Schummelt Erdogan oder türkt er?

Zweifel an türkischen Statistiken: Schummelt Erdogan bei den Flüchtlingszahlen?

(Maximilian Popp – SPON)

Nein, lieber Maxi, Erdogan schummelt nicht, er türkt im ganz großen Stil.

Es ist zwar lobenswert, dass Erdogans Flüchtlingszahlen endlich auch einmal in den Mainstream-Medien in Frage gestellt werden.

Leider geschieht es sowohl in der Überschrift als auch inhaltlich auf eine sehr verharmlosende Art und Weise, wie man sie in diesem Zusammenhang auch von der EU kennt.

Als der EU-Rechnungshof die Milliarden-Zahlungen für Erdogans Flüchtlings-Betreuung kontrollieren wollte, wurde die Herausgabe der Primärdaten der angeblichen Nutznießer unter Berufung auf den türkischen Datenschutz verweigert.

Obwohl ohne Primärdaten jegliche Überprüfung völlig unmöglich war, spielte die EU diese Vorgehensweise als (bei EU-Förderungen auch sonst mehr oder weniger übliche) „mangelhafte Transparenz“ herunter.

Wäre es um ein paar Millionen für ein griechisches Flüchtlings-Projekt gegangen, hätte die EU den Griechen bei so einer Vorgehensweise die Hölle heiß gemacht und alle Medien hätten den griechischen Missbrauch von EU-Asyl-Geldern empört angeprangert. Bei Erdogans 6 Milliarden hielt sich die EU jedoch zurück, da man sonst womöglich die Erdogan-Politik der großen Merkel in Frage hätte stellen müssen.

Ein ganz entscheidender Komplize, um die EU melken zu können, war der UNHCR, der mit seinem (längst unberechtigt) guten Namen jahrelang Erdogans getürkte Flüchtlingszahlen deckte.

Dem UNHCR dürfte allerdings langsam dämmern, dass der Image-Schaden als Erdogans Komplize dramatisch ausfallen könnte, und er versucht seine Spuren aus den Karten zu verwischen.

Bis August 2019 wurden in den drei Provinzen Hatay, Gaziantep und Sanliurfa, wo sich auch die organisierten Zeltlager befinden, die meisten der „registierten Syrer“ verortet – „über 300.000 je Provinz“:

https://data2.unhcr.org/en/documents/download/70974

Laut Erdogans Narrativ, das vom UNHCR jahrelang gedeckt wurde, waren die registrierten Syrer in den Provinzen Hatay, Gaziantep und Sanliurfa, in denen sich auch die Zeltlager (für ursprünglich rund 200.000 Menschen) befanden, am privaten Wohnungsmarkt untergekommen.

In jenen strukturschwachen Regionen ist es jedoch völlig unrealistisch, dass Millionen Menschen eine Wohnung finden konnten.

Warum hatte Erdogan ausgerechnet jene strukturschwachen Provinzen als Wohnsitz seiner Syrer angegeben?

Weil jene Lüge der Wahrheit trotzdem noch am nächsten kam. Immerhin gab es dort tatsächlich syrische Flüchtlinge, auch wenn die ursprünglich rund 200.000 (mittlerweile 60.000) Bewohner der Zeltlager nicht 5%, sondern wohl eher 90% der in der Türkei (nicht nur auf der Durchreise) befindlichen Syrer ausmachten.

Statt „über 300.000“ stehen jetzt bei den drei Provinzen auf einmal laut UNHCR nur noch realistische „über 10.000“:

https://data2.unhcr.org/en/documents/download/71505

6 Antworten to “Schummelt Erdogan oder türkt er?”

  1. aron2201sperber Says:

    diese Zahlen aus 2016 zeigen, wie widersprüchlich die „über 300.000“, die jahrelang vom UNHCR geliefert wurden, schon von Anfang an, waren:

    https://data2.unhcr.org/en/documents/download/50924

  2. American Viewer Says:

    Ist es theoretisch möglich, dass relevante Anteile dieser Leute mittlerweile einfach nach Syrien zurückgekehrt sind?

    Eine Reise nach Zentraleuropa kostet wahrscheinlich schon ein bisschen Geld, ich tippe das können sich nicht alle Syrer leisten.

    Andererseits bekommen sie alles zugesteckt, sobald sie da sind, ganz anders als in der Türkei. Ich tippe mal sie verschulden sich und die Endrechnung bezahlen dann teilweise Germoney und Co.

    • aron2201sperber Says:

      der größte Teil ist einfach durchgereist. Die Registrierungen erfolgten ohne Dokumente und ohne Fingerabdrücke.

      es ist daher einfach eine nichtssagende Liste von Namen ohne Aussagekraft, die nie kontrolliert, geschweige denn bereinigt wurde.

      die EU hätte es in der Hand gehabt, den Schwindel durch Kontrollen auffliegen zu lassen.

      man hat sich jedoch dagegen entschieden und so das System Erdogan gestützt.

    • aron2201sperber Says:

      einige aus den Zeltlagern sind wohl nach Sryien zurückgekehrt. Die Türkei hat ja viele Lager in der Südost-Türkei geschlossen (und hat ganz offiziell nur noch 60.000 statt ursprünglich 200.000).

      Dafür hat man auf der anderen Seite der Grenze vor allem rund um die Stadt Azaz, die von mit der Türkei verbündeten Jihadisten eingenommen wurde (bzw. den Kurden, die den Kampf gegen den IS ausgetragen hatten. weggeschnappt wurde), einige neue Zeltlager errichtet, in der man viele Zeltflüchtlinge, die zuvor in den türkischen Lagern waren, umtransferiert hatte:

      https://www.infomigrants.net/en/post/7937/turkey-plans-to-establish-refugee-camps-in-syria

  3. aron2201sperber Says:

    einige aus den Zeltlagern sind wohl nach Sryien zurückgekehrt. Die Türkei hat ja viele Lager in der Südost-Türkei geschlossen (und hat ganz offiziell nur noch 60.000 statt ursprünglich 200.000).

    Dafür hat man auf der anderen Seite der Grenze vor allem rund um die Stadt Azaz, die von mit der Türkei verbündeten Jihadisten eingenommen wurde (bzw. den Kurden, die den Kampf gegen den IS ausgetragen hatten. weggeschnappt wurde), einige neue Zeltlager errichtet, in der man viele Zeltflüchtlinge, die zuvor in den türkischen Lagern waren, umtransferiert hatte:

    https://www.infomigrants.net/en/post/7937/turkey-plans-to-establish-refugee-camps-in-syria

  4. aron2201sperber Says:

    die Karte wurde nun umgeändert: staat über 10.000 sollen es doch wieder über 300.000 sein.

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