Archive for 1. März 2019

Auf welcher Seite standen die Tschetschenen?

März 1, 2019

75 Jahre später: Die Deportation der Tschetschenen durch Stalin wirkt bis heute weiter

Am Morgen des 23. Februar 1944 begann der Einsatz der Roten Armee im Nordkaukasus gegen die eigene Bevölkerung. Die gesamte tschetschenische und inguschische Bevölkerung der Region wurde nach Sibirien und Zentralasien deportiert und durfte erst nach Stalins Tod in die Heimat zurückkehren. Historiker schätzen, dass mehr als eine Drittel die Deportation nicht überlebt hat. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erklärte Tschetschenien seine Unabhängigkeit, Moskau antwortete mit Gewalt, der Krieg forderte unter der Zivilbevölkerung schwere Opfer. Etwa hunderttausend Tschetschenen flüchteten vor dem Krieg und dem danach errichteten autoritären Regime nach Westeuropa.

Christian Lininger hat in Tschetschenien recherchiert, wie sich die Deportation vor 75 Jahren bis heute auswirkt. Im Studio des Europajournals erklärt die Schriftstellerin und Journalistin Maynat Kurbanowa, wie die etwa 25.000 in Österreich lebenden Tschetschenen mit dem schweren Erbe umgehen und wie die Volksgruppe auch hier immer wieder zum Spielball der Innenpolitik wird.

(ORF)

Natürlich war Stalin ein grausamer Tyrann, der keinen Widerstand duldete und die besiegten Völker grausam behandelte. Ein winziger Aspekt wird bei der ORF-Erzählung jedoch ausgelassen, obwohl er sonst bei der Behandlung und Bewertung von Ereignissen des Zweiten Weltskriegs von zentraler Bedeutung ist.

Auf welcher Seite standen die Tschetschenen?

Wer sonst auf Hitlers Seite stand so wie wir Österreicher oder die kroatischen Ustascha konnte sich kaum als Opfer präsentieren, selbst wenn ebenfalls viele Unschuldige an den Kriegsfolgen leiden mussten.

Nur bei den Tschetschenen durchbricht der ORF die übliche Grundordnung. Muslimischen Flüchtlingen wird als „Juden von heute“ selbst ein Bündnis mit Adolf Hitler nachgesehen.

Bildergebnis für hitler mufti

In weiterer Folge wird den Russen auch die Alleinschuld an den jüngeren Kriegen zugewiesen. Dass 1999 von ihrer unabhängigen Republik aus Jihadisten in die Nachbarrepublik Dagestan eingefallen waren und so den zweiten Krieg ausgelöst hatten, war für den ORF kein Thema.

Als Putins Vasall wird dem bösen Kadyrow vorgeworfen, die Deportation nicht hinreichend zu würdigen. Dass seine Vorfahren genauso unter Stalins Opfer waren, wird dabei ausgeblendet. Völker werden sich kaum versöhnen, wenn sie auf ewig die Verfehlungen der Gegenseite zelebrieren. Insofern ist der Vorwurf gegen Kadyrow ziemlich hohl, außer man ist für eine Fortsetzung des Krieges gegen Russland.

Zu guter Letzt war auch die im Beitrag genannte Zahl (25.000) der Tschetschenen in Österreich unrichtig. Laut dem ehemaligen Innenminister Sobotka waren es vor zwei Jahren rund 35.000.

Sie waren zwar tatsächlich bei Stalin und heute bei Putin Opfer. Sie waren jedoch mit Hitler und heute mit dem IS auch Täter.

Bildergebnis für tschetschenen demo wien