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Virtuelle Rebellen

Mai 10, 2015

Ein paar vernünftige Anmerkungen zur größten künstlichen deutschen Aufregung seit Fukushima:

Übrigens will das auch der Bundesnachrichtendienst (BND). Würden deutsche Spione, etwa in Afghanistan oder vor der Küste Somalias, wo das Leben deutscher Soldaten akut gefährdet ist, als oberste Maxime die Privatsphäre potenzieller Übeltäter schützen, sähe es um die Aufklärungsquote schlecht aus. Und wie war das eigentlich mit den hochmodernen Waffensystemen, die Frankreich noch vor Kurzem an Russland liefern wollte, trotz der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim-Halbinsel? Der BND wertet nur Zeitungen aus – wer’s glaubt, wirkt rührselig.

Vor diesem Hintergrund wirkt die deutsche Geheimdienst-Debatte sehr moralisch, sehr rechtsbewusst und sehr gestrig. Eine bunte Koalition aus vom Internet enttäuschten Netzaktivisten, zeitgeistigen Schriftstellern, Robin-Hood- und Martin-Luther-Verehrern (Edward Snowden als Vorbild an Selbstlosigkeit und Mut: „Hier stehe ich und kann nicht anders“), links-rechten Anti-Amerikanern, Gestapo-Stasi-VolkszählungsMahnern, Digitalisierungs- und Globalisierungsgegnern bläst gewissermaßen zum Kulturkampf und Maschinensturm.

(Malte Lehming – Tagesspiegel)

Niemand verkörpert die Figur des infantilen Maschinenstürmers besser als der Cyber-Punk Sascha Lobo:

Sasch Lobo

In Europa und den USA ist man mit unseren Regierungen, die uns nicht die totale digitale Freiheit garantieren, zwar furchtbar unzufrieden – wirkliche Angst vor einer realen Verfolgung hat man allerdings nicht.

Trotz aller Empörung weiß man ganz genau, dass bei uns wohl kaum irgendwelche Wichtigtuer mit bunten Haaren im Visier der Sicherheitsapparate stehen.

Die Freiheit, die eigene Meinung zu äußern und die eigene Regierung harsch zu kritisieren, war nämlich noch sie so groß wie heute.

Dass diese Selbstverständlichkeit lediglich für die westlichen Demokratien gilt, wird von den Maschinenstürmern gerne ausgeblendet.

Bereits in der Türkei wird man als Regierungskritiker ganz real eingesperrt und in Russland, wohin sich der Jesus der virtuellen Rebellen verkrochen hat, wird man sogar ganz real ermordet.

Ein Möchtegern-Snowden?

Juli 7, 2014

Ein BND-Mitarbeiter wurde dabei erwischt, als er versuchte, Interna an die Russen weiterzugeben (genau wie Snowden).

Im Zuge seiner Einvernahme eröffnete er den Ermittlern von sich aus eine angebliche Spionage-Tätigkeit für die USA.

Warum belastete sich der Möchtegern-Snowden selbst, indem er neben der versuchten Spionage für die Russen eine bereits erfolgte Spionage für die USA zugab?

Wie bei Snowden ist wohl von einer starken Geltungssucht auszugehen.

Wenn schon die Zusammenarbeit mit den Russen nicht wie bei Snowden klappte, so konnte er doch wenigstens als Enthüller eines NSA-Skandals für Furore sorgen, auch wenn er sich dabei selbst belastete.

Selbst wenn sich in ein paar Wochen herausstellen sollte, dass es sich um einen typischen Histrioniker handelte, wird er seine Bühne gehabt haben.

Zu verdanken hat er dies einem Umfeld, das nur allzu bereitwillig jegliche Skepsis beiseite schiebt, wenn es darum geht die nächste NSA-Skandal-Sensation zu präsentieren.

Ossi-Angela ignoriert Augsteins Trauma

Dezember 9, 2013

Gauck kenne nur die Freiheiten von gestern:

Warum wurde Gauck als Präsident der Freiheit apostrophiert? Warum hat er ein Buch geschrieben, das einfach so heißt, „Freiheit“? Weil Gauck nur die Bedrohungen der Freiheit gelten lässt, die er kennt. Und die Russen kennt er eben von früher aus dem Osten. Gauck kann sich gar nicht vorstellen, dass die viel größere Bedrohung unserer Lebensweise heute aus dem Westen kommt.

Verfolgung der Opposition oder Antischwulengesetze des Russen seien jedoch nichts gegen die wahre Bedrohung unserer Lebensweise (als Internet-Che-Guevaras) durch den Ami.

Ossi-Angela solle sich statt um ihr eigenes Russen-Trauma endlich um das gesamtdeutsche NSA-Trauma kümmern:

Wir bleiben mit der Überlegung zurück: Sollen die beiden ruhig beherzt für die Rechte von russischen Schwulen und ukrainischen Oppositionellen eintreten. Aber wenn sie ihr Russen-Trauma abgearbeitet haben, könnten sie sich dann auch mal um unsere Rechte kümmern?

Augstein – „Böser Russe, guter Ami