Posts Tagged ‘Lee Harvey Oswald’

Die Mutter aller Verschwörungstheorien

November 17, 2013

Wer steckt hinter dem Mord an John F. Kennedy?

Dank Oliver Stones „JFK“ hat sich eine reißerische Story, die aus CIA, Mafia, Exilkubanern und finsteren Südstaatlern gestrickt ist, gegen alle historischen Fakten durchgesetzt.

Die Geschichte des Attentäters wird bei Stones Narrative weitgehend ausgeblendet. Dabei hätte die Beschäftigung mit dessen Psyche und Motivation einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, um zukünftige ähnliche Ereignisse besser zu begreifen.

Die „Hexenjagden“ der McCarthy-Ära hatten den jungen Mann dazu motiviert, ein verwegener (Anti-)Held zu werden.

In seinem 17. Lebensjahr war Lee Harvey Oswald Kommunist geworden: eben genau zu jener Zeit, als durch die TV-Übertragungen der absurden McCarthy-Prozesse der Abstieg des paranoiden Senators eingeleitet wurde.

Lee Harvey Oswald hatte seine kommunistische Einstellung während seines Militärdienstes offen bekannt und hatte sich nach Ende seiner Dienstzeit in die Sowjetunion abgesetzt. In der Sowjetunion hatte man jedoch für die militärischen Geheimnisse, die der Wichtigtuer verraten wollte, bloß mäßiges Interesse gezeigt.

Mit seiner russischen Ehefrau war er – frustriert vom realen Sozialismus und der untergeordnteten Rolle, die ihm dort zugewiesen worden war – in die USA zurückgekehrt.

Lee Harvey Oswald war in all seinen Aktionen auf öffentliche Beachtung aus. Aber ohne „McCarthyism“-Paranoia wurde er lediglich als harmloser, unbedeutender Spinner wahrgenommen.

Eine neue Gelegenheit, sich als gefährlicher marxistischer Staatsfeind hervorzutun, eröffnete sich dank Castros Revolution. Seine Versuche durch ein Engagement bei Fair Play For Cuba Aufmerksamkeit zu erregen, wurden jedoch ebenfalls schmählich ignoriert.

Dass man ihm trotz seines zweifellos außerordentlichen Einsatzes so wenig Beachtung schenkte, trieb ihn in Verbindung mit seiner privaten und beruflichen Frustration zu immer extremeren Handlungen an.

Das Attentat auf den amerikanischen Präsidenten erfolgte kaum aus langfristiger Planung, sondern wohl eher aus einer zufälligen günstigen Gelegenheit (das unter falschem Namen besorgte Gewehr und der Job im Gebäude, an dem die Parade des jungen beliebten Präsidenten vorbeiziehen sollte).

Am Ende hatte Lee Harvey Oswald doch recht gehabt hat: man hätte ihm mehr Beachtung schenken müssen.

Lee Harvey Oswalds Aufenthalt in der Sowjetunion oder seine Mitgliedschaft bei Fair Play For Cuba hätten einen guten Anlaß geboten, dem KGB oder Fidel Castro die Schuld für das Attentat in die Schuhe zu schieben.

Aber die Zeit, in der man überall eine kommunistische Verschwörung sehen wollte, war endgültig vorbei.

In den kommenden Jahren kehrte sich die Kommunisten-Hexenjagd der McCarthy-Ära allerdings ins bizarre Gegenteil um: die öffentliche Meinung neigte allmählich dazu, an eine rechte antikommunistische Verschwörung zu glauben, selbst wenn der Mord nach eindeutiger Indizien-Lage von einem kommunistischen Spinner verübt worden war (oder wie später bei 9/11 von einer eindeutig identifizierten Gruppe islamistischer Extremisten).

Als zusätzliche Ironie der Geschichte, stellte sich unlängst haraus, dass es sich bei den berühmtesten Opfern der McCarthy Ära tatsächlich um sowjetische Spione gehandelt hatte.

Hollywoods lebende und tote Helden

Juli 9, 2013

Ausgerechnet am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, hat Hollywood-Regisseur Oliver Stone eine verbale Breitseite gegen sein Heimatland abgefeuert. NSA-Whistleblower Edward Snowden sei ein „Held“, der Rest der Welt sollte endlich den Mut aufbringen „und der mächtigen USA Paroli bieten“, sagte der 66-Jährige beim Karlovy Film Festival in Tschechien.

Und Stone legte gleich noch nach mit einer deftigen Kritik an der Obama-Regierung: Es sei „eine Schande, dass Obama eher daran interessiert sei, Snowden zu jagen, denn die alten Aushorchtaktiken der George Bush-Ära zu reformieren“, so Stone weiter.

Obama sei also eine Schande, Snowden ein Held.

Wie könnte Obama wieder Oliver Stones Held werden?

Auch Kennedy war für Linke wie Stone zunächst eine große Enttäuschung gewesen: ausgerechnet in Kennedys Amtszeit erreichte der Kalte Krieg gegen die Sowjetunion mit der Kuba-Krise seinen Höhepunkt.

Lee Harvey Oswald hatte (anders als Snowden heute) durch seine Reise nach Moskau nicht genug Aufmerksamkeit erregt, sodass er zu drastischeren Mitteln greifen musste, um von der Welt bemerkt zu werden.

Als der geltungssüchtige “Fair Play for Cuba”-Aktivist zur Tat schritt, wurde den linken Pamphletisten, von denen Lee Harvey Oswald seine Weisheiten hatte, jedoch nicht die Schuld an seiner Indoktrinierung gegeben.

Das schlechte Gewissen nach der McCarthy-Ära führte wohl dazu, dass man auf eine Hexenjagd gegen Oswalds Gesinnungsgenossen verzichtete.

Im Lauf der Jahre wurde der “Kriegstreiber” Kennedy zur linken Friedenstaube umdeklariert, der laut Oliver Stones Film von rechten Verschwörern umgebracht worden sei, weil er gegen den Vietnamkrieg gewesen wäre:

Falls wieder ein linker Spinner einen linken Hetzer wie Stone ernst nehmen sollte und Obama dafür bestrafen sollte, dass er Stones Helden verfolgen ließ, wird man auf altbewährte Erklärungsmuster zurückgreifen:

Der „Präsident der Schande“ würde dann ganz schnell wieder zum “Held” erklärt werden, der durch eine CIA/Mossad/Bilderberger-Verschwörung aus dem Weg geräumt worden sei.

Moskaus amerikanische Helden

Juli 1, 2013

Snowden ist der neue Held, dank dem die Spiegel-Gemeinde ihren Antiamerikanismus endlich wieder ungehemmt ausleben kann:

Titelbild

Wie konnte der alte Held das Vertrauen der Spiegel-Gemeinde nur so missbrauchen?

Ihrem neuen amerikanischen Helden vertraut die Spiegel-Gemeinde hingegen bedingungslos…

…auch wenn er sich gerade bei einem Regime verkrochen hat, das die eigenen Dissidenten kaltblütig ermorden lässt.

Einen jungen amerikanischen Überläufer mit Profilierungsneurose hatte es ja schon einmal gegeben.

Nur wurde die Geschichte von den damaligen Medien bei weitem nicht so aufgebauscht, sodass dem Wichtigtuer, als er sich im realen Sozialismus langweilte, die Rückkehr nicht verwehrt blieb.

Wenigstens dieses Problem dürfte es bei Snowden nicht geben.

Soll er doch in Moskau bleiben.

Sollte er wieder den Drang verspüren, sich wichtig zu machen, wird er selbst merken, wo er gelandet ist.

Breivik und Oswald

Juli 28, 2011

Dass sich Lee Harvey Oswald als „Marxist“ deklariert hatte, wurde nicht dafür ausgenützt, um auf alle Marxisten eine Hexenjagd zu veranstalten (die McCarthy Ära war vorbei).

Die Gelegenheit, mit allen „Islamkritikern“ endlich abrechnen zu können, ist hingegen für viele einfach zu verlockend.

Die Ideologien der Einzeltäter

Juli 27, 2011

Wenn Einzeltäter aus „politischen Gründen“ Verbrechen verüben, geht es meistens um die eigene Psyche.

Beipiele für solche Einzeltäter:

  • Der „Marxist“ Lee Harvey Oswald
  • Der Nixon-Attentäter Samuel Byck
  • Der Una-Bomber
  • Der Briefbombenattentäter Franz Fuchs

Die Ideologie ist austauschbar, die Persönlichkeitsstruktur jedoch stets ähnlich.

Welche Lehren könnte man daraus ziehen?

In erster Linie, dass man Irre ernst nehmen sollte.

Insbesondere das persönliche Umfeld sollte dazu ermutigt werden, rechtzeitig auf Persönlichkeitveränderungen zu reagieren.

Dass Lee Harvey Oswald ein „Marxist“ war, wurde nicht dazu benutzt, um auf Marxisten Hexenjagden zu veranstalten (die McCarthy Ära war vorbei).

Die Gelegenheit, mit allen Islamkritikern endlich abrechnen zu können, ist hingegen zu verlockend.

Und wieder wird die Chance verpasst, einen „Psychopathen, der mordet, um Aufmerksamkeit zu erregen“, als das zu erkennen, was er ist:

„Ein Psychopath, der mordet, um Aufmerksamkeit zu erregen“

Auf diese Weise verabsäumt man es ein weiteres Mal, die richtigen Schlüsse zu ziehen, die ähnliche Ereignisse in der Zukunft vielleicht verhindern könnten.

Tea Party oder Oswald?

Januar 9, 2011

Die McCarthy-Ära ist in links-liberaler Verkleidung zurückgekehrt.

Bis zur endgültigen Klärung der Anschlagsmotive kann man daher die republikanische Hexe beschuldigen.

Attentate unbedeutender Menschen auf bedeutende Menschen des öffentlichen Lebens hat es immer schon gegeben und wird es auch weiterhin geben. Oft sind die Opfer Politiker (z.B. John F. Kennedy, Ronald Reagan, Richard Nixon) – entscheidend ist dabei jedoch mehr die Bedeutsamkeit des Opfers (z.B. John Lennon) – je bedeutender das Opfer, desto bedeutsamer die Tat.

Die Tat ergibt sich meistens aus dem Zusammentreffen eines psychischen Krankheitsschubs und einer günstigen Gelegenheit. Auch Lee Harvey Oswald hatte seine Waffen ursprünglich für einen anderen Politiker gekauft.

Hätte der auf Grund seiner psychischen Störung gewaltbereite Attentäter in diesem Zustand zufälligerweise die Gelegenheit erhalten, an Obama ranzukommen, hätte er leicht zu einem neuen Lee Harvey Oswald werden können.

Ein neuer „Lee Harvey Oswald“

März 6, 2010

John Patrick Bedell war ein Verschwörungstheoretiker, der die Anschläge von 9/11 für einen „Inside Job“ der Bush-Administration und das Attentat auf John F. Kennedy für einen „Staatsstreich“ hielt.

Er war zwar als Demokrat registriert.

Nach seiner Überzeugung war Obama jedoch nur „eine Marionette einer Schattenregierung, die in Wahrheit die Fäden ziehe“.

Eine Überzeugung, die er mit anderen Verschwörungstheoretikern teilt:

Alles Schall und Rauch

Gegenmeinung

Infowars

Hätte der auf Grund seiner psychischen Störung gewaltbereite John Patrick Bedell in diesem Zustand zufälligerweise die Gelegenheit erhalten, an Obama ranzukommen, hätte er leicht zu einem neuen „Lee Harvey Oswald“ werden können.

…und wie die Tat des geltungssüchtigen Marxisten Lee Harvey Oswald von Verschwörungstheoretikern wie John Pattrick Bedell zu einem „Staatsstreich“ umgedeutet werden konnte, so wäre auch seine eigene Tat zu einem Werk derselben finsteren Mächte erklärt worden.