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Silberstein so unecht wie Oligarchin?

Juni 23, 2020

Die Frage, ob Silberstein hinter Straches Problemen stecke, wirkt heute veraltet. Tal Silberstein ist so schnell wieder aus Österreich verschwunden, wie er 2017 aufgetaucht war.

Mit etwas Abstand erscheinen einige Umstände der Silberstein-Affäre bemerkenswert. Tatsächlich tauchte der Name Tal Silberstein erstmals 2015 in Österreichs Medien auf.

Und zwar nicht bei der SPÖ, sondern bei Haselsteiners Neos, auch wenn er dort gleich als großer Zampano präsentiert wurde, der angeblich Ehud Barak in Israel und sogar dem wenig attraktiven Gusi zum Wahlsieg verholfen hätte.

Meinl-Reisinger hat für ihren Wahlkampf einen prominenten Berater zur Seite gestellt bekommen: Tal Silberstein. Auch wenn sein Name nicht vielen ein Begriff sein wird – jene, die er beraten hat, kennen alle: den früheren Ministerpräsidenten Israels, Ehud Barak, zum Beispiel. Oder die ehemalige ukrainische Ministerpräsidentin, Julia Timoschenko (wenn auch im wenig erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf 2014).

Außerdem – und das ist das Wesentliche für die Neos – hat Silberstein für die SPÖ gearbeitet. Gemeinsam mit dem früheren Spindoktor Bill Clintons, Stanley Greenberg, konzipierte er die Kampagnen für Michael Häupl vor der Wien-Wahl 2001 und für Kanzlerkandidat Alfred Gusenbauer in den Jahren 2002 und 2006.

Ein offizieller strategischer Berater sei er jedoch nicht, betont sie. Dafür spricht auch seine Entlohnung, nämlich: null. „Er macht das gratis“, versichert die Wiener Neos-Chefin. Was beachtlich ist, wenn man nämlich bedenkt, wie viel Silberstein sonst eigentlich nimmt. In Branchenkreisen ist da schon einmal von sechsstelligen Euro-Beträgen die Rede, wenn sein Name fällt.

(Die Presse, 22.05.2015)

Der teure Silberstein war für Haselsteiners Neos laut Beate Meinl-Reisinger ein „Gratis“-Geschenk. Ich frage mich nachträglich immer mehr, was einen Israeli, der nicht einmal Deutsch sprach, dafür qualifizierte, hier den großen Zampano für Gusis und Haselsteiners Wahlkämpfe zu spielen?

Abgesehen von Österreich ist Tal Silberstein, über den es nicht einmal eine englische Wikipedia-Seite gibt, ein absoluter Nobody. Fast alle Quellen zu seiner deutschen Wikipedia-Seite beziehen sich auf den österreichischen Wahlkampf von 2017. Sonst sind keine ähnlichen Aktivitäten des angeblichen „Experten für Dirty Campaigning“ bekannt.

In israelischen Medien taucht er lediglich als kleiner Handlanger des Milliardärs Beny Steinmetz (ehemaliger Geschäftspartner von Rene Benko) auf, der für ihn Schmiergelder an rumänische Beamte ausgezahlt haben soll.

Anfang 2013 hatte Benko den israelischen Bergbaumilliardär, der vor allem im Diamantengeschäft tätig ist, an Bord geholt, um unter anderem die Übernahme von Karstadt-Kaufhäusern und des Berliner KaDeWe finanziell zu stemmen. Dass Steinmetz 2015 aus der Warenhauskette ausgestiegen ist, soll auch daran liegen, dass Benko aufgrund der Vorwürfe gegen Steinmetz um seinen Ruf gefürchtet hat.

2017 wurde Steinmetz im Zuge von Ermittlungen der israelischen Polizei festgenommen – gemeinsam mit vier anderen Verdächtigen, darunter der ehemalige SPÖ-Berater Tal Silberstein. Gegen Steinmetz und Silberstein wurde wegen Bestechung von Regierungsbeamten bei Immobiliengeschäften in Rumänien ermittelt.

(Der Standard, 16.06.2020)

Seine Rolle als „israelischer Dirty Campaigner“ wirkt heute ähnlich unecht wie die „russische Oligarchin“, die Strache zu Fall gebracht hatte.

Ausgerechnet einen Israeli den bösen Buben spielen zu lassen, ist in einem Land, das doch eine schwere Geschichte mit Antisemitismus hinter sich hat, eine ziemlich miese Nummer. Was man mit Silberstein eigentlich noch vorhatte, bleibt unklar, da er durch die Verhaftung wegen der Steinmetz-Affäre aus dem Spiel genommen werden musste. Aber immerhin hatte man mit der russischen Oligarchin und dem Ibiza-Video noch einen Plan B, um das Wahlergebnis rasch wieder korrigieren zu können.