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Irans Intelligenzija und ihr Mossadegh-Mythos

November 9, 2012

Der Mossadegh-Mythos besagt, dass die iranische Demokratie durch einen „Umsturz von außen“ für immer und ewig verpfuscht worden sei. Jener Mythos ermöglicht es der iranischen Intelligenzija, die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte bei Khomeinis antiimperialistischer Revolution zu vermeiden.

Die iranische Intelligenzija hatte sich 1979 Khomeinis antiimperialistischer Revolution angeschlossen und so einem Regime zur Macht verholfen, das in jeder Hinsicht schlimmer als das Schah-Regime war.

Wäre jedoch Mossadegh 1953 nicht abgesetzt worden, wäre der Iran eine wunderbare Demokratie, und man wäre gar nicht in die Verlegenheit geraten, jenen Fehler zu begehen.

Nach heutiger Sicht wird jener Staatsstreich der CIA zugeschrieben, welche durch die Operation Ajax die Absetzung Mossadeghs unterstützt hatte. Die Entmachtung eines demokratisch legitimierten Politikers zugunsten einer Diktatur war mit Sicherheit kein Ruhmesblatt der US-Außenpolitik. Die Angst im kalten Krieg ein weiteres Land an die Kommunisten zu verlieren, verschuldete jenen Sündenfall. Entscheidend für das Gelingen des Staatsstreichs war jedoch in erster Linie die aktive Beteiligung der persischen Elite. Möglicherweise wäre die Absetzung Mossadeghs auch ohne CIA Hilfe (in der Höhe von 1 Million Dollar) erfolgreich durchgeführt worden.

Auch im damaligen Iran studierten wohl vornehmlich Kinder aus der Mittel- und Oberschicht. Bei der iranischen Intelligenzija, die sich seit jeher über den Sturz Mossadeghs beklagt, handelt es sich zum größten Teil um die Kinder der Elite, die Mossadegh selbst abgesetzt hatte.

Als die iranische Revolution begann, ihre marxistischen Kinder zu fressen, floh keiner von den kleinen Antiimperialisten in einen sozialistischen Bruderstaat, sondern man bevorzugte als Exil den imperialistischen Westen, wo auch schon oft die eigenen Eltern warteten.

Im westlichen Exil haben viele alte iranische Marxisten – zumindest aus der Ferne – ihren Frieden mit dem Regime geschlossen. Es ist allerdings auch leicht, die antiimperialistischen Ideale hochzuhalten, indem man sich der sozialistischen oder islamistischen Realität durch ein Exil im bösen Westen entzieht.

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Parallelen zum Sturz Mossadeghs

November 30, 2008

thailand(2)

Was ist los mit den Thais, die ich als sympathische und vernünftige Menschen kennengelernt habe?

Auf der einen Seite stehen die Anhänger des „Emporkömmlings“ Thasksin, der von den westlichen Medien als der „Berlusconi Asiens“ bezeichnet wird.

Auf der anderen Seite das Bündnis der alten Eliten, welches scheinbar von Justiz, Polizei und Armee unterstützt wird (Anders wäre die Flughafenbesetzung kaum möglich gewesen)

Von einer Einmischung von Außen (wie sie gerne in solchen Krisen unterstellt wird) kann bei diesem Konflikt kaum ausgegangen werden.

Trotzdem sehe ich gewisse Parallelen zum Sturz der iranischen Präsidenten Mossadegh von 1953.

Nach heutiger Sicht wird dieser Staatsstreich der CIA zugeschrieben, welche durch die Operation Ajax die Absetzung Mossadeghs unterstützt hatte. Die Entmachtung eines demokratisch legitimierten Politikers zugunsten einer Diktatur war mit Sicherheit kein Ruhmesblatt der US Aussenpolitik. Die Angst im kalten Krieg ein weiteres Land an die Kommunisten zu verlieren, verschuldete jenen Sündenfall.

Entscheidend für das Gelingen des Staatsstreichs war jedoch in erster Linie die aktive Beteiligung der persischen Elite. Möglicherweise wäre die Absetzung Mossadeghs auch ohne CIA Hilfe (in der Höhe von 1 Million Dollar) erfolgreich durchgeführt worden.

Leider wird seitdem gerade bei intellektuellen Iranern (oftmals die Kinder der Elite, die Mossadegh abgesetzt hatte – auch im damaligen Iran studierten wohl vornehmlich Menschen aus der Mittel- und Oberschicht) die USA für alle negativen Entwicklungen im Iran verantwortlich gemacht.

Zwischen Thaksin und Mossadegh bzw. ihren Gegnern, welche die populistischen, jedoch demokratisch legitimierten Politiker entmachteten, sind einige Gemeinsamkeiten zu finden.

Mossadegh konnte sich auf eine Mehrheit der Bevölkerung stützen. Beide wurden jedoch von mächtigen Teilen der Bevölkerung des Landes (insbesondere dem Militär) angefeindet.

Es bleibt zu hoffen, dass eine drohende Eskalation nicht zu ähnlichen politischen und gesellschaftlichen Langzeitfolgen wie im Iran führen wird.

Dass ausgerechnet die intelligenten und kultivierten Iraner vom unwirklichsten und fanatischsten Regime unserer Zeit beherrscht werden (und sich beherrschen lassen), gehört zu den größten Perversionen der aktuellen Zeitgeschichte.

Musharraf mag man nicht

August 7, 2008

Musharraf_Uniform

Diejenigen, die sonst immer gerne alles relativieren, Demokratie und Menschenrechte als westliche oder gar eurozentrische Extravaganzen betrachten, fordern diese ohne wenn und aber ein, wenn es gegen einen Verbündeten der USA geht.

Shah-Reza-Pahlavi-Last-Shah-Iran

Als General Musharraf die Macht übernahm, war Pakistan wohl das gefährlichste Land der Welt, die politische Kultur strotzte vor Gewalttätigkeit.

Man stand wieder einmal am Rande zu einem Krieg mit Indien. Beide Länder verfügen über Atomwaffen, was einem derartigen Konflikt ziemliche Brisanz verliehen hätte.

Zusätzlich war auch der Geheimdienst dank Nawaz Sharif von Islamisten unterwandert.

Nach 9 Jahren unter Musharraf gibt es immer noch viele Probleme – große Teile des Landes sind in Hand archaischer Stämme, die Fanatiker in den Koranschulen stellen weiterhin eine Bedrohung dar.

Aber es wurden auch große Erfolge erzielt. Durch seine besonnene Politik konnte der Konflikt mit Indien entschärft werden. Die von seiner Regierung begangenen Menschenrechtsverletzungen reduzierten sich auf ein zumindest für die Region erträgliches Ausmaß.

Die Demokratie hätte wieder eine Chance in Pakistan. Wichtig wäre jedoch, dass die pakistanische Intelligenzia dafür kämpft. Davon ist leider nur wenig zu merken.

Die PPP, die Partei der Intelligenzia glaubt wieder einmal die islamistische Bestie reiten zu können und versucht Musharraf durch ein Amtsenthebungsverfahren zu stürzen.

Ähnlich wie die iranische Intelligenzia im Jahr 1979, die sich statt für die mögliche Errichtung einer Demokratie einzusetzen lieber gleich bei einer richtigen antiwestlichen Revolution mitmachen wollte.

Eine derartige historische Chance hätten sich ihre 68er Gesinnungsgenossen an den Universitäten in Berlin, Paris und Bologna bestimmt auch nicht entgehen lassen.

Schließlich war Revolution und Kampf gegen den Imperialismus über 10 Jahre der große und leider unerfüllbare Traum gewesen.

Aber bekanntlich fressen Revolutionen ihre Kinder. Das gilt umso mehr für marxistische Kinder einer islamistischen Revolution. Freilich floh keines dieser ungeliebten Kinder in ein gelobtes Bruderland, sondern alle begaben sich exklusiv in die Höhle des Löwen, den imperialistischen Westen.

Fragt man einen dieser politisch bewussten Iraner heute über Mossadegh, wird er ihnen alle Einzelheiten über die Operation Ajax im Jahre 1953 und die unrühmliche Rolle des CIA erzählen, als wäre es gestern geschehen. Wenn es um die eigene Rolle bei der Revolution um 1979 geht, wird alles schon viel schwammiger.