Historiker oder Histrioniker?

Historiker: Darum plante mein Vater das Wiesn-Attentat

Welche Gründe kann es denn geben, dass der BND einen Terrorakt – und dazu noch diesen Ausmaßes – verübt? Das ergibt doch keinen Sinn.

Das ergibt schon einen Sinn, wenn man sich mit den politischen Hintergründen dieser Zeit beschäftigt. Das Schlüsselwort dafür lautet „Gladio“. Durch Untersuchungen in anderen Ländern, vor allem in Italien, weiß man inzwischen, dass unter Federführung der CIA und unter Einbindung europäischer Geheimdienste nach dem Krieg ein geheimes paramilitärisches Netzwerk in verschiedenen Ländern Europas errichtet wurde.

Welchen Zweck sollte denn so eine Organisation haben? Die Italiener schufen dafür den Begriff „Strategie der Spannung“. Mit Terrorakten sollte die Bevölkerung verunsichert werden und den Ruf nach einem starken Staat fördern. Dahinter steckte in Zeiten des Kalten Krieges die Angst vor zunehmendem Einfluss des Kommunismus in Europa. Das sollte unter allen Umständen verhindert werden. Auch mit Gewalt.

Und das funktionierte? Am Beispiel Italiens wurde das ja deutlich genug, wie inzwischen feststeht. Eine Vielzahl von Anschlägen, die zunächst linken Extremisten wie den Roten Brigaden in die Schuhe geschoben wurden, entpuppten sich später als Inzenierungen staatlicher Stellen, die mit Faschisten und Kriminellen zusammenarbeiteten. Diese Strategie wurde auch in Deutschland betrieben. Mein Vater, der enge Kontakte zu Geheimdiensten in anderen Ländern unterhielt, spielte dabei eine maßgebliche und sehr aktive Rolle.

(Abendzeitung München)

Man kann sich wohl ausrechnen, mit welchen Werken sich dieser „Historiker“ beschäftigt hat, um seinem Vater-Sohn-Konflikt einen Sinn zu geben.

Dass Islamisten gerne auf Histrioniker, die ihnen ihre Vorurteile von der jüdischen Weltverschwörung bestätigen, hereinfallen, kann man noch nachvollziehen.

Warum ausgerechnet Rechte begeistert alte linke Verschwörungstheorien aufgreifen, ist mir ein Rätsel.

Sowohl beim Bologna-Anschlag als auch beim Oktoberfest-Anschlag waren nie irgendwelche Linken, sondern sofort die Rechten die Schuldigen.

Der Histrioniker mit dem Nazi-Gladio-Papi bestätigt genau die linken Verschwörungstheorien, nach denen die Rechten auf Befehl der Nato Terror ausgeübt hätten, um die Linken anzuschwärzen (die jedoch tatsächlich für keinen dieser Anschläge verantwortlich gemacht worden waren).

Zur Wehrsportgruppe Hoffmann gibt es mittlerweile einige handfeste Fakten.

Genauso wie zuvor die RAF landete die Wehrsportgruppe Hoffmann 1980 in einem Ausbildungslager der palästinensischen Sowjet-Satelliten.

Wer an einer Destabilisierung der westlichen Demokratien ein Interesse hatte, und zu diesem Zweck sowohl roten als auch brauen Terror förderte, sollte an Hand jener Fakten endlich historisch und nicht histrionisch aufgearbeitet werden.

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15 Antworten to “Historiker oder Histrioniker?”

  1. zrwd Says:

    mein Studium absolvierte ich damals an einer der Hochburgen der damals ‚Studentenbewegung‘ und heute ’68er‘ genannten ‚wohlgeratenen‘ Töchter und Söhne von Nazieltern. Horkheimer und Adorno verzweifelten, als sie begriffen, wen sie unterrichtet hatten. So auch Adornos Liebling, der schwule Alkoholiker Krahl mit klar nationalsozialistischen Wurzeln. Weitgehend erspart blieb den Koryphäen der kritischen Theorie die Konfrontation mit Tausenden, ja Abertausenden Linken, die sich in den 70ern an die Seite der RAF Mörder gestellt haben.

    So und heute wollen mir die Töchter und Söhne der Linksradikalen der 60er erzählen, dass Tausende, ja abertausende linke RAF Leute und deren Sympathisanten damals in Wirklichkeit Rechte gewesen wären. OK, da gehe ich mit, allerdings nur insofern, als es eine klare Traditionslinie von den antisemitischen nationalsozialistischen Studenten der Weimarer Republik, über ihre ‚wohlgeratenen‘ Töchter und Söhne der 60er und 70er, bis hin zu den heutigen Grünen und SED Linken und damit den Töchtern und Söhnen der Linksradikalen der 60er gibt.

  2. EuDssR:Gladio-Bilderberger-P2 -Nato. | dolomitengeistblog Says:

    […] Da es Kritik  von anderen Blogs gab, möchten wir mal klarstellen, daß der Inhalt zum Oktoberfest den wir zitiert haben, nicht der Meinung unserer Blogmitarbeiter entspricht. Was  den Anschlag  (Bologna)in Italien betrifft, gab es schon genug Dokumentationen auf der linksliberalen RAI, die niemals einen rechten Hintergrund bestätigte. […]

    • aron2201sperber Says:

      wie du richtig sagst, glaubt in Italien niemand (außer der ehemalige Staatsanwalt Libero Mancuso und der Romancier Carlo Lucarelli) an die Schuld der NAR bei Bologna und selbst die links-lastige RAI hat sich in der Sendung „La storia siamo noi“ sehr kritisch dazu geäußert.

      deswegen habe ich mich ja auch gewundert, dass du als Italien-Kenner jene Dinge unkommentiert übernommen hast

      in Italien wird zwar immer noch der P2-Loge eine Rolle als Hintermänner bei Bologna zugeschrieben (was ich ebenfalls für Unsinn halte)

      von Gladio ist im Zusammenhang mit Bologna nur außerhalb Italiens die Rede.

      eine „Strategie der Spannung“, bei der Linksradilkale bezichtigt werden, ergibt ja nur dann einen Sinn, wenn tatsächlich Linksradikale von irgendwem bezichtigt werden, was jedoch nur beim Anschlag auf eine Mailänder Bank von 1969 der Fall war:

      https://aron2201sperber.wordpress.com/2012/05/15/eine-bank-als-zufalliges-opfer/

      danach waren immer sofort die Rechten die Hauptverdächtigen, auch wenn für Mailand die Rechten – wie zuvor die Linken – nicht rechtskräftig verurteilt werden konnten, sondern wegen Mangels an Beweisen freigesprochen werden mussten.

  3. dolomitengeistblog Says:

    Was Italien betrifft, da gab es die meisten und grössten Anschläge von den Linken.
    http://dolomitengeistblog.wordpress.com/2010/01/04/eurabialinke-gewalt-in-italien-die-anni-di-piombo/
    Heute schieben es so solche Pseudo-Historiker den rechten in die Schuhe.
    Zumindest in Deutschland.Tatsache bleibt, es waren immer die Geheimdienste darin verwickelt
    Central in Bologna 1980 usw, die italienischen Medien bestätigen!
    leider die deutschen Lügenmärchen
    nicht.Daß die Mafia -Rechts gewesen wäre (ist), daß kann auch nur ein deutscher Historiker erfunden haben.
    Wahr ist auch, daß es in den letzten Jahren Mordanschläge an Politiker und Journalisten in Italien gab,
    wie bei der rechten Szene in Deutschland incl.NSU.

  4. arprin Says:

    Ich hatte diesen Artikel auch gelesen und dachte mir schon: Hoffentlich schreibt Aron was darüber 😉

    Auch die taz hat diesem Mann eine Bühne geboten:
    http://www.taz.de/Prozess-Oktoberfest-Attentat/!115889/

    Außerdem trat er in der 3sat-Sendung „Kulturzeit“ auf. Wenn man sich seine Aussagen so ansieht, passt der Begriff Histrioniker in der Tat wesentlich besser als Historiker.

    • aron2201sperber Says:

      war doch klar, dass ich so etwas nicht unkommentiert stehen lasse 😉

      während die taz halbwegs skeptisch bleibt, ist der „Kulturzeit“-Beitrag wieder mal ein Beispiel für das abgrundtief miese Niveau der Zwangsgebühren-Medien.

  5. American Viewer Says:

    Mit Terrorakten sollte die Bevölkerung verunsichert werden und den Ruf nach einem starken Staat fördern.

    Die Theorie krankt ja schon an diesen Satz. Seit wann sind Linke gegen einen starken Staat? Wollen Linke etwa einen Nachtwächterstaat? Seit wann das?

    Gehen wir einmal davon aus die Theorie diverser linker Gruppierungen stimmt und sie wurden vom „starken Staat“ verfolgt. Dann traf es doch genau die Richtigen. Wie gewünscht, so bekommen. 😉

  6. aron2201sperber Says:

    bei heise ist man VT zwar auch aufgeschlossen, im Gegensatz zu Elsässer gibt es jedoch ein Minimum an kritischem Geist:

    http://www.heise.de/tp/artikel/39/39125/1.html

    dass heise.de seriöser ist als 3sat ist doch ziemlich erschütternd

  7. aron2201sperber Says:

    hätte man doch gleich die Familie des „Historikers“ befragt:

    http://www.wort.lu/de/view/bommeleeer-zeuge-kramer-als-luegner-entlarvt-5190bb78e4b02b992e7b5f83

  8. aron2201sperber Says:

    ich bin gespannt, ob Jürgen Elsässer wie angekündigt die „Story“ immer noch zum Titelthema machen will:

    http://juergenelsaesser.wordpress.com/2013/05/09/neues-von-gladio/

    Der luxemburger Prozess um Bombenattentate in den 1980er Jahren greift auf die Bundesrepublik über: Die Aussage des deutschen Historikers Kramer, sein Vater habe im Auftrag des BND bzw. der NATO-Geheimarmee Gladio die Oktoberfestbombe 1980 gebaut, wurde in Deutschland zuerst nur von junge Welt und heise/teleplis aufgegriffen, jetzt aber auch vom Münchner Boulevardblatt Abendzeitung (az).

    Da kommt was in Gang! Diese Story wird in der kommenden Ausgabe von COMPACT (6/2013, am Kiosk ab 30. Mai) das Titelthema sein, selbstverständlich mit vielen Informationen, die man noch nirgends lesen konnte…

  9. Strauss, Schmidt und Washingtons Nutzen | Aron Sperber Says:

    […] schaffte es der Histrioniker bis vor ein luxemburgisches Gericht und das Zwangsgebühren-Fernsehen widmete ihm auch […]

  10. WSG und RAF im gleichen Ausbildungslager | Aron Sperber Says:

    […] tauchte ebenfalls ein spektakulärer Zeuge auf. Der angebliche Historiker erwies sich jedoch als Histrioniker, der wohl lediglich Daniele Gansers “Standard-Werk” zu Gladio studiert […]

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