Posts Tagged ‘Neocons’

Grundlegende Realitäten

September 12, 2009

In der Anfangs-Zeit des kalten Krieges wurden viele Linksliberale als kommunistische Verschwörer verteufelt.

Die Dämoniserung der politischen Gegner erreichte mit den Hexenprozessen der McCarthy-Ära ihren traurigen Höhepunkt.

Seit den 60er Jahren hat sich die Bereitschaft zur Dämonisierung der politischen Gegner allmählich ins Gegenteil verkehrt:

CIA, Bush und insbesondere den Neokonservativen wird heute so ziemlich alles zugetraut.  Auch wenn die Bush-Administration oder die Neocons wohl keine politische Verfolgung zu befürchten haben – führt diese Dämonisierung zu großen Problemen:

Zu einer Polarisierung der Gesellschaft – und der Unfähigkeit, reale Gefahren zu erkennen.

Klar wäre der „War on Terror“ ein absurder Blödsinn, wenn es in Wahrheit keinen islamistischen Terror gäbe – und natürlich wäre dann stattdessen vielmehr ein „War on Republicans, CIA and Neocons“ angebracht…

Meinungsfreiheit und kritisches Hinterfragen gehören zu einer freien Gesellschaft – auch wenn dies zu falschen Schlüssen führen kann.

Wenn wir dabei allerdings die  Fähigkeit verlieren, grundlegende Realitäten zu erkennen, steuern wir in eine sehr gefährliche Richtung.

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Die Rückkehr der „Realpolitik“

August 25, 2009

Der große Welterklärer Peter Scholl-Latour fordert wieder einmal eine Rückkehr zur „Realpolitik“ ein, nachdem die naiven Neocons mit ihrem „Demokratie-Zirkus“ gescheitert seien.

Hält man seiner Forderung nach einem Abzug aus Afghanistan das Argument entgegen, dass die Al Qaida und die Taliban dann wieder ihre Terror- und Unterdrückungs-Basis erhielten, werden einem vom großen Welterklärer folgende Fragen (die er auch gleich selbst beantwortet) im empörten Ton entgegengeschleudert:

„Wer hat denn die Al Qaida erschaffen? Die Amerikaner, um die Sowjets im Afghanistankrieg zu bekämpfen.“

„Wer hat denn die Taliban erschaffen? Die Amerikaner, um den afghanischen Bürgerkrieg zu beenden.“

Weder Al Qaida noch die Taliban waren jedoch in irgendwelchen neokonservativen amerikanischen Labors gezüchtet worden, sondern die USA (zunächst die Carter-Administration und später die Clinton-Administration) hatte – den Weg des geringsten Widerstands suchend –  in idealtypisch „realpolitischer“ Manier das genommen, was gerade zur Verfügung stand, um ihre Ziele zu erreichen, ohne dabei einen einzigen Soldaten opfern zu müssen. (man hatte aus Vietnam die „richtigen“ Lehren gezogen)

Was könnte man besser als „Realpolitik” bezeichnen als diese indirekte Bekämpfung des sowjetischen Feinds durch die Unterstützung irgendwelcher dubioser Gruppierungen vor Ort (aus denen später tatsächlich die Al Qaida und die Taliban hervorwuchsen)

Carters Berater Zbigniew Brzezinski, heute im Obama-Team, ist immer noch mächtig stolz auf seine schlaue Politik von damals.

Wenn man seiner Narrative folgt, nach der durch seine genialen Pläne der Sturz des Kommunismus eingeleitet worden sein soll, erscheinen andere „realpolitische“ Meisterzüge wie die Operation Ajax, die angeblich nur eine läppische Million Dollar  gekostet haben soll, oder Kissingers Unterstützung von Pinnochets Putsch gegen Allende als kleine Würfe.

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Bushs und Blairs hehre „neokonservative“ Ziele, den „edlen Wilden“, die „westliche Demokratie“ aufzuzwingen, mögen naiv gewesen sein – die „realpolitische” taktische Unterstützung der Mudschaheddin, aus denen später die Al Qaida hervorging (um ohne eigenes Blutvergießen die UdSSR zu bekämpfen) u. Taliban (um ohne eigenes Blutvergießen den Bürgerkrieg zu beenden) fallen jedoch eindeutig unter die Carter bzw. Clinton Ära.

Werden die USA unter Obama abziehen und das Feld den „gemäßigten Taliban” überlassen, wird natürlich auch nicht er schuld an ihrer wohl darauffolgenden Schreckensherrschaft sein, sondern der naive Bush und die verschlagenen Neocons bzw deren zukünftige Nachfolger.

Das Buch für neokonservative Finsterlinge

Mai 11, 2009

Morgen erscheint ein Buch, auf das neokonservative Finsterlinge (wie ich) lange gewartet haben.

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Öffentlich zuzugeben, dass man – wie es meine amerikanische Lieblingsbloggerin ausdrückte – „the dread thing“ geworden sei, ist keine leichte Sache:

“neocon-coming outs” haben daher Seltenheitswert, aber vielleicht werden jetzt noch andere dem mutigen Beispiel folgen…

Das angegriffene „Establishment“ reagierte auf die „neokonservative“ Provokation mit gereizter „Langeweile“.

Eine weitere Abrechnung mit den „Neocons“

Mai 2, 2009

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Jocob Heilbrunns Abrechnung mit den Neocons beginnt mit einem Kunstgriff:

Er beschreibt die Wunschentwicklung, welche der Irak nach dem Sturz Saddam Husseins nach der Vorstellung der Neocons hätte nehmen sollen, und stellt sie der chaotischen und gewalttätigen Realität, die insbesondere zum Zeitpunkt, als das Buch geschrieben wurde (2007), im Irak herrschte, gegenüber.

Gemessen an der neokonservativen Idealvorstellung erscheint der Irak-Krieg als ein totales Scheitern. Dieses Scheitern ist die Prämisse, die Heilbrunn all seinen Bewertungen der neokonservativen Sache zugrunde legt.

Der (Miß)erfolg des Irak-Kriegs kann jedoch nicht ausschließlich am Erreichen der Maximalziele gemessen werden, sondern an einer Abwägung der Vor- und Nachteile. Trotz der wesentlichen Verbesserung der Sicherheitslage ist es für mich nach wie vor viel zu früh, abschließend über Erfolg oder Mißerfolg des Irak-Kriegs zu urteilen.

Für Heilbrunn handelt es sich beim „Neokonservatismus“ um ein „jüdisches Phänomen“

Versteht man unter den „Neokonservativen“ wirlich nur die trotzkistischen New Yorker Intellektuellen, die nach dem Krieg aufhörten, die kapitalistische USA als Feindbild zu betrachten, mag seine These wohl stimmen.

Gerade die Beschreibung dieser untergegangenen noch sehr jüdisch-osteuropäischen Welt ist eine der Stärken des Buches. Figuren, die aus Isaak B. Singers Romanen stammen könnten, werden von Heilbrunn detailreich und mit viel Insider-Wissen beschrieben.

Allerdings wird die Bezeichnung „Neokonservativer“ (auch vom Autor selbst) viel weiter verstanden: und zwar als herabwürdigende Bezeichnung für Alle, die an eine (auch gewaltsame) Verteidigung und Verbreitung amerikanischer Werte wie Demokratie und Freiheit glauben. Insbesondere natürlich die Befürworter des Irak-Kriegs.

Heilbrunn weist an Hand der jüdischen „historischen Neokonservativen“ im engeren Sinne die „Jüdischkeit“ der gesamten neokonservativen Agenda nach.

So interessant sich die Beschreibung der jungen sektirerischen Trotzkisten liest, so ungerecht ist die Beurteilung ihrer antikommunistischen Konversion.

Die Abkehr vom Trotzkismus war nach Heilbrunns Ansicht ein opportunistischer Schritt, den jene Menschen, welche zu Beginn des zweiten Weltkriegs auf Grund ihrer kommunistisch-utopistischen Sicht  noch Hitler, Stalin, Churchill und Roosevelt als gleiches imperialistisches Übel angesehen hatten, nach Amerikas Sieg über Hitler aus eigennützigen Motiven vollzogen.

Aber waren die Erkenntnisse über die schrecklichen Ereignisse des 2. Weltkriegs nicht der beste Grund, den eigenen ideologischen Utopismus zu hinterfragen?

Heilbrunn wirft den ehemaligen Trotzkisten zu Recht vor, sogar noch zur Zeit des Kriegseintritts nicht Hitler als Hauptfeind angesehen zu haben.

Aber ist das nicht genau derselbe Relativismus, der von altlinken Intellektuellen wie Noam Chomsky bis zum heutigen Tag praktiziert wird?

Trotz der von utopistischen Ideologien verursachten Tragödien des 20. Jahrhunderts einfach weiterhin am eigenen Utopismus festzuhalten, erfordert ein gehöriges Ausmaß an unkritischem Konservatismus.

Der neu entdeckte Konservatismus der Neokonservativen bezog sich hingegen auf Werte, die zwar im Gegensatz zur kommunistischen Utopie kein Paradies auf Erden mehr versprachen, aber nach allen Erfahrungen, die man gemacht hatte, doch auch als erhaltenswert erschienen.

Heilbrunn reduziert Norman Podhoretz zu einem jüdischen Plebejer, der aus Selbsthass und Minderwertigkeitskomplexen gegenüber den Patriziern des WASP-Establishments zu einem rechten Unmenschen wird. Diese herablassenden Betrachtungen, die viel über den eigenen Snobismus des Autors aussagen, werden mit Klatsch über Podharetzs Schulzeit – er soll ein unsympathischer Streber gewesen sein – unterlegt.

Der Autor bedauert, dass auch nach dem Scheitern im Irak die „neokonservative Agenda“ nicht verschwinden wird – das liegt aber wohl daran, dass sich die schweren Herausforderungen unserer Zeit auch ohne Neokonservative nicht einfach auflösen werden.

Neocon Bashing und Change

Februar 10, 2009

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Iran: Dorniger Weg für Khatami

Ahmadi-Nejad hat die Islamische Republik in seiner Amtszeit gehörig umgefärbt

Was laut Umfragen wie eine gemähte Wiese aussieht, könnte sich für Mohammed Khatami als dorniger und steiler Weg erweisen. Nicht umsonst hat es sich der beliebteste gescheiterte iranische Präsident, der von 1997 bis 2005 zwei Amtsperioden absolvierte, so lange überlegt, bevor er seine dritte Kandidatur bekanntgab. Es sieht beinahe wie ein Antreten wider Willen aus.

Dabei sollten es die Reformisten unter seiner Führung nicht allzu schwer haben: Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad ist unbeliebt. Es ist jedoch die Frage, ob er wirklich unbeliebt genug ist, damit die Menschen in Massen zu den Urnen gehen – um einen zu wählen, den sie zwar mögen, aber in seinen acht Jahren zu oft als schwach erlebt haben. Für diejenigen Gesellschaftsschichten, die sich einen echten Wandel wünschen, ist Khatami ohnehin nichts anderes als ein Systemerhalter mit freundlichem Gesicht.

Für andere – die iranischen Neocons, die jetzt an der Macht sind – ist er dennoch ein Zersetzer, den man wütend bekämpfen wird, vor und nach den Wahlen. Ahmadi-Nejad hat die Islamische Republik in seiner Amtszeit gehörig umgefärbt, seine Leute sitzen überall, auch in der Wirtschaft. Die religiöse Führung steht noch immer hinter ihm, zumindest ist bisher nichts Gegenteiliges bekannt.

Als 2005 ein Expräsident, Ali Akbar Hashemi Rafsandjani, zu den Präsidentschaftswahlen antrat, galt er als Favorit, genauso wie jetzt laut den Umfragen Khatami. Die Wähler entschieden sich damals anders. Ob sie das „Andere“ schon nach vier Jahren wieder loswerden, bleibt zu sehen.

(Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 10.2.2009)’

Bis jetzt war Neocon ein häufig zitiertes Schmähwort für gerissene Finsterlinge, die die Naivität besaßen, zu glauben, man könne edle Wilde wie die Araber in eine Demokratie zwingen.

Nun verwendet Gudrun Harrer den lieb gewonnenen Ausdruck, um einen gefährlichen Irren und ein totalitäres Regime zu verharmlosen: der islamischen Republik fehle ledigleich ein Kandidat des Wandels, um wie die USA den Change zu vollziehen und dem dunklen Neocon-Kapitel ein Ende zu bereiten.

Khatami riecht ein bißchen zu sehr nach altem System (ähnlich wie Hillary) – und kann die trägen Wähler daher nicht so sehr begeistern, aber vielleicht sind die Iraner – wie Livia Klingl, die Experten-Kollegin vom Kurier versichert – ohnehin auf keinen so revolutionären Change aus.

Der ideale Kandidat könnte daher so ähnlich ausschauen:

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Vertreter der islamischen Revolution schütteln sich wahrscheinlich vor Lachen, wenn sie Harrers oder Klingls Analysen lesen.

Becoming The Dread Thing

Februar 2, 2009

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Als ich vor ca. 3 Jahren nach Leuten googlete, die sich selbst als neocons bezeichnen würden, fand ich zwar massenhaft Beiträge, die sich mit jenen Finsterlingen beschäftigten, jedoch niemanden der sich jemals selbst so bezeichnet hätte. (Nein, auch nicht Paul Wolfowitz)

Schließlich stieß ich auf diesen Blog und bin seit damals ein treuer Leser.

Neo-Neocon beschreibt sich selbst folgendermaßen:

Previously a lifelong Democrat, born in New York and living in New England, surrounded by liberals on all sides, I’ve found myself slowly but surely leaving the fold and becoming that dread thing: a neocon. My friends and family don’t want to hear about my inexplicable conversion, so I started this blog to tell the tale of my political change and provide a forum for others. I have a background as a therapist, and my politics make me a pariah in the profession, too. Little did I know that I moved in such politically homogeneous circles.

Auf Grund ihrer Zweifel an der Falschheit George W. Bushs Irakkriegs begann sie auch andere Gewissheiten, die sie und ihre 68er Generation geprägt hatten, zu hinterfragen.

Sie geht dabei in ihre eigene Vergangenheit als Studentin während der Vietnamkriegsära zurück und versucht ihre damalige Wahrnehmung mit historischen Fakten in Zusammenhang zu setzen – höchst lesenswert.