Posts Tagged ‘Oliver Stone’

Hollywoods lebende und tote Helden

Juli 9, 2013

Ausgerechnet am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, hat Hollywood-Regisseur Oliver Stone eine verbale Breitseite gegen sein Heimatland abgefeuert. NSA-Whistleblower Edward Snowden sei ein „Held“, der Rest der Welt sollte endlich den Mut aufbringen „und der mächtigen USA Paroli bieten“, sagte der 66-Jährige beim Karlovy Film Festival in Tschechien.

Und Stone legte gleich noch nach mit einer deftigen Kritik an der Obama-Regierung: Es sei „eine Schande, dass Obama eher daran interessiert sei, Snowden zu jagen, denn die alten Aushorchtaktiken der George Bush-Ära zu reformieren“, so Stone weiter.

Obama sei also eine Schande, Snowden ein Held.

Wie könnte Obama wieder Oliver Stones Held werden?

Auch Kennedy war für Linke wie Stone zunächst eine große Enttäuschung gewesen: ausgerechnet in Kennedys Amtszeit erreichte der Kalte Krieg gegen die Sowjetunion mit der Kuba-Krise seinen Höhepunkt.

Lee Harvey Oswald hatte (anders als Snowden heute) durch seine Reise nach Moskau nicht genug Aufmerksamkeit erregt, sodass er zu drastischeren Mitteln greifen musste, um von der Welt bemerkt zu werden.

Als der geltungssüchtige “Fair Play for Cuba”-Aktivist zur Tat schritt, wurde den linken Pamphletisten, von denen Lee Harvey Oswald seine Weisheiten hatte, jedoch nicht die Schuld an seiner Indoktrinierung gegeben.

Das schlechte Gewissen nach der McCarthy-Ära führte wohl dazu, dass man auf eine Hexenjagd gegen Oswalds Gesinnungsgenossen verzichtete.

Im Lauf der Jahre wurde der “Kriegstreiber” Kennedy zur linken Friedenstaube umdeklariert, der laut Oliver Stones Film von rechten Verschwörern umgebracht worden sei, weil er gegen den Vietnamkrieg gewesen wäre:

Falls wieder ein linker Spinner einen linken Hetzer wie Stone ernst nehmen sollte und Obama dafür bestrafen sollte, dass er Stones Helden verfolgen ließ, wird man auf altbewährte Erklärungsmuster zurückgreifen:

Der „Präsident der Schande“ würde dann ganz schnell wieder zum “Held” erklärt werden, der durch eine CIA/Mossad/Bilderberger-Verschwörung aus dem Weg geräumt worden sei.

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Intellektuelles Niveau und Meinungssuff

Januar 8, 2012

Ein „Besucher“ hat meinen Beitrag zu Ron Paul kommentiert:

https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/01/03/der-lieblingskandidat-der-euro-intelligenzija/#comments

Dann doch lieber Mitt Romney, der fleischgewordene Gordon Gekko aus „Wall Street“ , gelle…

Nennen Sie mir einen Kandidaten der REPs :-) der an das intellektuelle Niveau eines Ron Paul heranreicht.

Sehr geehrter Besucher,

Sich seine Meinung augrund irgendwelcher Hollywood-Filme zu bilden, zeugt auch nicht gerade von allzu hohem intellektuellen Niveau.

Ron Paul ist der klassische Kandidat für die Konsumenten gewisser Hollywood-Filme:

https://aron2201sperber.wordpress.com/2010/03/07/hollywood-und-die-911-truth/

Wer Hollywood-Fiktion und Realität nicht auseinanderhalten kann, verwechselt auch leicht den Unterschied zwischen intellektuellem Niveau und Meinungssuff…

JFK und 9/11

Oktober 19, 2010

9/11-Truthers trauen einer ehemaligen amerikanischen Regierung zu, für das schlimmste Verbrechen, das jemals in Amerika verübt worden ist, verantwortlich zu sein.

Mittlerweile dürften bis zu 30 % der Amerikaner an einen „Inside Job“ glauben. In Europa dürfte der Anteil wohl sogar noch höher liegen.

Weder die alte kommunistische – noch die neue islamistische Propaganda wäre dazu in der Lage gewesen, den Amerikanern ein derartiges Mißtrauen gegen das eigene Land einzuimpfen.

Nur ein brillanter Hollywood-Regisseur, auf dessen Ruf die größten Stars der Traumfabrik hören, konnte dies schaffen.

(more…)

„Hexenjagden“

Mai 2, 2010

Seit der McCarthy-Ära wissen wir, dass es falsch ist, ohne Beweise paranoide „Hexenjagden“ gegen politische Gegner zu veranstalten:

Politisch korrekt ist es hingegen, den eigenen Geheimdiensten „alles zuzutrauen“:

Dabei spielt es keine Rolle, dass der amerikanische Präsident  gemäß erdrückender Indizienlast von einem jungen Marxisten ermordet worden war.

Auch als herauskam, dass der „Horst Wessel“ der deutschen 68er Bewegung von einem Stasi-Agenten erschossen worden war, folgte als mediale Reaktion nicht viel mehr als ein stummes Schulterzucken.

Geheimdienste erledigen in allen Systemen die Drecksarbeit für Regierungen. Aber je demokratischer ein Land ist, desto vorsichtiger müssen die Regierungen beim Einsatz der Dienste sein. Denn die Geheimdienste bzw die Regierungen, die ihre Geheimdienste mit der Drecksarbeit betrauen, müssen damit rechnen, für ihre Aktionen spätestens beim nächsten Regierungswechsel zur Verantwortung gezogen zu werden.

Damit man herausfinden konnte, dass es sich bei den prominentesten Opfern der McCarthy Ära doch um KGB-Agenten gehandelt hatte, musste hingegen erst die Sowjetunion zusammenbrechen. (Bis jetzt hat sich übrigens noch kein engagierter Regisseur gefunden, der jene spannende Agenten-Geschichte zu einem Hollywood-Streifen verarbeiten würde)

Hollywood und die „9/11-Truth“

März 7, 2010

9/11 Truthers wie Chalie Sheen trauen einer ehemaligen amerikanischen Regierung zu, für das schlimmste Verbrechen, das jemals in Amerika verübt worden ist, verantwortlich zu sein.

Mittlerweile dürften bis zu 30 % der Amerikaner an einen „Inside Job“ glauben. In Europa liegt der Anteil wohl sogar noch höher.

Weder die alte kommunistische noch die neue islamistische Propaganda wäre dazu in der Lage gewesen, den Amerikanern ein derartiges Mißtrauen gegen das eigene Land einzuimpfen.

Nur ein brillanter Hollywood-Regisseur, auf dessen Ruf die größten Stars der Traumfabrik hören, konnte dies schaffen.

Oliver Stone hat in seinem JFK-Film einen Star-gespickten Hollywood-Streifen mit dokumentarischem Filmmaterial zusammengepanscht. Diese halbdokumentarische Form suggeriert eine hohe Authentizität:

Auf diese Problematik angesprochen, sagte Oliver Stone, das Publikum sei „intelligent genug“ zu wissen, dass es sich nur um einen „fiktiven Film“ handle.

Die Meinungsfreiheit ist ein wesentlicher Bestandteil der amerikanischen Demokratie. Der fahrlässige und respektlose Umgang mit der Meinungsfreiheit ist typisch für einen Mann, der vor lauter Progressivität den Unterschied zwischen Demokratien und Diktaturen nicht mehr erkennen kann.

Oliver-Stone_Fidel-Castro

Die Mutter aller Verschwörungen

August 1, 2009

Wer steckt hinter dem Mord an John F. Kennedy?

Dank Oliver Stones „JFK“ hat sich eine reißerische Story, die aus CIA, Mafia, Exilkubanern und finsteren Südstaatlern gestrickt ist, gegen alle historischen Fakten durchgesetzt.

Die Geschichte des Attentäters wird bei dieser Narrative weitgehend ausgeblendet. Dabei hätte die Beschäftigung mit dessen Psyche und Motivation einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, um zukünftige ähnliche Ereignisse besser zu begreifen.

Warum wurde dem Attentäter von Anfang an so wenig Beachtung geschenkt?

Der Grund hängt wohl stark mit der McCarthy-Ära und noch viel stärker mit der Gegenreaktion auf jene finstere Zeit „Hexenagden“ zusammen.

Lee Harvey Oswald hatte genau das getan, was vielen während der McCarthy-Ära unterstellt worden war.

In seinem 17. Lebensjahr war er Kommunist geworden – eben genau zu jener Zeit , als gerade  durch die TV-Übertragungen der absurden McCarthy-Prozesse der Abstieg des paranoiden Senators eingeleitet worden war.

Lee Harvey Oswald hatte seine kommunistische Einstellung während seines Militärdienstes offen bekannt und war nach Ende seiner Dienstzeit in die Sowjetunion emigriert. In der Sowjetunion hatte man jedoch für die militärischen Geheimnisse, die der Wichtigtuer verraten wollte, bloß mäßiges Interesse gezeigt.

Mit seiner russischen Ehefrau war er – frustriert vom realen Sozialismus und der untergeordnteten Rolle, die ihm dort zugewiesen worden war – in die USA zurückgekehrt.

Lee Harvey Oswald war in all seinen Aktionen auf öffentliche Beachtung aus. Aber ohne McCarthyism-Paranoia wurde er lediglich als harmloser, unbedeutender Spinner wahrgenommen.

Eine neue Gelegenheit, sich als gefährlicher marxistischer Staatsfeind hervorzutun, eröffnete sich dank Castros Revolution. Seine Versuche durch ein Engagement bei Fair Play For Cuba Aufmerksamkeit zu erregen, wurden jedoch ebenfalls schmählich ignoriert.

Die „Hexenjagden“ der McCarthy-Ära hatten den jungen Mann dazu motiviert, ein verwegener (Anti-)Held zu werden.

Dass man ihm trotz seines zweifellos außerordentlichen Einsatzes so wenig Beachtung schenkte, trieb ihn in Verbindung mit seiner privaten und beruflichen Frustration zu immer extremeren Handlungen an.

Das Attentat auf den amerikanischen Präsidenten erfolgte kaum aus langfristiger Planung, sondern wohl eher aus einer zufälligen günstigen Gelegenheit (das unter falschem Namen besorgte Gewehr und der Job im Gebäude, an dem die Parade des jungen beliebten Präsidenten vorbeiziehen sollte)

Am Ende hatte Lee Harvey Oswald doch Recht gehabt hat. Man hätte ihm mehr Beachtung schenken müssen.

Lee Harvey Oswalds Aufenthalt in der Sowjetunion oder seine Mitgliedschaft bei Fair Play For Cuba hätten einen guten Anlaß geboten, dem KGB oder Fidel Castro die Schuld für das Attentat in die Schuhe zu schieben.

Aber die Zeit, in der man überall eine kommunistische Verschwörung sehen wollte, war endgültig vorbei. In den kommenden Jahren kehrte sich die Kommunisten-Hexenjagd der McCarthy-Ära sogar noch ins bizarre Gegenteil um. Die öffentliche Meinung neigte allmählich dazu, die eigene Regierung und den eigenen Geheimdienst als Verschwörer zu sehen.

Selbst wenn der Mord nach eindeutiger Indizien-Lage von einem kommunistischen Spinner verübt worden war. (Oder wie später bei 9/11 von einer eindeutig identifizierten Gruppe islamistischer Extremisten)

Als kleine Ironie der Geschichte, stellte sich unlängst haraus, dass es sich bei den berühmtesten Opfern der McCarthy Ära tatsächlich um sowjetische Spione gehandelt hatte.

Oliver Stones „W.“

Januar 19, 2009

Oliver Stone ist zweifellos ein brillanter Regisseur. Filme wie Wallstreet, Natural Born Killers und natürlich JFK Tatort Dallas haben das amerikanische Kino der letzten 30 Jahre geprägt.

Mit JKF Tatort Dallas gelang es Oliver Stone mehr als nur cineastische Geschichte zu schreiben. Der Film schrieb die Geschichte tatsächlich neu – die heutige Sichtweise auf das Attentat auf Präsindent Kennedy wurde zu einem großen Teil von seinem Film geprägt.

Oliver Stone hat für den Film fiktives Material mit Originalmaterial zusammengemischt. Diese halbdokumentarische Form suggeriert eine hohe Authentizität.

Auf diese Problematik angesprochen, sagte Oliver Stone, das Publikum sei intelligent genug zu wissen, dass es sich nur um einen fiktiven Film handle.

In zahlreichen Berichten und Dokumentationen wurden Fehler und Unwahrheiten des Films aufgezeigt. Gegen die Narrative des Erfolgsfilms kommen diese jedoch kaum an.

In späteren Jahren hat sich Oliver Stone ebenfalls an historischen Themen versucht.

Er verfilmete die Leben der zwei unbeliebten republikanischen Präsidenten Richard Nixon und George W. Bush. Deren Werdegang ist hinlänglich bekannt. So blieb wenig Raum für Fiktionen, und die Filme halten sich relativ streng an historische Fakten.

Oliver Stone ist jedoch in erster Linie ein brillanter Drehbuchautor. Ohne Vermischung von Realität mit seinen spannenden Fiktionen blieb besonders sein Nixon Film recht farblos.

Alles was er gegen Bush aufzubieten hatte, wussten Bush Gegner ohnehin schon in allen Details. Nichts was er ihm unterstellen konnte, ist Bush nicht schon unterstellt worden.

Dass Bush dumm ist, wissen wir spätestens seit der Fernsehserie unmittelbar zu Beginn seiner Amtszeit. Vom Alkohol- und Kokainmißbrauch seit Pinks Nr 1 Hit, Michael Moores Oskar gekröntes Machwerk hat uns über den Rest aufgeklärt.

So blieb für einen typischen Oliver Stone Film nicht viel über:

Der Bush Film zeichnet Bushs Karriere in überraschend fairer und unspekulativer Weise nach. Gerade deswegen wird der Film wohl kaum als großer cineastischer Erfolg in die Geschichte eingehen.