Sowjetunion verhindert, aber er hat immer gemeinsam mit der Welt gehandelt. Am Ende unterzeichnete er einen Waffenkontrollvertrag mit Moskau. Die düsteren Erwartungen erwiesen sich als falsch. Ganz ähnlich wird es auch bei Trump sein.

SPIEGEL ONLINE: Donald Trump macht offen Stimmung gegen alle Muslime. Seine erste Amtshandlung war ein Einreiseverbot für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern. Kein Grund zur Sorge für Saudi-Arabien?

Al-Jubeir: Der Travel Ban richtete sich ausdrücklich nicht gegen Saudi-Arabien, zudem sind die Maßnahmen ja umgehend eingeschränkt worden, sie sind zeitlich limitiert. Saudi-Arabien respektiert das Interesse, die USA sicher zu machen und besser zu kontrollieren, wer ins Land kommt.

SPIEGEL ONLINE: Die Maßnahme wurde als krasse Vorverurteilung von Muslimen verstanden, auch weil Trump im Wahlkampf Ressentiments gegen Muslime benutzte.

Al-Jubeir : Der Präsident hat gesagt, dass sich die Einreisebestimmungen nicht gegen Muslime richteten, sondern gegen Länder, die schlechte Kontrollen haben.

Ausgerechnet diejenigen, die dem Westen mangelnden Realismus im Umgang mit arabischen Despoten wie Saddam oder Assad vorhalten, spielen bei den Saudi-Barbaren die Moralaposteln.

Besonders gerne werden unsere Waffenverkäufe an die Saudi-Barbaren angeprangert, so als ob der IS oder andere Dschihadisten mit deutschen Panzern herumfahren würden.

Was man zu Recht kritisieren darf, ist die saudische Finanzierung von Daʿwa, ein Hobby, das die Saudis ihren Wahabiten zugestehen, damit sie im eigenen Land Ruhe geben und stattdessen andere Länder terrorisieren:

Heiliger Sankt Florian / Verschon‘ mein Haus / Zünd‘ andre an!

Das ist zwar mies von den Saudis. Wir sind allerdings selbst schuld, wenn wir dem Treiben der Salafisten in unseren eigenen Ländern im Namen der Religionsfreiheit tatenlos zusehen.

Es läge an uns, Burkaverbote und andere Maßnahmen gegen unsere Salafisten zu erlassen. Wer den IS in Syrien bekämpfen will, sollte damit zuerst vor der eigenen Haustüre beginnen.

Dabei ist es nicht einmal die Saudische Regierung, die sich für die Salafisten-Burka in Europa stark macht, sondern es sind die europäischen Linken im Verbund mit den schein-gemäßigten Islamisten von der Muslimbruderschaft.

Es mag auch mies von den Saudi-Barbaren sein, keine Flüchtlinge aus der arabischen Welt aufzunehmen. Trotzdem hatte Riad Merkel keinen Befehl zur Aufnahme von Millionen Moslems erteilt.

Nicht Riad, sondern Mekka ist das Problem:

„Oh Allah, schenke Sieg, Ehre und Macht unsere Brüdern den Dschihadisten im Jemen, in Syrien, im Irak, auf der ganzen Welt. Laß sie triumphieren über die verräterischen Juden, die bösartigen Christen und die unzuverlässigen Heuchler.“

(Abdurrahman ibn Abdulaziz as-Sudais, Imam der heiligen Moschee von Mekka, 2015)

Da der Islam im säkularen Europa jedoch heilig ist und „zu Deutschland gehört“, darf immer nur Riad und nie das heilige Mekka kritisiert werden.

Die Fata Morgana der syrischen Herzchirurgen

Februar 19, 2017

Syrien war immer eine Diktatur. Wer zur Elite gehören wollte, musste sich mit der Diktatur arrangieren.

Als es zu Beginn der syrischen Revolution schlecht für das Assad-Regime aussah, kam auch der eine oder andere Hochgebildete aus der syrischen Elite als Flüchtling in Europa an. Über solche Fälle wurde in den Willkommens-Medien euphorisch berichtet.

Es entstand dadurch die Illusion, dass wie nach der iranischen Revolution die Ankunft einer westlich orientierten gebildeten Elite zu erwarten gewesen wäre. Diese Hoffnung entpuppte sich als Fata Morgana.

Die in den Medien präsentierten Herzchirurgen waren die absoluten Ausnahmen. Syrien war auch schon vor dem Bürgerkrieg ein armes Land mit hoher Arbeitslosigkeit (über 20 %) und schlechtem Bildungsniveau, das man nicht mit dem Iran unter dem Schah, sondern mit anderen bevölkerungsreichen arabischen Staaten ohne große Bodenschätze (Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten) vergleichen kann.

Die Mehrheit der Syrer sind Sunniten, schlecht gebildet und politisch den islamistischen Muslimbrüdern zuzurechnen. Erdogan unterstützte seine syrischen Islamisten-Brüder, die bei demokratischen Wahlen wohl auch die Mehrheit erreicht hätten, weshalb sie zu Beginn der Revolution Oberwasser hatten und auch von den USA als zukünftige Sieger angesehen wurden.

Die schlecht gebildeten sunnitischen Durchschnittssyrer stellten sich jedoch im Laufe der Zeit als die großen Verlierer des syrischen Bürgerkriegs heraus. Assad konnte sein Regime mit russischer und iranischer Hilfe festigen, und in den Sunniten-Gebieten setzten sich importierte salafistische Dschihad-Profis gegen die einheimischen Muslimbrüder durch. Obama hatte zwar stets den Sturz des Assad-Regimes eingefordert, ohne jedoch die Bereitschaft zu haben, entscheidend einzugreifen und mit den Durchschnittssyrern neue Verhältnisse zu schaffen.

Für die Durchschnittssyrer tat sich jedoch 2015 durch die Etablierung der Balkanroute eine andere attraktive Option auf. Nun verließen nicht mehr nur Syrer aus umkämpften Gebieten ihre Wohnorte, sondern alle, die mit einer Flucht in die europäischen Wohlfahrtsstaaten auf eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen rechnen durften.

Hätten die Durchschnitts-Marokkaner, -Algerier, -Tunesier oder -Ägypter einen freien Zugang in die europäischen Wohlfahrtsstaaten gehabt, hätten viele die Gelegenheit auch ohne Krieg oder sonstige Asylgründe sofort genützt.

Daher schlossen sich viele von ihnen den Syrern an, als 2015 ein unkontrollierter Flüchtlingsstrom von der Türkei bis Schweden in Gang gesetzt wurde.

Durch die Etablierung der Balkanroute und die Einladungspolitik Merkels wurde die Behauptung, aus Syrien geflüchtet zu sein, zum „Sesam öffne dich“ für die arabischen Massen, die zwar schlecht für den europäischen Arbeitsmarkt quaifiziert sind, aber dafür mit ihren kinderreichen Familien perfekt mit dem Sozialstaat harmonieren.