Posts Tagged ‘Ustica’

In der Regel?

März 16, 2014

So erhellend die Erkenntnisse der beiden letzten Tage sind, eine der großen Fragen in Bezug auf das Verschwinden von Flug MH370 wurde auch bei der Pressekonferenz am Sonntag nicht erörtert: Warum nämlich die Boeing 777-200 nach Abbruch des Funkkontakts umkehren, malaysisches Gebiet überfliegen und dabei vom Radar des Militärs erfasst werden konnte – und trotzdem nichts geschah.

Die gängige Reaktion nämlich auf das Eindringen eines nicht identifizierten Flugzeugs, wie es Flug MH370 nach Abschalten des Transponders und des ACARS war, ist massiv: In der Regel steigen binnen Minuten Kampfjets auf, um den Eindringling abzufangen.

(Spiegel)

Solche Ereignisse sind nun einmal nicht die Regel.

Selbst das Pentagon konnte trotz höchster Alarmbereitschaft nicht geschützt werden.

Dem Militär ein Fehlverhalten vorzuwerfen, ist natürlich immer das Leichteste.

Inkompetente Journalisten werden dann auf einmal zu großen Experten für Radar und Kampfjets.

Bleibt zu hoffen, dass Malaysias Luftwaffe nicht dasselbe Schicksal wie Italiens „Aeronautica Militare“ erleidet.

Jahrzehntelang prozessierte Italiens Justiz gegen die Generäle der italienischen Luftwaffe, denen man vorwarf, einen angeblichen Nato-Luftkrieg verschleiert zu haben, der zum Absturz einer italienischen Passagier-Maschine über der Mittelmeerinsel Ustica geführt haben solle.

Faszinierende Theorien

März 12, 2014

Die Suche nach dem seit Samstag spurlos verschwundenen Malaysia-Airlines-Passagierflugzeug konzentriert sich jetzt auf eine Meeresregion Hunderte Kilometer von der letzten bekannten Position entfernt – ein Zeichen, dass es weiterhin keine Hinweise auf das Schicksal des Jets mit 239 Menschen an Bord gibt, im Gegenteil: Malaysia dementierte am Mittwoch auch bisherige Angaben dazu.

Dazu fällt mir eine faszinierende Theorie ein (für die es im Moment keinerlei Belege gibt):

Das Flugzeug könnte von einer Rakete der eigenen Luftwaffe abgeschossen worden sein.

Meine faszinierende (aber recht unwahrscheinliche) Raketen-Theorie könnte nach aktuellem Wissensstand wenigstens noch theoretisch stimmen.

Wenn für die Theorie jedoch keine handfesten Hinweise auftauchen, wäre es wohl angebracht, auch nach anderen (weniger faszinierenden) Szenarien zu suchen, für die man dann vielleicht doch Hinweise finden könnte.

Sobald man einer faszinierenden Theorie verfallen ist, neigt man leider dazu, sämtliche Fakten der eigenen Ansicht unterzuordnen.

In Italien widmete sich die Justiz über 30 Jahre lang solch einer faszinierenden (aber unbeweisbaren) Theorie.

Im Falle von Ustica ignorierte der Richter das Gutachten eines internationalen Sachverständigen-Teams, das von ihm selbst beauftragt worden war, um die Ursache des Absturzes zu klären:

Dass für den Luftkampf auch nach jahrzehntelangen Prozessen keine Hinweise gefunden werden konnten, wurde mit einer riesigen Verschwörung, durch welche alle Beweismittel vernichtet worden seien, erklärt.

Ustica – Neues Urteil ohne neue Beweise

Januar 28, 2013

Die italienischen Justizbehörden sind nach mehrjährigen Ermittlungen zum Schluss gekommen, dass der mysteriöse Flugzeugabsturz einer DC-9-Maschine, die am 27. Juni 1980 von Mailand Richtung Palermo geflogen war, von einer Rakete verursacht wurde. Die Maschine wurde im Mittelmeer unweit der Insel Ustica abgeschossen.

Das Kassationsgericht in Rom hat daher heute beschlossen, dass der italienische Staat die Familienangehörigen der Opfer entschädigen muss, weil er nicht mit ausreichenden Zivil- und Militärkontrollen die Sicherheit des Flugraums garantiert hatte.

Das Zivilgericht von Palermo hat einfach das alte Urteil des Strafrichters Priore recycled, obwohl sein Urteil vom Obersten Strafgerichtshof aus Mangel an Beweisen aufgehoben worden war.

Nun wurde das neue Urteil vom Obersten Zivilgerichtshof bestätigt, obwohl seit dem Urteil des Obersten Strafgerichtshof kein einziger neuer Beweis aufgetaucht ist.

Der Strafrichter Priore, der gegen Offiziere der Aeronautica Militare einen Prozeß geführt hatte, beauftragte ursprünglich ein internationales Sachverständigenteam mit der Untersuchung der Absturzursache.

Als seine Sachverständigen zu dem Schluss kamen, es habe sich um eine Bombe gehandelt, wurden sie von Priore kurzerhand gefeuert. Stattdessen wurde ein italienisches Team eingesetzt, welches seine Ansichten über einen angeblichen Luftkampf teilte. Sie führten Experimente durch, die beweisen sollten, dass es sich nicht um eine Bombe gehandelt haben konnte.

Aus eigener beruflichen Erfahrung weiß ich, dass wenn der Auftraggeber ein Gutachten in einer bestimmten Richtung haben will, er es vom Auftragnehmer auch so bekommt.

Da es sich laut Gutachten seiner Sachverständigen nicht um eine Bombe gehandelt hatte, konnte es sich für den Richter nur um einen Luftkampf gehandelt haben.

Dies brauchte man praktischerweise nicht in Experimenten zu beweisen, da nachdem die Bombe ausgeschlossen worden war, nach Priores Logik nur noch jene Möglichkeit übrig blieb (auch wenn sich seine neuen Sachverständigen nicht einmal darüber einig waren, ob die Absturzursache ein Raketentreffer oder ein Fast-Zusammenprall mit einem Kampfjet war).

Der Richter Priore wollte Gaddafi übringens nicht nur für Ustica die Absolution erteilen, sondern auch für Lockerbie.

Diese absurde Art von Beweisführung hielt vor dem Berufungsgericht nicht.

Wenn Berlusconi nicht mit seinen Vorwürfen der linksideologischen Unterwanderung der Justiz recht gehabt hätte, hätte das Berufungsgericht auch das neue zivilrechtliche Urteil aus Mangel an Beweisen wieder aufheben müssen.

Gerade Berlusconi konnte allerdings bis vor kurzem mit der „historischen Wahrheit“ über Ustica sehr gut leben.

Die richtige Wahrheit zu finden, hätte Berlusconis Geschäften mit Gaddafi wohl schwer geschadet.

Nun ist Gaddafi weg…

…und aus der lukrativen „historischen Wahrheit“ ist ein 100 Millionen teures „Skandalurteil“ geworden, das Berlusconis Verteidigungsminister erfolglos zu bekämpfen versucht hatte.

Italiens Lockerbie

September 7, 2012

Die libysche Regierung hat Gaddafis rechte Hand überstellt bekommen.

Sanussi war seinem Schwager stets treu zu Diensten. Studentenproteste in Tripolis und Bengasi ließ er niederschlagen und die Anführer öffentlich hinrichten. Tausende andere Regimegegner landeten hinter Gittern und wurden gefoltert. Lange nahm die Welt kaum Notiz davon. Dies sollte sich erst ändern, als 1988 der Pan-Am-Jumbo, Flugnummer 103, über dem schottischen Lockerbie explodierte. Den 2001 als Attentäter verurteilten Abdel Basset Ali al-Megrahi hatte Sanussi zuvor für den Geheimdienst angeworben. Megrahi gehörte demselben Stamm an wie Sanussi.

Auch für den Bombenanschlag auf einen Linienflug der französischen Airline UTA im September 1989 soll der Ex-Geheimdienstchef verantwortlich sein. Bei der Explosion über dem Niger kamen alle 170 Insassen ums Leben, darunter auch die Frau des US-Botschafters im Tschad.

Am Abend des 27. Juni 1980 stürzte Itavia-Flug 870, eine Douglas DC-9, nördlich der italienischen Insel Ustica auf dem Wege von Bologna nach Palermo aus zunächst ungeklärter Ursache ins tyrrhenische Meer. Alle 81 Insassen starben bei diesem Flugzeugunglück, das als „Strage di Ustica“ (das Ustica-Blutbad) in Italien bekannt wurde.

Bereits am nächsten Tag wurde vom Geheimdienst SISMI ein falsches Bekennertelefonat an den „Corriere della Sera“ getätigt, in dem die rechtsextremen NAR die Verantwortung für den Anschlag übernahmen.

Nachdem sich das Bekenntnis der NAR als „Fake“ erwies, ging man zunächst von einem technischen Gebrechen der DC-9 aus.

Erst Jahre später kam es zu einer gerichtlichen Untersuchung des Falles.

In den 90er-Jahren kamen die vom Gericht beauftragten, internationalen Sachverständigen zu dem Schluß, die DC-9 sei durch eine Bombenexplosion abgestürzt.

Hätte man in jene Richtung weiter ermittelt, wäre man wohl schnell auf Gaddafi gestoßen.

Zu jenem Zeitpunkt wusste man bereits von Libyens Verantwortung für Lockerbie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Lockerbie-Anschlag

Auch die Absturzursache für eine im Niger verunglückte französische Passagiermaschine war bereits bekannt:

http://de.wikipedia.org/wiki/UTA-Flug_772

Eine Minderheit der Sachverständigen ging von einem Zusammenstoß mit einem anderen Flugzeug aus – auch in diesem Fall wäre man wohl schnell bei Gaddafi gelandet, da eine in Kalabrien abgestürzte libysche MiG wenige Tage nach dem Unglück von Ustica aufgefunden worden war.

Stattdessen wurde die „unglaublichste Theorie“, welche von Gaddafis italienischen Geschäftsfreunden ins Spiel gebracht worden war, zur populärsten Erklärung für Ustica.

Durch libysches Öl abgeschmierte Ermittlungen

Oktober 2, 2011

Hamburg – Wegen der Ermittlungen gegen den Gaddafi-Sohn Saif al-Arab hat die Bundesregierung offenbar mehrmals indirekt Einfluss auf die bayerische Landesregierung genommen.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,789357,00.html

Auch in Italien wurden Ermittlungen behindert, um nicht auf Gaddafis Öl verzichten zu müssen:

https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/03/11/gaddafis-treue-freunde/

Im Gegensatz zu Deutschand ging es in Italien nicht nur um ein paar illegale Waffen, sondern um zwei Terroranschläge, die jeweils den Tod von über 80 Menschen verursacht hatten:

https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/06/14/ustica-italiens-lockerbie-2/

https://aron2201sperber.wordpress.com/2011/08/02/vor-31-jahren-in-bologna/

Neues altes Urteil zu Ustica

September 21, 2011

Das Zivilgericht von Palermo hat einfach das Urteil des Strafrichters Priore recycled, obwohl dieses vom Obersten Gerichtshof aus Mangel an Beweisen aufgehoben worden war:

http://www.tagesschau.de/ausland/usticaentschaedigung100.html

Der Strafrichter Priore, der gegen Offiziere der Aeronautica Militare einen Prozeß geführt hatte, beauftragte ursprünglich ein internationales Sachverständigenteam mit der Untersuchung der Absturzursache.

Als seine Sachverständigen zu dem Schluss kamen, es habe sich um eine Bombe gehandelt, wurden sie von Priore kurzerhand gefeuert.

Stattdessen wurde ein italienisches Team eingesetzt, welches seine Ansichten über einen angeblichen Luftkampf teilte.

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Ustica – Italiens Lockerbie

Juni 14, 2011

Am Abend des 27. Juni 1980 stürzte Itavia-Flug 870, eine Douglas DC-9, nördlich der italienischen Insel Ustica auf dem Wege von Bologna nach Palermo aus zunächst ungeklärter Ursache ins tyrrhenische Meer. Alle 81 Insassen starben bei diesem Flugzeugunglück, das als „Strage di Ustica“ (das Ustica-Blutbad) in Italien bekannt wurde.

Bereits am nächsten Tag wurde vom Geheimdienst SISMI ein falsches Bekennertelefonat an den „Corriere della Sera“ getätigt, in dem die rechtsextremen NAR die Verantwortung für den Anschlag übernahmen.

Nachdem sich das Bekenntnis der NAR als „Fake“ erwies, ging man zunächst von einem technischen Gebrechen der DC-9 aus.

Erst Jahre später kam es zu einer gerichtlichen Untersuchung des Falles.

In den 90er-Jahren kamen die vom Gericht beauftragten, internationalen Sachverständigen zu dem Schluß, die DC-9 sei durch eine Bombenexplosion abgestürzt.

Hätte man in jene Richtung weiter ermittelt, wäre man wohl schnell auf Gaddafi gestoßen.

Zu jenem Zeitpunkt wußte man bereits von Libyens Verantwortung für Lockerbie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Lockerbie-Anschlag

Auch die Absturzursache für eine im Niger verunglückte französische Passagiermaschine war bereits bekannt:

http://de.wikipedia.org/wiki/UTA-Flug_772

Eine Minderheit der Sachverständigen ging von einem Zusammenstoß mit einem anderen Flugzeug aus – auch in diesem Fall wäre man wohl schnell bei Gaddafi gelandet, da eine in Kalabrien abgestürzte libysche MiG wenige Tage nach dem Unglück von Ustica aufgefunden worden war.

Stattdessen wurde die „unglaublichste Theorie“, welche von Gaddafis italienischen Geschäftsfreunden ins Spiel gebracht worden war, zur populärsten Erklärung für Ustica.

Gaddafis untreuer „Amico“

April 26, 2011

Berlusconi will sich nun an Luftangriffen gegen Gaddafi beteiligen.

Gaddafis frühere italienische Geschäftsfreunde waren da um einiges loyaler.

Die hatten nicht nur zu ihm gehalten, als er wie jetzt sein eigenes Volk terrorisierte, sondern sie hielten Gaddafi sogar eisern die Treue, als sich sein Terror gegen Italien richtete.

Cossiga und Andreotti waren nach dem Scheitern des Eni-Petromin-Deals mit Saudi-Arabien dringend auf ein neues Geschäft angewiesen, um ihr Parteiensystem zu finanzieren.

Gaddafi sorgte mit seinem günstigen Öl dafür, dass das Tangentopoli-System doch noch „wie geschmiert“ laufen konnte.

Aus der Differenz zwischen dem günstigen Preis, den Gaddafi seinen „italienischen Freunden“ machte, und dem offiziellen Preis, um den Italien sein Öl über den staatlichen ENI-Konzern bezog, konnten Cossiga und Andreotti bequem das italienische Parteiensystem ein weiters Jahrzehnt finanzieren (auch die PCI, welche von Cossigas Cousin Enrico Berlinguer geführt wurde, bekam wohl ihren Anteil)

Gaddafis geschäftsschädigende Terrorstreiche von Bologna und Ustica konnte man elegant vertuschen, indem man sie der rechtsextremen „Strategie der Spannung“ zuschrieb.

Gaddafi und Tangentopoli

April 1, 2011

Zu Beginn der 80er Jahre herrschte zwischen Gaddafi und der NATO dicke Luft.

Obwohl Libyen Italiens wichtigster Erdöl-Lieferant war, schloss die italienische Regierung ein Beistandsabkommen mit Malta, das gegen Gaddafi gerichtet war.

Als sich Gaddafi für Italiens treulose Außenpolitik rächte, wurde der Verdacht von der italienischen Regierung sofort von ihm weggelenkt.

Wäre Gaddafis Urheberschaft für die beiden schlimmsten Terroranschläge der italienischen Geschichte bekannt geworden, hätte dies das Ende aller Geschäftsbeziehungen bedeutet.

Italien war nach dem Scheitern des Eni-Petromin-Deals mit Saudi-Arabien jedoch dringend auf Gaddafis Öl angewiesen.

Aus der Differenz zwischen dem günstigen Preis, den Gaddafi seinen „nachsichtigen“ italienischen Freunden machte, und dem offiziellen Preis, um den Italien sein Öl über den staatlichen Eni-Konzern bezog, konnten Cossiga und Andreotti das italienische Parteiensystem bequem ein weiteres Jahrzehnt finanzieren (auch die PCI, welche von Cossigas Cousin Enrico Berlinguer geführt wurde, bekam wohl ihren Anteil)

Gaddafis geschäftsschädigende Terrorstreiche von Bologna und Ustica konnte man elegant vertuschen, indem man sie der rechtsextremen „Strategie der Spannung“ zuschrieb.

Solange Gaddafis Öl sprudelte, rührte keine italienische Regierung an dieser „bequemen Wahrheit“.

Ustica – Italiens Lockerbie

März 10, 2011

Am Abend des 27. Juni 1980 stürzte Itavia-Flug 870, eine Douglas DC-9, nördlich der italienischen Insel Ustica auf dem Wege von Bologna nach Palermo aus zunächst ungeklärter Ursache ins tyrrhenische Meer. Alle 81 Insassen starben bei diesem Flugzeugunglück, das als „Strage di Ustica“ (das Ustica-Blutbad) in Italien bekannt wurde.

Die „Libyen-Fraktion“ der damaligen italienischen Regierung, die trotz NATO-Bündnisses auf ihre Geschäfte mit dem Terrorpaten dringend angewiesen war, hatte stets versucht, Gaddafis geschäftsschädigende Terrorstreiche zu vertuschen.

Am leichtesten konnte man dies tun, in dem man den Terror der „Strategie der Spannung“ zuschrieb, da dies die Musik war, die Italiens rote Medien und Justiz hören wollten.

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