Unser Nawalny

Besser dokumentierte Nawalny selbst auf seinem eigenen Blog seine damalige Haltung. Bürgerrechtler nennt er dort: „quasiliberale Wichser“, Homosexuelle: „Schwuchteln“, die weggesperrt gehörten. Und als Russland 2008 in Georgien einmarschierte, sprach er sich für die Deportation aller Georgier aus Russland aus. Und schrieb, dass „das Hauptquartier der Nagetiere“ (Tiflis) mit Marschflugkörpern zerstört gehöre.

Außerdem bemühte er das bekannte rechtspopulistische Klischee, dass russische Frauen „nicht mehr auf die Straße gehen“ könnten. Sich gegen Verbrecher und Terroristen, etwa aus Tschetschenien, auszusprechen ist an sich natürlich gut und richtig. Deren Entmenschlichung als „Kakerlaken“, gegen die sich die gesamte Bevölkerung bewaffnen müsse, mutet aus westlicher Sicht dennoch eigen an.

(MOPO)

In dem Artikel wird so getan, als ob die aus „westlicher Sicht“ befremdlichen Sprüche halt russische Folklore wären.

Warum findet man dann aber keine solchen Zitate von Putin?

Ich war nie ein Putin-Fan. Die Heroisierung von Nawalny bei gleichzeitiger Dämonisierung der eigenen Opposition stößt mir allerdings sauer auf. Während man Demonstrationen gegen die eigene Regierung verbietet, weil der rechtsextreme Martin Sellner teilnehme, würde man eine Demonstration für Nawalny und gegen die russische Regierung auch in Corona-Zeiten jederzeit erlauben. Wie bei reaktionären Islamisten, die von unseren Progressiven als „Genoss*innen“ angesehen werden, blendet man Nawalnys Inhalte aus, wenn es gegen Putin geht.

Zwar wurden die Terrorermittlungen gegen Sellner eingestellt. Wegen Spendenbetrugs (der auch zu Nawalnys Verurteilung gedient hatte) wird jedoch weiterermittelt. Im Gefängnis gelandet ist unser Nawalny noch nicht. Bei uns ist die Repression halt ein wenig subtiler.

Putin kann allerdings von den (viel eleganteren) Möglichkeiten, die wir gegen unseren Nawalny haben, nur träumen. Man stelle sich vor, Putins könnte jeden Facebook-Beitrag, der auch nur Nawalnys Namen erwähnt oder ein Bild von ihm enthält, automatisch löschen lassen. So fällt es natürlich leichter, auf Gefängnisstrafen gegen unsere Nawalnys zu verzichten.

Alexey Nawalny: Putin wirft Russlands Super-Blogger in den Knast - Politik  Ausland - Bild.de

4 Antworten to “Unser Nawalny”

  1. Olaf Says:

    Wir haben Meinungsfreiheit, aber ohne Namen und Wörter. Grunzlaute sind erlaubt. Wie bei Animalfarm im Originalton.

    Dieser rechte Nawalny ist also der grüne Hero gegen Putin? Wie grunzt man Verlogenheit?

  2. Schadet Facebook sich freiwillig selbst? | Aron Sperber Says:

    […] 2019 geteilten Artikels der „Jungen Freiheit„, der ein vom tiefen Weltstaat politisch verbotenes Bild enthalten hatte und eines Beitrags von 2016, in dem ich mich mit dem […]

  3. bf3sojiro Says:

    Naja, wirklich subtil ist die Repression auch bei uns nicht – unbescholtene Jungfamilie die ihre Meinung sagen und/oder an Demos teilnehmen werden menschenrechtswidrig enteignet & mit willkürlichen Gerichtsverfahren finanziell ausgeblutet… während (angeblich „unter Beobachtung stehende“) Terroristen selbst während einer „Pandemie“ zwecks Munitionsbeschaffung frei durch Europa tingeln können.

    Auch historisch betrachtet sollten beim Thema Enteignung die Alarmglocken schrillen – mal die Artikel „Österreichische Präsidentschaftskanzlei deckt Enteignungen“ und „Abschied vom Rechtsstaat – Volksanwaltschaft legte Jahresbericht für 2018 vor“ lesen, der Autor Mag. Johannes Schütz ist Medienwissenschafter und war auch Lehrbeauftragter an der Uni Wien…

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