Krone als Köder

Es ist bizarr, dass sich Strache ausgerechnet mit der ohnehin relativ FPÖ-freundlichen Krone ködern ließ. Noch mehr FPÖ-Nähe wäre für die Krone unauthentisch und hätte kaum mehr Stimmen gebracht, sondern eher Leser verscheucht.

Das Erfolgsgeheimnis der Krone war stets ihre Volksnähe. Im Gegensatz zu linken Medien, die sich nur so nannten, war die Krone eine echte „Volksstimme“. Die Leute haben nicht wegen der Krone die FPÖ gewählt, sondern die populistische Krone war naturgemäß auch die Zeitung der populistischen FPÖ-Wähler.

Dem alten Dichand war stets bewußt, dass die Lesermeinungen den größten Anteil am Erfolg der Krone hatten. Sowohl Dichands Erben als auch Haiders Erben sehen das anders und glauben, dass die Krone mächtiger als die eigenen Leser ist.

Wie beschränkt die Macht der herkömmlichen Medien ist, sieht man am besten am ORF, der mit 700 Millionen pro Jahr ein Vielfaches aller anderen Budgets zur Verfügung hatte, aber seine grünen Lieblinge trotzdem nicht im Parlament halten konnte.

Durch das Internet (sofern es halbwegs frei bleibt), ist die Macht aller Medien beschränkt, wenn sie am Volk vorbei berichten. Deswegen sind die sozialen Medien für alle herkömmlichen Medien von Krone bis ORF die großen Feinde, deren Einschränkung sie von der Politik einfordern.

6 Antworten to “Krone als Köder”

  1. American Viewer Says:

    Besonders klug ist HC wahrlich nie gewesen. Gutes Beispiel von dir. Von daher ist es gut, dass er jetzt weg ist. Ich weiß nicht wie Hofer ist, aber schlimmer als HC wird er schon nicht sein. Er kommt jedenfalls moderater und intelligenter rüber als HC.

    • aron2201sperber Says:

      auch wenn es widersprüchlich klingt: mir war an Strache sympathisch, dass er eine Persönlichkeit mit Brüchen und Widersprüchen war.

      Gerade seine Liebe zu Ibiza und Party war eben nicht typisch rechts. Diese Dimension der schillernden Persönlichkeit gab es bei Haider sogar noch stärker.

      Interessant ist ja auch, dass in dem Video nichts von rassistischen oder gar antisemitischen Sprüchen zu hören war.

      ausgerechent ein eher linker Bekannter wies mich heute – es negativ meinend – auf diesen „Mangel an echter Ideologie“ des „rechten Hetzers“ hin.

      mir bestätigt es hingegen, dass sich Strache tatsächlich weitgehend von seinen Nazi-Wurzeln entfernt hatte – und ein normaler rechter Politiker geworden war, dem das Thema Migration zupass kam und es als demokratischer Politiker behandelte.

    • aron2201sperber Says:

      die Überbewertung der Krone ist in Österreich tief verankert.

      dabei ist das Erfolgsgeheimnis sehr simpel: Volksnähe und Authentizität.

      weil die Krone der Hecht (außer Fellner) im sonst akademischen volksfernen Qualitätsjournalismus ist, schreibt man der Krone Wunderkräfte zu, mit der sie über die Politik bestimmen könne.

      auch Strache, der eigentlich mit den selben Mitteln wie die Krone Politik betrieben hat, ist auf den Medien-Mythos Krone hereingefallen.

      • American Viewer Says:

        Gute Analyse zur Krone, sehe ich auch so. Und ihre Bedeutung wird weiter schwinden, wie bei BILD und Co auch.

        Ich weiß nicht sehr viel über Haider, aber mich erinnert er an Karl Röhm – stockschwul und Nazi durch und durch, gerade auch privat. Was er wirklich gedacht hat, antisemitisch-weltverschwörerisch usw., ließ Haider vielleicht nur selten raus, aber das war wohl ganz tief in ihm drin und wohl auch eher unverrückbar.

        Ich denke Strache war in der Tat mehr Opportunist, der den Nazikram nicht mehr wirklich geglaubt hat, in seiner Jugend vielleicht schon noch, aber heute nicht mehr.

        Er war kein Ideologe, aber vielleicht korrupt, wobei „korrupt“ in den Augen des Systems natürlich heute sehr weit gefasst wird, da gilt man schon als Staatsfeind, wenn man den Staatsfunk abschaffen will.

        Hier und da hatte er richtige Ideen, aber einen Plan zur Umsetzung, ohne dass es legal kritisch wird, und ohne dass einen das System zerstört, hatte er nicht. Das ist aber zugegebenermaßen auch extrem schwer.

  2. Wer braucht schon russische Oligarchen? | Aron Sperber Says:

    […] die einzige früher halbwegs FPÖ-freundliche Zeitung hat jetzt im FPÖ-Hass sogar den ORF überholt. Ganz nebenbei gehören die Anteile, die Strache der […]

  3. Der echte Krone-Oligarch | Aron Sperber Says:

    […] sich Strache ausgerechnet mit der Krone, die immer noch die FPÖ-freundlichste Zeitung war, ködern ließ, war eine echte Idiotie. Noch mehr FPÖ-Nähe wäre unauthentisch rübergekommen. Jede andere […]

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