Haselsteiners Silberstein?

Miteigentümer Haselsteiner sagt im Gespräch mit dem STANDARD, dass er vor wenigen Tagen von Zoltán Aczél kontaktiert worden sei. Der Lobbyist, einst Generalsekretär des Liberalen Forums, ist für die Strabag seit einigen Jahren für den Bereich Osteuropa als Berater tätig und betrieb auch die Agentur Eurocontact.

Laut Haselsteiner habe Aczél ihm erzählt, dass „Aczél das Ibiza-Video tatsächlich angeboten“ wurde. Aczél habe aber abgelehnt und es der Strabag oder direkt Haselsteiner nicht weitergeleitet oder angeboten. Denn er habe gewusst, „dass ich das nicht annehmen würde“, so Haselsteiner.

(Standard, 27.05.2019)

Auch die neuen Infos, die dem bisherigen Haupt-Aufdecker der Video-Produktion von einem angeblichen  Insider zugesteckt wurden, zeichnen Haselsteiner als Saubermann, der das Video aus moralischen Gründen nicht haben wollte. Laut EU-Infothek wurde das Video erstellt, um die FPÖ und im Video von Strache belastete Personen damit zu erpressen. Dann ist es jedoch widersprüchlich, dass das Video nicht der FPÖ und den belasteten Spendern wie Glock angeboten wurde, sondern Haselsteiner, der in dem Video gut wegkommt.

Der Inhalt des Videos deutet gerade in Hinblick auf Haselsteiner auf ein fix zur Veröffentlichung vorgesehenes politisches Auftragswerk hin und nicht auf ein Erpresser-Tool. Der einzig logische Grund für die Schubladisierung bleibt für mich die Silberstein-Affäre, die unmittelbar nach der Produktion des Videos begann.

Mit etwas Abstand erscheinen einige Umstände der Silberstein-Affäre bemerkenswert. Tatsächlich tauchte Tal Silberstein zunächst bei Haselsteiners Neos zum ersten Mal in Österreichs Medien auf, auch wenn er dort gleich als riesengroße Nummer präsentiert wurde, die selbst den lahmen Gusi zum Sieg verholfen hätte:

Dafür tut sich hinter den Kulissen Spannendes. Meinl-Reisinger hat für ihren Wahlkampf einen prominenten Berater zur Seite gestellt bekommen: Tal Silberstein. Auch wenn sein Name nicht vielen ein Begriff sein wird – jene, die er beraten hat, kennen alle: den früheren Ministerpräsidenten Israels, Ehud Barak, zum Beispiel. Oder die ehemalige ukrainische Ministerpräsidentin, Julia Timoschenko (wenn auch im wenig erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf 2014).

Außerdem – und das ist das Wesentliche für die Neos – hat Silberstein für die SPÖ gearbeitet. Gemeinsam mit dem früheren Spindoktor Bill Clintons, Stanley Greenberg, konzipierte er die Kampagnen für Michael Häupl vor der Wien-Wahl 2001 und für Kanzlerkandidat Alfred Gusenbauer in den Jahren 2002 und 2006.

Für Haselsteiners Neos machte es der angeblich weltweit begehrte Silberstein allerdings gratis:

Ein offizieller strategischer Berater sei er jedoch nicht, betont sie. Dafür spricht auch seine Entlohnung, nämlich: null. „Er macht das gratis“, versichert die Wiener Neos-Chefin. Was beachtlich ist, wenn man nämlich bedenkt, wie viel Silberstein sonst eigentlich nimmt. In Branchenkreisen ist da schon einmal von sechsstelligen Euro-Beträgen die Rede, wenn sein Name fällt.

(Die Presse, 22.05.2015)

Ich frage mich nachträglich immer mehr, was einen Israeli, der nicht Deutsch sprach und wohl wenig über die österreichischen Verhältnisse wußte, dafür qualifizierte, hier den großen Zampano für Gusis und Haselsteiners Wahlkämpfe zu spielen.

Silbersteins Lager hat in Israel in den letzten 20 Jahren keine Wahlkämpfe mehr gewonnen – und außerhalb Israels und Österreichs ist Silberstein, über den es nicht einmal eine englische Wikipedia-Seite gibt, ein Nobody:

https://de.wikipedia.org/wiki/Tal_Silberstein

Mich erinnert Silberstein allmählich an Italiens berüchtigte Freimauerloge P2. Die P2 war in Wahrheit eine Sockenpuppe der Mächtigen, die sie als Sündenbock für die eigenen Machenschaften nützten. Das Pendant zu Silberstein, ein junger Arzt, der so eitel gewesen war, sich zum „Super-Geheimdient“ der P2-Loge küren zu lassen, wanderte 12 Jahre in den Bau, während die wirklich Mächtigen (ohne Mitgliedschaft bei der bösen Loge) straffrei blieben.

Silberstein und der iranische Anwalt wirken auf mich auch wie Haselsteiners Sockenpuppen. Verwendet der österreichische Oligarch für seine linken Aktionen verkrachte israelische Spin-Doktoren und bankrotte iranische Anwälte, die man zur Not als Schuldige präsentieren kann?

4 Antworten to “Haselsteiners Silberstein?”

  1. Olaf Says:

    Dieser Haselsteiner sollte mal vom Innenminister durchleuchtet werden, vor allen Dingen, wieviel und für was er die „Gratis-Berater“ bezahlt hat. Mal sehen, wen VdB zum Innenminister macht.

  2. American Viewer Says:

    Ich wusste bisher nicht, dass die Korruption in Österreich so extrem ist. Nahezu jeder Ex-Kanzler scheint auf solchen Posten zu sitzen. Schüssel ist auch „Vorstand“ in Russland. Und ich dachte bisher Deutschland mit Schröder sei extrem.

  3. aron2201sperber Says:

    Ceiberweiber war für mich immer eine Verschwörungstheoretikerin, aber wenn wie jetzt Politik mit Verschwörungen Politik gemacht wird, bekommen VT auf einmal einen Sinn.

    was sie schreibt, hat zumidenst bei einigen Aspekten Hand und Fuß:

    https://alexandrabader.wordpress.com/2019/05/31/coup-teil-16-falsche-faehrte-zum-bvt/

    und sie erfüllt den Job, den man sich in so einer Situation vom Profi-Journalismus erwarten sollte.

    die Profis sehen ihre Aufgabe darin, sich über das Video, das vielleicht direkt ein guter Gott vom Himmel fallen ließ, ausgiebig zu freuen und sich über Straches Dummheit zu empören.

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