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Keine Angst vor der Bombe!

Juni 8, 2009

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Was ist eigentlich das Gefährliche an der Leugnung des Kapitalverbrechens der jüngeren Menschheitsgeschichte?

Durch die Holocaustleugnung – aber auch durch die Relativierung – wird der moralische Kilometer-Zähler wieder zurückgedreht. Wenn er wieder auf Null steht, und es keinen Holocaust gegeben hat, gibt es auch weniger Bereitschaft, zukünftige Verbrechen ähnlicher Art zu verhindern.

Eine wesentliche Grundvoraussetzung, die totalitäre Regime für die Umsetzung eines neuen Holocausts bräuchten.

Die Strafbarkeit der Holocaust-Leugnung ist in Österreich ein praktisches Mittel, um Ewiggestrige zu überführen.

Als selbternannte Entnazifizierer Deutschlands und Österreichs befürworten 68er wie Georg Hoffmann-Ostenhof die strenge Bestrafung.

Wenn der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad den Holocaust leugnet, bleibt der 68er-Nazi-Jäger hingegen ganz cool.

Stattdessen wittert Georg Hoffmann-Ostenhof eine ganz andere Gefahr.

Durch die „Dämonisierung, die von den Neocons und George W. Bush in Gang gesetzt wurde und von den israelischen Regierungen dankbar aufgegriffen“ wurde, leiden wir an der „Angst vor Persern“.

„Profil“ will uns mit 10 Thesen von unserer Persophobie heilen:

1) Iran will gar nicht die Atombombe

Begründung:

  • Der CIA-Bericht wonach man 2003 das Programm (warum auch immer) eingestellt habe. (der CIA irrt bekanntlich nie – wie man an Saddams MVW gesehen hat)
  • Die Atombombe sei laut höchsten Führer des Landes Ali Khamenei unislamisch (na dann…)

2) Selbst wenn der Iran die Bombe bauen wollte, wäre das nicht unverständlich.

Begründung:

  • Logik der gegenseitigen atomaren Abschreckung (Israel sollte am besten mit Gelassenheit und ohne Hysterie ausprobieren, ob diese vielleicht auch für zutiefst unlogische Regime gilt)

3) Die persische Bombe ist noch lange nicht da

Begründung:

  • Dauert mindestens 8 Jahre (der Iran sei schließlich keine hoch entwickelte Zivilisation wie Nordkorea)

4) Der Iran ist traditionell keine Angreifernation

Begründung:

  • Der Irak habe mit tatkräftiger Unterstützung des Westens (wer genau – Jimmy Carter?) den Iran überfallen – ansonsten seien Perser seit 270 Jahren friedlich gewesen. (Krieg ist unpersisch und natürlich unislamisch – ich vergaß)

5) Der Iran ist nicht unberechenbar

  • Dass man sich gegen das irakische US-Marionetten-Regime engagiert habe, hatte nicht ideologische, sondern rationale Gründe. Anders als von Bush behauptet, unterstützte man die moderaten Schiiten und nicht die radikalen Militanten. (…dieser Bush!)

6) Israel ist nicht in Gefahr

  • siehe Punkt 2

7) Die radikalen Nahostgruppen Hamas und Hisbollah sind keine Marionetten Teherans

Begründung:

  • Für deren Anhänger seien es keine Terroristen (auch Al Qaida Anhänger sehen die Israel und die USA als die wahren Terroristen an), sondern die politischen Vetreter ihrer Interessen. Weder die Hamas noch die Hisbollah würden vom Iran Befehle entgegennehmen, die im Gegensatz zum Interesse ihrer Bevölkerung stünden. (wie immer beruhigend, dass politische Vetreter immer das Richtige für die Interessen ihrer Bevölkerung tun)
  • („Marionette“ ist außerdem ein Ausdruck, der korrekterweise nur gegen US-freundliche Regierungen verwendet werden darf.)

8)  Die iranische Theokratie ist ein unterdrückerisches Regime aber keine Diktatur.

Begründung:

  • Nach der Türkei und Indonesien sei der Iran das Land, in dessen politischem System demokratische Elemente am stärksten präsent seien. (Demokratische Marionetten-Regime wie der Irak zählen für einen revolutionären Marxisten natürlich nicht)
  • (Die meisten islamischen Staaten sind – aus verschieden Gründen – siehe Algerien – autoritäre Staaten. Durch die islamische Revolution ist der Iran zu einem totalitären Staat geworden – aber für romantische 68er-Totalitarismus-Fans war auch die „Deutsche Demokratische Republik“ die wahre deutsche Demokratie.)

9. Die Frauen werden furchtbar unterdrückt, jetzt sind sie aber im Kommen.

Begründung:

  • Frauen dürften studieren (sie dürfen das allerdings schon seit der Weißen Revolution – die Umsetzung der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau war ein Hauptgrund für den Hass der Mullahs gegen den Schah)

10. Trotz Herrschaft der Mullahs – der Iran hat eine hochentwickelte Gesellschaft.

  • Diese hatten die Deutschen auch.