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Udos Spielkameraden

März 12, 2010

Was stellte sich der ehemalige Napola-Schüler Udo Proksch unter „Freimaurerei“ vor?

Ein teuflisch geniales Spiel nach eigenen Regeln und voller dunkler, geheimer Machenschaften –  eben das, was dem kleinen Udo in seiner Schule oder auch von seinen Nazi-Eltern über Juden und Freimaurer so beigebracht worden war.

Dieses Spiel wollte der große Udo dann selber spielen.

Spielkameraden konnte er speziell unter den SPÖ-Emporkömmlingen, Künstlern und sonstigen Wichtigtuern, die eine ähnliche Sozialisation wie der kleine Udo durchgemacht hatten, genug finden.

Den immer zahlreicheren Spielkameraden gefiel Udos Spiel, obwohl es sich zunächst außer durch den besonders unterhaltsamen Spiel-Leiter nicht von den gewöhnlichen Seilschaften in politischen Parteien, Kartellverband, Tennis-Club oder Stammtisch unterschied.

Als das Spiel außer Kontrolle geriet, glaubten die kleinen Spielkameraden trotz ganz offensichtlicher Fakten bereitwillig an die vom ihrem Spiel-Großmeister präsentierten Verschwörungstheorien. Wer wie der damalige Außenminister Leopold Gratz selber nicht davor zurückschreckte, gefälschte Schiffspapiere vom rumänischen Geheimdienst zu besorgen, um seinen Freund zu decken, traute den „echten Freimaurern“ natürlich erst recht alles zu.

Selbst Bundeskanzler Kreisky erklärte verdutzten Journalisten, dass die Lucona „vom Mossad versenkt“ worden sei.

Wäre da nicht ein unsympathischer Spielverderber gewesen, wäre Udo Proksch mt dem wohl größten Verbrechen der österreichischen Nachkriegsgeschichte dank seiner Freunde aus Politik, Justiz und Österreichs größter Tageszeitung  beinahe durchgekommen.

Robert Dornhelm, selbst auch ein alter Spielkamerad, setzte Udo Proksch nun ein filmisches Denkmal:

Was haben Udos alte Spielkameraden wie Robert Dornhelm aus der Geschichte gelernt?

KURIER: Sie kannten Proksch persönlich?
Robert Dornhelm : 28 war ich damals. Das war vor der Lucona. Wien war verstaubt. Und Proksch war locker. Offen. Direkt. Charmant. Das hat imponiert. Ich verstehe, dass er verführen konnte. Als Figur für einen Film war er perfekt. Als Busenfreund – ich weiß nicht.

Der Mord an 6 Matrosen mache den charmanten Verführer zu keinem „Killer“:

KURIER: 30 Jahre später haben Sie einen Dokumentarfilm gedreht. Ein Porträt in Mosaiksteinchen, ein Sittenbild der Zeit. Und der damalige Lucona-Staatsanwalt ist heute der Einzige, der Udo Proksch für einen Killer hält. Ihre persönliche Meinung kommt nicht vor. Wie sieht die aus?
Robert Dornhelm: Einen geplanten direkten Mord traue ich ihm nach wie vor nicht zu.

„Ungewollt“ hat Robert Dornhelm dann doch eine „Grauslichkeit“ des alten Spielkameraden entdeckt:

KURIER: Aber Sie haben eine Entdeckung gemacht, die Ihr Bild wohl verändert hat …
Robert Dornhelm: Ich wollte so eine Grauslichkeit nicht entdecken. Ich bin kein Detektiv. Prokschs Ehefrau Daphne Wagner hat im Interview von einer Schachtel mit Fotos erzählt. Fotos, die Proksch von seinen Club-45-Gästen heimlich gemacht hat. Das ist nicht nett. Ich wusste, dass er wahnsinnig war mit erotischen Fotos. Aber solche Fotos in der Absicht zu machen, mit ihnen später seine Freunde zu erpressen … Daphne Wagner hat, als sie die Schachtel gefunden hat, alles verbrannt.

Trotzdem fehlen Robert Dornhelm „schillernde Figuren“ wie Udo Proksch:

KURIER: Von der Lucona einmal abgesehen: Fehlt heute so eine Figur?
Robert Dornhelm: Es fehlen schillernde Typen, die Normen negieren. Das könnte uns nämlich im Positiven beeinflussen und etwa Doppelmoral aufbrechen. Wie weit kann ein Mann gehen? Das hat Proksch ausgereizt. Schon klar, es ging um seinen eigenen Vorteil. Aber an dieser Einstellung hat sich heute nichts geändert. Alle denken an ihren Vorteil. Jetzt wird das nur eleganter verpackt.

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