Spiegelscher Beobachter

Dass es sich bei der „Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Syrien“ um keine objektive Institution handelt, ist für westliche Medien schon seit Langem kein Geheimnis mehr:

Menschenrechte in Syrien: Ominöse Protokollanten des Todes

(SZ, 26.11.2012)

Auch der Spiegel pflegt seit Jahren, folgenden Hinweis beizufügen, wenn er die Beobachtungsstelle als Quelle nützt:

Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

(SPON, 08.11.2016)

Wenn sich die sonst „kaum überprüfbaren Angaben“ gegen den gemeinsamen Erzfeind Trump richten, pfeift der Spiegel jedoch auf seine journalistische Sorgfaltspflicht:

Seit Donald Trump US-Präsident ist, steigt die Zahl ziviler Opfer bei amerikanischen Luftangriffen in Syrien drastisch an. Dafür gibt es offenbar Gründe.

Bei diesen Angriffen kamen nach übereinstimmenden Berichten von Medien der syrischen Opposition, Anti-IS-Aktivisten und der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens zehn Zivilisten ums Leben.

(„Trumps todbringende Offensive“ – SPON)

Bei den „Anti-IS-Aktivisten“, die der Spiegel als anonyme Kronzeugen ins Feld führt, dürfte es sich wohl um Raqqa is being slaughtered silently handeln.

Jene „Anti-IS-Aktivisten“ berichten direkt aus dem Herzen des IS.

Was an ihnen „Anti-IS“ sein soll, ist allerdings kaum nachvollziehbar.

Als der IS dabei war, Kobane zu stürmen, wurde dies von den angeblichen Anti-IS-Aktivisten bejubelt.

Mag schon sein, dass die „Aktivisten“ eher der Muslimbruderschaft als den IS-Salafisten zuzurechnen sind. Es handelt sich dabei aber eindeutig nicht um politische Gegner, sondern um Verbündete. Sonst könnten sie auch wohl kaum aus dem Herzen des IS berichten.

Die Muslimbrüder haben mit ihren radikaleren Brüdern von Al-Qaida auch gerade eine Großoffensive auf Hama gestartet (immerhin die viertgrößte Stadt Syriens). Natürlich ganz ohne Beobachtungen der „Beobachtungsstelle“ über zivile Opfer.

ProtestIdlib

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4 Antworten to “Spiegelscher Beobachter”

  1. salamshalom Says:

    Was soll ich sagen… 100% agree

  2. aron2201sperber Says:

    als die Muslimbruderschaft mit Al-Qaida eine Großoffensive auf Hama startete, gab es für die Beobachtungsstelle nix zu beanstanden.

    wenn die syrische Armee gegen die Dschihadisten zurückschlägt, werden alle Register der Propaganda gezogen:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-raketenangriff-auf-klinik-mit-mutmasslichen-giftgas-opfern-a-1141800.html

    im Unterschied zu der Anti-US-Propaganda im IS-Territorium wird vom Spiegel diesmal darüber im Konjunktiv berichtet

  3. Brüderischer Beobachter | Aron Sperber Says:

    […] „Beobachtungen“ zu den Angriffen der USA gegen den IS  wurden vom Spiegel hingegen als harte Fakten präsentiert. Schließlich ging es dabei gegen den gemeinsamen Todfeind […]

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