Strauß, Schmidt und Washingtons Nutzen

Ein paar Tage lang durfte sich die Verschwörungstheoretiker-Szene über einen „Super-Zeugen“ freuen.

Andres Kramer hatte offenbar Daniele Gansers “Standardwerk über Gladio” gelesen, und sich danach für einen “Historiker” und seinen verstorbenen Vater für einen der Köpfe von Gladio gehalten.

Immerhin schaffte es der Histrioniker bis vor ein luxemburgisches Gericht und das Zwangsgebühren-Fernsehen widmete ihm auch einen unkritischen wohlmeinenden Beitrag.

Mittlerweile gilt der Zeuge jedoch selbst bei heise.de als „tief gefallen„.

Dummerweise war zu diesem Zeitpunkt die Monatsausgabe von Deutschlands größtem Verschwörungstheoretiker-Magazin schon gedruckt.

Jürgen Elsässer erklärt darin, warum die Wehrsportgruppe Hoffmann (bei der Köhler in Deutschland trainiert hatte und die nach ihrem Verbot wie schon zuvor die RAF in einem palästinensisches Terror-Camp weitertrainierte) nichts mit dem Oktoberfestanschlag zu tun hatte:

Aus heutiger Sicht ist sonnenklar, und zwar unabhängig von der entlastenden Aussage durch den Historiker Andreas Kramer, warum Hoffmann für diesen Terrorakt nicht in Frage kam: Er war und ist ein Gegner der NATO und der USA, und zwar so sehr, dass er als Militärfanatiker sogar den Wehrdienst in der Bundeswehr verweigerte. Außerdem war er zwar ein Verfassungsfeind, da er von der Demokratie, speziell von der parlamentarischen, nicht viel hielt. Andererseits grenzte er sich immer vom Nationalsozialismus ab, und als er vom Spiegel einmal nach seinem politischen Utopia gefragt wurde, verwies er auf das „System, was sich Tito für seine Nachfolge gewünscht hat: eine regierende Gruppe, die nach einer bestimmten Zeit immer wieder teilweise abtritt und in einem rotierenden System neuen Zuwachs bekommt“. Zu Hoffmanns kurzfristigen Zielen gehörte der Austritt aus der NATO, und ein Gesamtdeutschland unter Sowjetbesatzung hielt er für das kleinere Übel gegenüber einer Fortdauer der Teilung mit der US-Army im Westen. (vgl. Spiegel, 24.11.1980) So einem kann man alles mögliche zutrauen – aber keine Massaker zum Nutzen Washingtons.

Es ist faszinierend zu beobachten, wie vielfältig der „Nutzen Washingtons“ in jenem Zusammenhang interpretiert werden kann:

Denn darum ging es Ende September 1980, wenn das Morden überhaupt eine Logik gehabt haben sollte. Die Oktoberfest-Bombe detonierte neun Tage vor der Bundestagswahl am 5. Oktober 1980. Deswegen spekulierte man damals bei der Linken bis hin zum Beraterkreis von Bundeskanzler Helmut Schmidt, dass Fraz-Josef Strauss oder seine Freunde versucht haben könnten, mit diesem Terrorakt die Wahlchancen der Union zu verbessern: indem man ihn der RAF in die Schuhe schob. Der CSU-Hardliner als Bundeskanzler – das lag im amerikanischen Interesse, da Helmut Schmidt den USA mit seiner Hartwährungspolitik einen lästigen Wirtschaftskrieg lieferte und außerdem aus seiner Abneigung gegen den rechtsradikalen israelischen Ministerpräsident Menachem Begin keinen Hehl machte. Strauss hingegen war vor allem bei Konflikten im Nahen Osten ein zuverlässiger Verbündeter – er hatte schon Ende der 1950er Jahre geheime Waffengeschäfte mit Ben Gurion gemacht.

(Jürgen Elsässer)

Zurück zur Frage, warum in München die Spuren in Richtung Rechtsextremismus gelegt worden sind und wem das genutzt haben könnte. Es könnte durchaus einflussreiche Kräfte gegeben haben, die einen Bundeskanzlers Franz Josef Strauß verhindern wollten, weil man sich so eine bessere Steuerbarkeit deutscher Politik versprochen hat. Der konkurrierende amtierende Kanzler Helmut Schmidt war Mitglied der Atlantik-Brücke, Franz Josef Strauß nicht.

(Neue Rheinische Zeitung)

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7 Antworten to “Strauß, Schmidt und Washingtons Nutzen”

  1. Paul Says:

    Ich bin mal ganz ehrlich, lieber Aron.
    Bei diesen Verschwörungstheorien wird mir ganz schwummerig im Kopf.
    Nur eines vermisse ich bei all‘ diesen Theorien: Die Rolle der Weltherrschaft der Juden und ihres bewaffneten Arm’s des Mossad.

    Nein, ich bin jetzt nicht verrückt geworden, aber mir ist immer noch ganz schwummerig. 😦

    • aron2201sperber Says:

      wenn du genau liest, kommen selbstverständlich auch die Juden vor:

      und außerdem aus seiner Abneigung gegen den rechtsradikalen israelischen Ministerpräsident Menachem Begin keinen Hehl machte. Strauss hingegen war vor allem bei Konflikten im Nahen Osten ein zuverlässiger Verbündeter – er hatte schon Ende der 1950er Jahre geheime Waffengeschäfte mit Ben Gurion gemacht

      die in der NRZ (für die Elsässer auch immer wieder schreibt) geäußerte Theorie, wonach Strauss und die Rechtsextremen „Opfer“ und nicht „Täter“ seien, würde eigentlich sogar besser zu Elsässers aktueller Linie passen.

  2. gebis Says:

    Dass Kramer diskreditiert werden würde, war doch sonnenklar.Nona,spricht eher für ihn.Ich habe mir jetzt einmal die Namenslisten in diesen anglozionistischen Schweineställen angesehen,aka „Think Tanks“.Morgenthau III,Kogan(Kagan),Lazar,Friedman,der marxistische Massenmörderdreck um Wolfowitz,usw..Also das „Who is who“ der bolschewistischen Dreckshunde um Ehrenburg und Lazar Kagan(ovitch).Propagandistisch arbeitest du trotzdem gut,bist dein Geld wert,Kompliment..

  3. aron2201sperber Says:

    lustig ist in diesem Zusammenhang die Homepage von Hoffmann (der von der Wehrsportgruppe):

    http://karl-heinz-hoffmann.com/in_eigener_sache.html

    bzgl. der eigenen Rolle als angeblicher CIA-Gladio-Kollaborateur beklagt sich Hoffmann bitterlich über die Arbeitsweise von Ganser.

    bzgl. der Erkenntnisse über die Italiener will er jedoch Ganser gerne alles glauben, da es sich bei den italienischen Rechtsradikalen-Kollegen „um Katholiken und nicht um aufrechte Nationalsozialisten“ wie ihn gehandelt habe.

    (tatsächlich sahen sich Ordine Nuovo selbst als Nazi-Maoisten an und ließen sich wie Hoffmann selbst auch von Gaddafi sponsern)

    trotz der eigenen negativen Erfahrungen mit Gansers wissenschaftlichen Methoden wird Ganser nicht in Frage gestellt – dafür sind Gansers VT für die gemeinsame antiwestliche Sache zu nützlich.

  4. Ein Möchtegern-Snowden? | Aron Sperber Says:

    […] wenn sich in ein paar Wochen herausstellen sollte, dass es sich um einen typischen Histrioniker handelte, wird er seine Bühne gehabt […]

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