Posts Tagged ‘Che Guevara’

Weihnachtsansprache für Internet-Protestanten

Dezember 27, 2013

Man kann über Edward Snowden sehr unterschiedliche Meinungen haben. Eines aber sollte man ihm nicht unterstellen: Übergroße Bescheidenheit. Eine „Weihnachtsansprache“ hielt er jetzt im britischen Fernsehen. In Papstmanier. Als Gewissen der Welt. Wir wissen das so genau, weil sämtliche deutschen Medien pflichtschuldig den Begriff nachplapperten.

Noch einmal: Vom Sinn der Snowdenschen Enthüllungen ist hier nicht die Rede, sondern von einem medienkulturellen Phänomen. Dass Snowden sich als zentrale moralische Institution der westlichen Welt inszeniert, mag man ihm von mir aus gestatten. Ebenfalls bekannt ist unsere popkulturell geschürte Sehnsucht nach protestästhetischen Heldenfiguren in der Nachfolge Ches.

(Dr. Alexander Gutzmer – Die Achse des Guten)

In Europa und den USA sind wir mit unseren Regierungen, die uns nicht die totale digitale Freiheit garantieren, zwar furchtbar unzufrieden – wirkliche Angst vor einer realen Verfolgung hat jedoch niemand.

Trotz aller Empörung weiß man ganz genau, dass bei uns wohl kaum irgendwelche kleinbürgerlichen Internet-Che-Guevaras im Visier der Sicherheitsapparate stehen.

Snowden ist mit sensiblen Daten zu Staaten gelaufen, die zwar nicht über dieselben technischen Möglichkeiten zur Erlangung von Informationen verfügen, jedoch bei der missbräuchlichen Nutzung wesentlich uneingeschränkter sind.

Auch wenn der russische Geheimdienst nicht die Möglichkeit hat, auf die Daten von Google oder Facebook zuzugreifen, ist die Freiheit der ungestraften Meinungsäußerung keineswegs größer.

Wie Russland mit einem Fall Snowden umgegangen wäre, kann man sich angesichts des Schicksals von Litwinenko leicht ausmalen.

Angebliche Helden des Journalismus wie Assange oder Snowden haben nichts Neues enthüllt – die Wikileaks-Veröffentlichungen enthielten keinen einzigen echten Skandal.

Dass das Internet nach Terroristenaktivitäten etc. durchsucht wird, war längst bekannt. Die Vorratsdatenspeicherung von Handy-Gesprächen ist in Deutschland unlängst gesetzlich beschlossen worden. Niemand würde etwas strafrechtlich Heikles über E-Mail oder SMS kommunizieren.

Snowden hat jedoch wie Wikileaks Feinden unseres Systems zur Waffengleichheit verholfen.

Auch Julius Rosenberg wurde einst von allen links-guten Menschen als Märtyrer verehrt.

Letztlich war er jedoch nur der Handlanger eines miesen Systems, welches durch seinen Verrat die Möglichkeit erhielt, rechtzeitig die Waffen zu beschaffen, die es benötigte, um halb Europa 45 Jahre lang zu unterjochen.

Wie Che und Luke gegen das Imperium

Februar 19, 2013

Niemand strahlt mehr revolutionären Chic aus als der Comandante. Das Che Guevara T-Shirt gehört zur Grundausstatung jedes jungen oder junggebliebenen Rebellen. Von Hollywood bis Donaustadt wurden dem Held der kubanischen Revolution Denkmäler errichtet.

Die „westlichen Che Guevaras“ wissen zwar nicht wirklich, wofür sie sind, sie wissen aber immer, wogegen sie sind:

Man ist gegen die Globalisierung, den Kapitalismus und das Imperium.  Am liebsten würde man wie Luke Skywalker oder Avatar als Rebell gegen ein technisch hochgerüstetes, finsteres Imperium  (wenn auch nur vor dem Computer) in die Schlacht ziehen.

Deswegen hegte man auch für den Kampf der antiwestlichen Dschihadisten im Irak große Sympathie.

Wofür das finstere Imperium und wofür die Rebellen inhaltlich stehen, ist nicht so wichtig, da man selbst auch nicht weiß, wofür man eigentlich ist.

Argwöhnisch betrachtet werden Rebellionen nur dann, wenn sie sich nicht gegen den imperialistischen Feind richten.

So verwandelten sich die im Irak bewunderten „Widerstandskämpfer“ in Syrien plötzlich in „Terroristen“.

Die „Che Guevaras des Westens“

Januar 10, 2010

Niemand strahlt mehr revolutionären Chic aus als der Comandante.

Das Che Guevara T-Shirt gehört zur Grundausstatung jedes jungen oder junggebliebenen Rebellen.

Von Hollywood bis Wien wurden dem Held der kubanischen Revolution Denkmäler errichtet.

Die „westlichen Che Guevaras“ wissen zwar selten, wofür sie sind, sie wissen aber immer wogegen sie sind:

Man ist gegen die Globalisierung und den Kapitalismus. Und sie alle würden gerne wie Luke Skywalker oder Avatar als Rebellen gegen ein technisch hochgerüstetes, finsteres Imperium in die Schlacht ziehen.

Deswegen empfindet man für den Kampf der rebellischen Taliban oder der islamistischen Widerstandskämpfer im Irak große Sympathien.

Wofür das finstere Imperium und wofür die Rebellen inhaltlich stehen, kann erfolgreich ausgeblendet werden.

Argwöhnisch betrachtet werden Rebellionen nur dann, wenn sie sich nicht gegen den imperialistischen Feind richten.