Zschäpes linker Fürsprecher

Zufällig heute im österreichischen “Standard” gelesen: Zum ersten Mal muss sich ein deutsches Gericht mit den mutmaßlichen Morden einer rechtsextremen Terrorzelle befassen. Als deren Kopf gilt Beate Zschäpe (38).

(pi.news)

Obwohl es keine Hinweise auf eine Beteiligung Beate Zschäpes bei den Morden der Uwes gibt, erklären die Medien das Mörder-Liebchen zum Kopf einer Terrororganisation.

Wie würden die Medien wohl berichten, wenn es sich bei Frau Zschäpe um das Liebchen eines linksradikalen Mörders gehandelt hätte?

Wie man aus Tätern Opfer macht, hat die linke Intelligenzija eindrucksvoll vorgeführt:

Heinrich Böll hatte für die Verteidigung der Ehre eines fiktiven RAF-Liebchens den Literaturnobelpreis erhalten.

Jürgen Elsässer kann als alter Linker auf einen breiten Fundus an Verschwörungstheorien zurückgreifen, mit dem er nun auch sein neues rechtes Publikum bedienen kann.

Das wahrscheinlichste Szenario ist ein Attentat im Gericht. Irgendein verzweifelter oder verstörter Rächer wird auf Sie losstürmen und Sie exekutieren. „Weil auf die deutsche Justiz kein Verlass ist“, wird er behaupten und seinerseits vermutlich freigesprochen werden.

(Compact-Magazin)

Dieses Szenario wäre natürlich das Traumszenario jedes Verschwörungstheoretikers, wie man seit dem Mord an Lee Harvey Oswald weiß.

Seit seiner Ermordung ist aus dem marxistischen Todesschützen das Opfer einer rechten Verschwörung geworden, die auch hinter der Ermordung des amerikanischen Präsidenten steckte.

Variante Nummer zwei: Nachts erscheint ein Schakal oder ein Grauer Wolf in Ihrer Zelle und hängt Sie, wie damals Ulrike Meinhof, ans Fensterkreuz. Wobei ich das Beispiel Ulrike Meinhof nur hilfsweise gewählt habe, weil die RAF-Gründerin bekannter ist als Heinz Lembke, der Ihnen vermutlich politisch näher steht. Lembke soll die Waffen für das Oktoberfestattentat 1980 geliefert haben, bei dem 13 Menschen starben. Als der Inhaftierte versprach, am folgenden Tag auszupacken, fand man ihn im Morgengrauen aufgeknüpft in seiner Zelle.

Elsässers Unlogik ist wieder einmal bestechend.

Er beschwört die ihm „sympathische“ Beate Zschäpe unbedingt auszupacken, da ihr sonst wie Ulrike Meinhof ihre Ermordung drohe, bringt jedoch als Argument ausgerechnet einen Typen, der angeblich auspacken wollte und genau deswegen ermordet worden sei.

Beeindruckend ist auch seine Ignoranz gegenüber den historischen Fakten zum Oktoberfestanschlag.

Dass der Attentäter Verbindungen zur Wehrsportgruppe Hoffmann gehabt hatte, ist schon lange bekannt.

Mittlerweile ist jedoch auch bekannt, dass die Wehrsportgruppe Hoffmann Verbindungen zur Stasi hatte und wohl dank dieser Kontakte via DDR in ein Ausbildungslager der Palästinenser entkommen konnte.

Dass Rechtsradikale von Linksradikalen vor dem gemeinsamen Feind geschützt werden, ist in Deutschland eben nichts neues.

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13 Antworten to “Zschäpes linker Fürsprecher”

  1. American Viewer Says:

    Ein sehr treffender Artikel.

    Deine These lässt sich auch mit einem ganz einfachen Gedankenexperiment belegen: Was wäre passiert, wenn die beiden Uwes noch leben würden? Wäre dann Zschäpe auch noch „Kopf und Herz“ der NSU wie die deutschen Medien und Staatsanwälte ganz ernsthaft behaupten?

    Wohl kaum. Die Medien und Staatsanwälte würden sich auf die beiden Haupttäter konzentrieren, Zschäpe wäre nur eine Mitläuferin.

    Aber die beiden mutmaßlichen Haupttäter sind tot. Und so wird nun eben Zschäpe zum Kopf und Herz der NSU auserkoren. Das ist doch Realsatire.

    Was macht der Fackelmob, wenn sich nun Zschäpe auch noch umbringt? Wird dann die Katze von Zschäpe zum Kopf und Herz der NSU erklärt?

  2. aron2201sperber Says:

    bemerkenswert wie wenig in deutschen Medien hingegen über die konvertierte Braut des Boston-Bombers berichtet wird, obwohl es da viele Aspekte gäbe, die gerade in Europa Aufmerksamkeit erregen sollten.

    Islamisten-Liebchen dürften jedoch wie RAF-Liebchen jedoch unter den „Katharina Blum-Ehrenschutz“ fallen:

    https://aron2201sperber.wordpress.com/2013/04/21/die-beate-zschape-der-boston-bomber/

  3. Tom Says:

    Geht es gegen Rechtsradikale gibt es bei den Linken nicht mehr die sonstige „Der Täter ist eigentlich nur ein armes Opfer der Gesellschaft Einstellung“. Ich wünschte sie würden bei allen Straftätern diese Einstellung aufgeben.

  4. Thomas ex Gotha Says:

    Immer wieder erstaunlich, was unabhängige Blogger so alles herausfinden: „Heinrich Böll“, schreibt der Herr „Aron Sperber“, „hatte für die Verteidigung der Ehre eines fiktiven RAF-Liebchens den Literaturnobelpreis erhalten.“ Abgesehen davon, dass es lächerlich ist, im Verein mit der wirren Frau Röhl den biederen Böll 40 Jahre post festum zum Sympathisanten der RAF zu stilisieren, wird dem Stockholmer Komitee doch eine zu hohe Macht zugesprochen, wenn es 1972 einen Nobelpreis verleiht für eine Erzählung, die 1974 erscheinen wird.

    • aron2201sperber Says:

      Als er den Preis bekommen hat, war er schon voll in seiner Rolle:

      Im Nobelpreis-Jahr 1972, ein Jahr nach Erscheinen seines Romans Gruppenbild mit Dame, sorgte Böll für einen innenpolitischen Skandal, als er sich in einem Essay für den Spiegel unter dem Titel Will Ulrike Gnade oder freies Geleit? mit der Person und dem Werdegang der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof beschäftigte und die Berichterstattung der Springer-Presse scharf angriff. Der Titel war vom Spiegel gegen Bölls Willen verändert worden, die durch die Nennung des Vornamens suggerierte Vertrautheit des Autors mit Meinhof entsprach weder Bölls Intention noch dem Inhalt des Textes. In konservativen Kreisen galt er seitdem als „geistiger Sympathisant“ des Terrorismus, worunter Heinrich Böll litt. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Friedrich Vogel sprach damals von den „Bölls und Brückners“ als intellektuellen Helfershelfern des Terrors.[4] Da die Behörden es nicht für ausgeschlossen hielten, dass gesuchte RAF-Mitglieder bei ihm Unterschlupf finden könnten, wurde bei ihm am 1. Juni 1972 in Langenbroich eine Hausdurchsuchung vorgenommen, worüber er sich fünf Tage später schriftlich bei Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher beschwerte. Die genauen Umstände dieser Aktion, insbesondere die Zahl der eingesetzten Beamten, sind umstritten. Während Böll selbst von bis zu 20 Polizisten ausging, behauptete der damalige Einsatzleiter Helmut Conrads, nur er selbst und ein Kollege vom Landeskriminalamt hätten Böll einen Besuch abgestattet.[5] Robert Spaemann, der sich an diesem Tag im Haus von Böll aufhielt, bestätigte jedoch, mehrere schwer bewaffnete Polizisten gesehen zu haben.[6]

    • aron2201sperber Says:

      den biederen Böll 40 Jahre post festum

      diesen Punkt finde ich gut

      Böll war ein linker Biedermann

      gerade linke Biedermänner waren für die Rechtfertigung der RAF besonders wertvoll

      und besonders solche, die gerade mit einen Literaturnobelpreis geadelt worden waren

      • Thomas ex Gotha Says:

        Und wieder stehe ich staunend vor der Präzision konservativer Blogger: Dass es Böll in seinem Spiegelessay gar nicht darum ging, die RAF zu „rechtfertigen“ resp. zu „legitimieren“, wie B. Röhl sinnfern im Medium für sinnferne Texte (achgut.com) schreibt, hat er selbst klargestellt, und wer sich nur ein wenig im Schreiben und Denken des Mannes auskennt, wird ihm da Recht geben. Dass nun aber Sie 40 Jahre später auf einen längst abgefahrenen Zug aufspringen möchten und weder wissen, dass der Spiegelessay im Januar 1972 veröffentlicht, die Nobelpreisvergabe an Böll aber im Oktober desselben Jahres bekanntgegeben wurde, noch, dass die Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ gar nicht von den Methoden der RAF, sondern denen der BILD handelt, dass ist dann doch höchst ridikulös.
        Ihnen noch viel Freude mit Ihren „eddy edmunds“, die Frau Zschäpe als „Märtyrerin“ sehen.

      • besucher Says:

        Du meinst wahrscheinlich diesen Artikel hier:

        http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43019376.html

        Bölli arbeitet sich an Springer und der Bild ab. Die Zschäpe hat höchstwahrscheinlich niemanden umgebracht und wird in der BILD-Zeitung (gestern) als Teufel in Businesskostüm dargestellt.

        Wer macht heute den Böll? Der Elsässer. Ist doch schon komisch, oder Thomas Ex Gotha?

  5. 50Pf Says:

    Wir basteln bereits an Verschwörungstheorien!

  6. aron2201sperber Says:

    zur Empörung über den Befangenheitsantrag:

    http://www.deutschegeschichten.de/zeitraum/themaplus.asp?KategorieID=1005&InhaltID=1646&Seite=3

    Im Verlauf des Verfahrens stellte die Verteidigung zahlreiche Befangenheitsanträge, nach dem 85. Antrag wurde im Januar 1977 der Vorsitzende Richter von der Prozessführung entbunden; es kam zu einem zeitweiligen Prozessboykott vonseiten der Verteidiger sowie zu Hungerstreiks der Angeklagten.

  7. eddy edmund Says:

    Was Elsaesser konkret in Compaktserien von sich gibt ist sekundaer(ist bereits im Wiederholungsmodus)-was einzig zaehlt ist das Contraer zur Mainstream
    meinung…es kann nicht sein das die Dame hier ohne Blut an.den Haenden
    0 zu 100 zum (BILD)Monster gemacht wird…selbst ein Kindermoerder haette ein Recht auf 1 zu 99 ! Dazu – ist die Wahrscheinlichkeit das ein „BRD Clown
    Friedrich“ und nicht Frl.Zschaepe Taeter war minimum ebensogross…drueber hinaus waere sie selbst im Fall einer Taeterschaft unserer Ethnie als Rumaenin
    immer noch naeher als der Allahu Akba Abschaumanteil der Doenerserie…
    hier wird ein Umgang gepflegt den ich erwartete haette wenn Staat, Justiz &
    Opfer in ihrer Heimat auf einen auslaendischen Taeter getroffen waeren und
    genauso war es ja grade nicht…wuerde Frl.Zschaepe in Ankara oder im
    besetzten griechischen Konatantinopel vor Gericht stehen okay aber hier
    in Deutschland muss das nicht zuletzt aufgrund beider Uwes anders laufen!Und rumaenische Herkunft hin oder her sie ist immerhin im Sinne Deutscher Patria
    angetreten…Also – warum einer absolut minderrtigen Ethnie wie der turkmenischen in den Allahu Akba Arsch kriechen…Sie ist dato ebenso wie „unsere Jungs“ voellig unschuldig – oder habe ich irgenteinen Schuldspruch verpasst?
    Awaiting…“Free Beate“

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