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Pressefreiheit auch für miesen Journalismus

August 24, 2009

Der Artikel im schwedischen Boulevard-Blatt „Aftonbladet“ ist exemplarisch für miesen, unfundierten Tratsch-Journalismus. Pressefreiheit beinhaltet jedoch auch schlechten Journalismus (wie in der genannten Zeitung) – sei er von bösen, reichen, einflußreichen Finsterlingen wie Dichand, Murdoch oder Berlusconi gesteuert oder von den elitären Qualitätsmedien wie ORF, BBC oder NY Times produziert.

Pressefreiheit hat nichts mit gutem oder schlechtem Journalimus zu tun, sondern damit, ob der Staat freie Meinungsäußerung zulässt oder nicht (siehe Iran, Kuba, China und sämtliche arabische Staaten)

Vom schwedischen Staat eine Verurteilung des Artikels zu fordern, zeugt daher von einem falschen Verständnis von demokratischen Grundrechten. Es  ist nicht die Pflicht des schwedischen Staates, sich für einen miesen Journalisten zu entschuldigen, solange dieser im Rahmen der schwedischen Gesetze sein Recht auf Meinungsfreiheit ausübt.

Ausgerechnet die Israelis sollten es besser wissen – und das hat nicht das geringste mit den von deutschen Israelkritikern gern eingemahnten „Lehren des Holocausts“ zu tun – sondern mit der eigenen demokratischen Geschichte, in der Israel trotz Krieg und Existenzbedrohung bis jetzt ein Verfassungsstaat mit Grundrechten wie dem Recht auf Meinungsfreiheit geblieben ist.

Nirgendwo wird Israel schärfer kritisiert als in den eigenen Medien wie der Haaretz – oft auch auf  journalistisch unseriöse und sehr schädliche Art und Weise. Trotzdem sollte jedem vernünftigen Israeli klar sein, dass ein Verbot der Haaretz eine Demontage des demokratischen Verfassungsstaats Israel bedeuten würde.

Würde sich Israel vom demokratischen Verfassungsstaat verabschieden, würden Relativisten wie Peter Scholl-Latour, die „Freedom and Democracy“ als westliche Illusion, die sich nicht mit der Mentalität der „edlen, wilden Orientalen“ verträgt, betrachten, am Ende doch Recht behalten.

Folgerichtig hat Peter Scholl-Latour in einer TV-Diskussion auch seine eindeutigen Präferenzen für den schneidigen Netanyahu im Gegensatz zum schwächlichen Olmert bekundet. Sowie der „Große Welterklärer“  leider jeden Hardliner anfeuert, der seinen Prophezeihungen von der „Untauglichkeit der westlichen Demokratie“ zur Erfüllung verhelfen könnte.

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