Posts Tagged ‘Gudrun Harrer’

Neocon Bashing und Change

Februar 10, 2009

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Iran: Dorniger Weg für Khatami

Ahmadi-Nejad hat die Islamische Republik in seiner Amtszeit gehörig umgefärbt

Was laut Umfragen wie eine gemähte Wiese aussieht, könnte sich für Mohammed Khatami als dorniger und steiler Weg erweisen. Nicht umsonst hat es sich der beliebteste gescheiterte iranische Präsident, der von 1997 bis 2005 zwei Amtsperioden absolvierte, so lange überlegt, bevor er seine dritte Kandidatur bekanntgab. Es sieht beinahe wie ein Antreten wider Willen aus.

Dabei sollten es die Reformisten unter seiner Führung nicht allzu schwer haben: Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad ist unbeliebt. Es ist jedoch die Frage, ob er wirklich unbeliebt genug ist, damit die Menschen in Massen zu den Urnen gehen – um einen zu wählen, den sie zwar mögen, aber in seinen acht Jahren zu oft als schwach erlebt haben. Für diejenigen Gesellschaftsschichten, die sich einen echten Wandel wünschen, ist Khatami ohnehin nichts anderes als ein Systemerhalter mit freundlichem Gesicht.

Für andere – die iranischen Neocons, die jetzt an der Macht sind – ist er dennoch ein Zersetzer, den man wütend bekämpfen wird, vor und nach den Wahlen. Ahmadi-Nejad hat die Islamische Republik in seiner Amtszeit gehörig umgefärbt, seine Leute sitzen überall, auch in der Wirtschaft. Die religiöse Führung steht noch immer hinter ihm, zumindest ist bisher nichts Gegenteiliges bekannt.

Als 2005 ein Expräsident, Ali Akbar Hashemi Rafsandjani, zu den Präsidentschaftswahlen antrat, galt er als Favorit, genauso wie jetzt laut den Umfragen Khatami. Die Wähler entschieden sich damals anders. Ob sie das „Andere“ schon nach vier Jahren wieder loswerden, bleibt zu sehen.

(Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2009)’

Bis jetzt war Neocon ein häufig zitiertes Schmähwort für gerissene Finsterlinge, die die Naivität besaßen, zu glauben, man könne edle Wilde wie die Araber in eine Demokratie zwingen.

Nun verwendet Gudrun Harrer den lieb gewonnenen Ausdruck, um einen gefährlichen Irren und ein totalitäres Regime zu verharmlosen: der islamischen Republik fehle ledigleich ein Kandidat des Wandels, um wie die USA den Change zu vollziehen und dem dunklen Neocon-Kapitel ein Ende zu bereiten.

Khatami riecht ein bißchen zu sehr nach altem System (ähnlich wie Hillary) – und kann die trägen Wähler daher nicht so sehr begeistern, aber vielleicht sind die Iraner – wie Livia Klingl, die Experten-Kollegin vom Kurier versichert – ohnehin auf keinen so revolutionären Change aus.

Der ideale Kandidat könnte daher so ähnlich ausschauen:

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Vertreter der islamischen Revolution schütteln sich wahrscheinlich vor Lachen, wenn sie Harrers oder Klingls Analysen lesen.

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Gudrun Harrers Binsenweisheiten

Januar 7, 2009

Israel und die islamistischen Geister

Eine alte Kontroverse lebt in den Diskussionen über den Gaza-Krieg wieder auf: die Rolle Israels bei der Gründung der Hamas – In Wahrheit ein Streit um des Kaisers Bart

Wenn israelische Offizielle die Behauptung zurückweisen, Israel hätte bei der Gründung der Hamas die Finger im Spiel gehabt, dann sagen sie die Wahrheit. Ebenso lügen diejenigen nicht, die behaupten, Israel sei mitbeteiligt gewesen an deren Aufstieg. Es ist, wie so oft in der Nahost-Geschichte, ein Streit um des Kaisers Bart.

Als Scheich Ahmed Yassin 1987 die Harakat al-Muqawama al-Islamiya (Islamische Widerstandsbewegung, das Akronym Hamas bedeutet auch „Eifer“ ) gründete, ideologisch ein Ableger der ägyptischen Muslimbruderschaft, da war die Sache den Israelis tatsächlich nicht mehr geheuer. In einem Flugblatt, auf dem der Name Hamas zum ersten Mal auftauchte, wurde Israel der Unterwanderung der palästinensischen Jugend beschuldigt – und da war schon was dran.

Dass Israel dem Aufkommen von islamistischen Aktivitäten in den Palästinensergebieten in den 1970er-Jahren freundlich gegenüberstand, ist eine Binsenweisheit: Ihre Stärkung sollte auf Kosten der PLO von Yassir Arafat gehen. Ein Streitfall ist das Ausmaß der Unterstützung, aber man muss wohl Analysten vom Stand eines Anthony Cordesman vom CSIS (Center for Strategic and International Studies) in Washington vertrauen, der von „direkter“ israelischer Hilfe, inklusive Geld, für Yassins Islamisten spricht.

Für die israelische Militärverwaltung war die Förderung der Islamisten, die durch ihre Sozialarbeit großen Zulauf hatten, leicht zu bewerkstelligen – und ihnen wurde auch erlaubt, Unterstützung von außen anzunehmen: eine Einladung an Saudi-Arabien und andere islamistische Organisationen, die mit dem linken säkularen Nationalismus eines Arafat nichts am Hut hatten.

Außer „Divide et impera“ hatte Israel jedoch noch einen Vorteil vom freundschaftlichen Umgang: Zugang zu Informationen durch Infiltration durch Kollaborateure. Dem schob Yassin 1987 durch die Neuorganisierung einen Riegel vor. Und in den 1990ern begannen die Angriffe auf Israel.
Bei alldem: Die Behauptung, dass Israel die islamistische Bewegung „geschaffen“ hätte, bleibt Unsinn. So etwas wäre nach der arabischen Niederlage 1967 nicht notwendig gewesen, die Islamisierung brach buchstäblich über Nacht aus – übrigens mit einem gleichzeitigen Aufstieg der Nationalreligiösen auf israelischer Seite.
1979 war dann die Islamische Revolution im Iran eine große Inspiration für alle islamistischen Bewegungen, obwohl keiner der Sunniten den Schiiten Khomeini als „islamischen Führer“ akzeptiert hätte (gerade jetzt probieren es die Iraner wieder, zum Ärger vieler Sunniten).

Die Hamas wäre gar nicht mehr auf israelische Hilfe – abgesehen vom Umdenken dort – angewiesen gewesen. Ein im Irak 2003 sichergestellter Geheimdienstreport von 1998 berichtet, dass die Hamas von Teheran zu der Zeit 15 Millionen Dollar pro Monat und praktische Hilfe bekam. Nun waren, wie wir wissen, die Iraker damals auch nicht mehr die professionellsten Spooks, aber im Prinzip wird es schon gestimmt haben. Dazu kam weiter Unterstützung diverser Araber. (Gudrun Harrer/DER STANDARD Printausgabe, 7. Jänner 2009)

Nach Gudrun Harrers Ansicht ist es eine „Binsenweisheit“, dass Israel dem Aufkommen islamistischer Aktivitäten unter den Palästinensern freundlich gegenüberstand.

Laut Wictionary eine „allgemein bekannte Tatsache“ also!

Dank der Verwendung dieser Prämisse kann sie sich anschließend als Verteidigerin Israels darstellen, und relativiert ihre Unterstellungen ein wenig. (nämlich nicht gegründet, sondern nur gefördert habe Israel die Hamas – und außerdem hätten das auch andere Länder, im 5. Absatz kommt sogar der Iran vor)

Der Unterschied zu den Aussagen gewisser Personen, die nicht müde werden, zu behaupten, dass eigentlich die Juden selbst an Hitlers Aufstieg schuld gewesen seien, ist wahrlich nicht mehr groß.

Zum „linken säkularen Nationalismus“ eines Arafats kann ich ihr nur empfehlen, sich doch ein wenig mit dessen Mentor zu beschäftigen.

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