Türkische oder getürkte Flüchtlingshilfe?

Gerade „echte Syrer“ hätten bei uns nach wie vor viel bessere Chancen auf Asyl als Afghanen oder Pakistaner und würden sich die Gelegenheit, rasch über eine offene Grenze in die EU zu gelangen, daher kaum entgehen lassen.

Warum befanden sich trotzdem kaum Syrer unter den Migranten, die sich im März 2020 von Erdogans Versprechungen einer offenen türkischen Grenze zum Sturm auf die griechische Grenze anstiften ließen?

Die simple Erklärung ist, dass sich im Verhältnis zu anderen Migranten einfach wenige Syrer in der Türkei aufhalten. Dass die Türkei ihre organisierten Lager für Syrer stetig von den ursprünglich 292.000 Plätzen auf nur noch 60.000 Plätze reduzieren konnte, spricht klar für diese Theorie:

Von ihnen lebten bis zum Sommer 2018 etwa 292 000 in 21 staatlich organisierten Lagern. Im Herbst vergangenen Jahres begannen die Behörden, die ersten Lager zu schließen.

(Frankfurter Rundschau)

Offiziell stellen die Syrer die mit Abstand größte Migrantengruppe in der Türkei dar. Die von der Türkei verbreiteten Zahlen liegen bei beeindruckenden 3,7 Millionen Syrern. Unsere Medien und Politiker beten die türkischen Zahlen regelmäßig völlig unkritisch nach.

Als der EU-Rechnungshof Erdogans Flüchtlingsleistungen kontrollieren wollte, wurde die Herausgabe der Daten mit Hinweis auf den türkischen Datenschutz verweigert. Die 3,7 Millionen Syrer existieren in Wahrheit wohl lediglich in der türkischen Statistik. In der Realität sind die (oft mehrfach und ohne Dokumente) in der Türkei „registrierten Syrer“ längst in Österreich, Deutschland und Schweden. Die Türkei bekommt von der EU Milliarden für „Millionen Syrer“, die oft längst zu uns weitergereist sind.

Wo es jedoch viele syrische Flüchtlinge gibt, zwar nicht Millionen, aber gut 500.000 (in 2015 waren es auch nicht mehr „echte Syrer“, die mit den 1,5 Millionen von Merkel eingeladenen Migranten ankamen), ist jenseits der Grenze im von der Türkei und den mit ihr verbündeten Jihadisten besetzten Teil Syriens.

Diese Syrer wird Erdogan aber erst in die Türkei lassen, wenn der Weg nach Europa wie 2015 frei ist – und die Syrer wie damals lediglich auf der Durchreise wären.

Three killed in YPG attack on Syrian refugee camp

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