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Pressefreiheit durch Corona-Demonstranten bedroht?

Mai 4, 2022

Den Platz in der Spitzengruppe der Staaten mit guter Pressefreiheit hat Österreich bereits 2019 aufgrund der „Ibiza“-Affäre verloren. Nach einer leichten Aufwärtsbewegung in den vergangenen Jahren ist Österreich mit dem aktuellen Ranking von Reporter ohne Grenzen (ROG) wieder drastisch abgerutscht – von Platz 17 auf 31. Die Medienfreiheitsorganisation spricht von einem „katastrophalen Absturz“.

Als Erklärung für den Absturz Österreichs im Ranking nannte die Medienfreiheitsorganisation gegenüber ORF.at Angriffe gegen Journalisten und Journalistinnen bei Anti-CoV-Maßnahmen-Demos und das Bekanntwerden der „erkauften positiven Berichterstattung“ in Boulevardmedien im Zuge der ÖVP-Inseratenaffäre. 

(ORF)

Der Ibiza-Skandal wird als Grund für Österreichs schlechtes Ranking genannt, auch wenn die Veröffentlichung des Videos bereits einige Jahre her ist und das Video zwar die (von mir früher nur dem KGB zugetrauten) Methoden zur Absetzung unliebsamer Politiker zeigt, jedoch wenig über die Pressefreiheit aussagt.

Dass außer der kleine Blog „EU-Infothek“ so gut wie niemand über die Hintermänner recherchiert hatte, zeigt lediglich die Gleichförmigkeit und Zugehörigkeit zum Establishment der Journalisten, die sich wie das restliche Establishment brav über das Video gefreut hatten und keinen Grund sahen, lästig nach Hintermännern zu fragen.

Bastis Boulevard-Bestechung war zwar nicht sehr elegant. Korrupt sind jedoch heute so gut wie alle Journalisten, die nie die Hand, die sie füttert, beißen würden. Seit Corona hat sich dieser Trend noch wesentlich verstärkt.

Pöbeleien gegen Journalisten von Corona-Demonstranten als Angriff auf die Pressefreiheit zu bewerten, ist grotesk. Verglichen mit den alljährlichen linken Mai-Krawallen in Deutschland oder den BLM-Randalen in den USA verliefen die Corona-Demos in Deutschland und Österreich absolut friedlich ab.

Wenn jede Pöbelei von bösen Demonstranten als Angriff auf die Pressefreiheit gewertet werden sollte, hätte man auch bei Lukaschenko die Pöbeleien der Demonstranten gegen seine systemtreuen Schreiber als Verstoß gegen die Pressefreiheit durch die Demonstranten bewerten müssen. Ergibt sich etwa dadurch die schlechte Bewertung der Pressefreiheit in Weißrussland?

Besonders witzig ist die schlechte Beurteilung der USA, weil sie trotz der Abwahl des Journalisten-Schrecks Trump immer noch polarisierte Medien hätten. Solange es Fox News gäbe und nicht alle Medien auf CNN, WP, NY Times-Linie wären, könnten gute „Reporter ohne Grenzen“ nicht grenzenlos zufrieden sein.

Und obwohl Ex-US-Präsident Donald Trump inzwischen abgewählt wurde, haben sich die USA nur wenig auf den 42. Platz verbessert, da die Medien weiterhin polarisiert seien.

In demokratischen Gesellschaften wachse die Spaltung durch die Verbreitung von Meinungsmedien und Desinformation, warnte ROG.

Eine gute Medienlandschaft ist also eine möglichst gleichgeschaltete Medienlandschaft. Warum China dann aber nicht ganz oben steht, ist mir dann allerdings ein Rätsel. In China wurden Journalisten, die die Maßnahmen des Regimes bejubelten, vor bösen Demonstranten und Corona-Leugnern vorbildlich geschützt. Auch die Verbreitung von Verschwörungstheorien bzw. „Desinformation“ zum Ursprung aus dem Wuhan Labor war in chinesischen Medien nicht zu finden.