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Rozznjogd auf kleinen Braunauer

April 24, 2019

Die Berliner AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat gegen SPD-Fraktionschef Raed Saleh Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Grund sind Äußerung von Saleh bei der Klausur der SPD-Fraktion vor einer Woche in Rostock. Dabei hatte Saleh erklärt, die AfD sei keine Volkspartei. „Sie gehören wieder dorthin, wo sie herkommen und zwar in ihre Rattenlöcher.“

(Tagesspiegel)

Der Berliner SPD-Fraktionschef musste natürlich nicht zurücktreten und das Thema blieb auf die Berliner Zeitungen beschränkt.

Nicht jeder kleine Braunauer ist ein Hitler. Beim Vizebürgermeister von Braunau reichte die Erregung jedoch trotzdem vom ORF bis zur NY Times, obwohl die „Stadtratte“ in ihrer Kolumne anders als ihr Berliner Kollege nicht nur ihre politischen Gegner, sondern alle Menschen mit Ratten gleichgesetzt hatte:

In dem Gedicht bezeichnet er nicht nur Flüchtlinge und Migranten, sondern auch sich selbst und seine Familie als Ratten. Er habe „aus Sicht eines Tieres, das eine Stadt von unten beobachtet, Veränderungen beschrieben“, die er und andere „durchaus zu Recht“ kritisieren würden.

(Spiegel)

Wenn selbst Hasnain Kazim vom Spiegel so fair war, diesen Umstand zu erwähnen, war es um so unredlicher von Sebastian Kurz, sich an die Spitze der Rattenjagd auf die „Stadtratte“ zu stellen.

Die FPÖ hat äußerst feige auf die öffentliche Hinrichtung eines ihrer „Geringen“ reagiert. Offenbar akzeptiert die FPÖ, dass es bei kleinen Braunauern politisch korrekt ist, wenn sie wegen ihrer Herkunft diskriminiert werden.

Ich selbst komme ja nicht von der Rechten und habe noch die FPÖ und lediglich einmal ÖVP gewählt. Mit meiner Empörung über die Rattenjagd liege ich allerdings gar nicht so weit von meinen linken Wurzeln entfernt.

Die Rozznjogd war in Österreich vor 48 Jahren ein Schlüssel-Stück der Linken. Abgesehen vom Inhalt stand schon allein der Name für Widerstand gegen eine ungerechte Jagdgesellschaft, die sich Schwache herauspickt.

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