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Augstein und Feltrinelli

März 20, 2015

Ich bewundere die Contenance, mit der Blome mit dem irren Augstein spricht – der wäre bestimmt ein guter Psychiater geworden:

Augsteins Karriere erinnert an den Terror-Milliardär Feltrinelli.

Feltrinelli war zwar auch erst in Augsteins Alter endgültig durchgedreht und vom linken Verleger zum Organisator des linken Terrors geworden.

Was Augstein jedoch zu einem echten Feltrinelli fehlt, ist ein Ostblock.

Mit Geld allein lässt sich das, was Feltrinelli schuf, nicht wiederholen.

Dazu brauchte es schon die logistische Unterstützung von KGB & Co, die dem vertrottelten Milliardärs-Söhnchen aus Italien gern bei seinem Irrsinn behilflich waren.

Augstein wird daher wohl auf dem Level bleiben, bei dem viele Rechtfertiger von Gewalt vor dem Start des linken Terrors bereits vor 68 waren.

Die Logik, wonach der Terror wegen Vietnam nach Europa getragen werden dürfe, wurde auch schon anlässlich des (nie aufgeklärten) Kaufhausbrandes von Brüssel von Kunzelmann bemüht:

Am 22. Mai 1967 brannte in Brüssel das Kaufhaus À l’innovation. 322 Menschen kamen dabei ums Leben. Dieses Ereignis inspirierte die Berliner Kommune 1 zu Flugblättern, in denen einerseits das menschliche Leid bedauert, andererseits aber auch die Freude an der Zerstörung des kapitalistischen Symbols zum Ausdruck gebracht wurde. Das Leid der Betroffenen wurde mit dem Leid der im Vietnamkrieg mit Napalm bombardierten Menschen verglichen.[2]

Flugblatt Nr. 7 „Warum brennst du, Konsument?
[…] Ein brennendes Kaufhaus mit brennenden Menschen vermittelte zum ersten Mal in einer europäischen Großstadt jenes knisternde Vietnamgefühl (dabei zu sein und mitzubrennen), das wir in Berlin bislang noch missen müssen. […] So sehr wir den Schmerz der Hinterbliebenen in Brüssel mitempfinden: wir, die wir dem Neuen aufgeschlossen sind, können, solange das rechte Maß nicht überschritten wird, dem Kühnen und Unkonventionellen, das, bei aller menschlichen Tragik im Brüsseler Kaufhausbrand steckt, unsere Bewunderung nicht versagen. […]
Kommune I (24.5.1967)“[3]

(Wikipedia)

Kraushaars verpasste Gelegenheit

März 8, 2013

Ich habe mir soeben das neue Buch von Wolfgang Kraushaar besorgt.

Zunächst möchte ich dem Autor dafür Respekt zollen, dass er sich einem brisanten Thema widmet, mit dem er sich im linken Kultur-Establishment wohl wenig Freunde machen wird.

Buchdeckel „

Das Buch enthält einige Spekulationen, wie man sie auch schon in seinem Buch über den Buback-Mord findet.

Im Gegensatz zu seinem frühren Werk richten sich die Spekulationen diesmal nicht nur gegen den verachtenswerten Verfassungsschutz und seine Kollaborateurinnen, sondern gegen respektable Genossen, weswegen er sich diesmal statt Lob so manchen juristischen Ärger einhandeln dürfte:

Die öffentliche Ausstreuung vager Verdächtigungen darf eine präzise Beweisführung nicht ersetzen und wird dem Anspruch auf Aufklärung dieses heimtückischen Brandanschlags nicht gerecht. Die zitierten Stellen erfüllen den Tatbestand der üblen Nachrede.

(Ulrich Enzensberger: „Ich habe nichts getan und nichts gewußt„)

Seine Energie hätte der Autor besser auf einen für die deutsche Terrorgeschichte viel bedeutsameren Punkt konzentrieren sollen.

Bedauerlicherweise wird die Reise von Kunzelmann und seinen Genossen ins Ausbildungslager der Fatah in Kraushaars Werk so gut wie gar nicht behandelt, obwohl bei Kunzelmann (wie später auch bei der RAF) die Metamorphose vom Spaß-Guerilla zum ernsthaften Terroristen erst dadurch umgesetzt worden sein dürfte.

Jener entscheidende Schritt dürfte von Giangiacomo Feltrinelli in Kooperation mit den Ostblock-Geheimdiensten orchestriert worden sein.

Dazu wurden mittlerweile zwar endlich einige Bücher verfasst, die jedoch bislang viel zu wenig mediale Aufmerksamkeit erregen konnten.

Dass ein prominenter Autor wie Kraushaar ein 800 Seiten dickes Buch über die Wurzeln des deutschen Terrors schreibt, ohne diese entscheidende Phase stärker zu beleuchten, ist leider wieder eine verpasste Gelegenheit, dem Thema die Aufmerksamkeit zu geben, die es verdienen würde.