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Schummelt Erdogan oder türkt er?

Oktober 2, 2019

Zweifel an türkischen Statistiken: Schummelt Erdogan bei den Flüchtlingszahlen?

(Maximilian Popp – SPON)

Nein, lieber Maxi, Erdogan schummelt nicht, er türkt im ganz großen Stil.

Es ist zwar lobenswert, dass Erdogans Flüchtlingszahlen endlich auch einmal in den Mainstream-Medien in Frage gestellt werden.

Leider geschieht es sowohl in der Überschrift als auch inhaltlich auf eine sehr verharmlosende Art und Weise, wie man sie in diesem Zusammenhang auch von der EU kennt.

Als der EU-Rechnungshof die Milliarden-Zahlungen für Erdogans Flüchtlings-Betreuung kontrollieren wollte, wurde die Herausgabe der Primärdaten der angeblichen Nutznießer unter Berufung auf den türkischen Datenschutz verweigert.

Obwohl ohne Primärdaten jegliche Überprüfung völlig unmöglich war, spielte die EU diese Vorgehensweise als (bei EU-Förderungen auch sonst mehr oder weniger übliche) „mangelhafte Transparenz“ herunter.

Wäre es um ein paar Millionen für ein griechisches Flüchtlings-Projekt gegangen, hätte die EU den Griechen bei so einer Vorgehensweise die Hölle heiß gemacht und alle Medien hätten den griechischen Missbrauch von EU-Asyl-Geldern empört angeprangert. Bei Erdogans 6 Milliarden hielt sich die EU jedoch zurück, da man sonst womöglich die Erdogan-Politik der großen Merkel in Frage hätte stellen müssen.

Ein ganz entscheidender Komplize, um die EU melken zu können, war der UNHCR, der mit seinem (längst unberechtigt) guten Namen jahrelang Erdogans getürkte Flüchtlingszahlen deckte.

Dem UNHCR dürfte allerdings langsam dämmern, dass der Image-Schaden als Erdogans Komplize dramatisch ausfallen könnte, und er versucht seine Spuren aus den Karten zu verwischen.

Bis August 2019 wurden in den drei Provinzen Hatay, Gaziantep und Sanliurfa, wo sich auch die organisierten Zeltlager befinden, die meisten der „registierten Syrer“ verortet – „über 300.000 je Provinz“:

https://data2.unhcr.org/en/documents/download/70974

Laut Erdogans Narrativ, das vom UNHCR jahrelang gedeckt wurde, waren die registrierten Syrer in den Provinzen Hatay, Gaziantep und Sanliurfa, in denen sich auch die Zeltlager (für ursprünglich rund 200.000 Menschen) befanden, am privaten Wohnungsmarkt untergekommen.

In jenen strukturschwachen Regionen ist es jedoch völlig unrealistisch, dass Millionen Menschen eine Wohnung finden konnten.

Warum hatte Erdogan ausgerechnet jene strukturschwachen Provinzen als Wohnsitz seiner Syrer angegeben?

Weil jene Lüge der Wahrheit trotzdem noch am nächsten kam. Immerhin gab es dort tatsächlich syrische Flüchtlinge, auch wenn die ursprünglich rund 200.000 (mittlerweile 60.000) Bewohner der Zeltlager nicht 5%, sondern wohl eher 90% der in der Türkei (nicht nur auf der Durchreise) befindlichen Syrer ausmachten.

Statt „über 300.000“ stehen jetzt bei den drei Provinzen auf einmal laut UNHCR nur noch realistische „über 10.000“:

https://data2.unhcr.org/en/documents/download/71505