Linke Utopie und rechte Realität

Woran liegt es, dass Linkradikale trotz der beeindruckenden Mord-Bilanz eines Stalin oder Mao nicht als ähnlich gefährlich wie Rechtsradikale angesehen werden?

Linksradikale schaffen es immer wieder, sich selbst und auch die meisten anderen davon zu überzeugen, dass ihre Utopie eine ganz andere wäre als jene, die in der realen Welt bereits verwirklicht wurden.

Ob dies nur an der besseren Propaganda der linken Intelligenzija liegt?

Im Unterschied zu den Rechtsradikalen, die zu den Verbrechen ihrer Ideologie stehen, meinen es die Linken mit ihrer Distanzierung von realen Sozialismus durchaus ehrlich.

Man feierte zwar jede linke Revolution der Welt, egal wie blutig sie ausfiel.

Doch sobald sich der reale Sozialismus entfaltete, wandte man sich angewidert ab.

Die einzigen Regime, die sich die linke Sympathie bewahren konnten, waren jene, die es schafften, sich als ewige Revolutionäre zu präsentieren.

Warum war die DDR nie das Lieblingskind der westdeutschen Kommunisten?

Die DDR hatte durchaus ihre Vorzüge:

z.B. Sicherheit und Ordnung.

Diese Tugenden der DDR sind allerdings typisch rechte Tugenden.

Auch viele andere Eigenschaften, die bei allen realsozialistischen Regimen vorkamen, fallen wohl unter diese Kategorie:

Führerkult, Polizeistaat, Abschottung nach außen.

Ausländerfeindlichkeit gab es nur deshalb nicht, weil es keine Immigration in kommunistische Länder gab.

Nordkorea ist wohl das einzige industrialisierte Land der Welt, in welches nicht einmal ein Somalier freiwillig ziehen würde.

Es ist nicht bloß Zufall oder Pech, dass alle linken Revolutionen zur Etablierung von autoritären Staaten führten, die allesamt wenig mit Marx zu tun hatten.

Die linke Utopie ist kein Modell für einen linken Staat.

Nach jeder geglückten linken Revolution, setzt sich jedesmal der Rechteste durch.

Trotzki bleibt zwar der ewige Held, am Ende gewinnt jedoch immer ein Stalin.

Die linke Utopie würde letztlich nur durch Schaffung eines neuen Menschen funktionieren.

Solange man diesen nicht herzustellen vermag, wird jedes linke Experiment immer gleich enden.

In dieser Schwäche liegt jedoch auch die große Stärke:

Da sich die linke Utopie nie verwirklichen wird, wird sich die linke Utopie auch nie an der Realität messen müssen, egal wie oft das Experiment noch scheitern wird.

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18 Antworten to “Linke Utopie und rechte Realität”

  1. Karl Says:

    auch Trotzki hatte genug Morde auf dem Kerbholz

  2. American Viewer Says:

    Doch sobald sich der reale Sozialismus entfaltete, wandte man sich angewidert ab.

    Das trifft auf ganz viele Linke zu, dass stimmt. Dieser Typus von Linken verherrlicht dann Revolutionäre wie Trotzki, Luxemburg, Allende oder Che als ideale Sozialisten. Man kann aber getrost davon ausgehen, dass diese Leute nicht besser waren als ein Castro, ein Honecker oder ein Stalin. Karl merkt das ja richtigerweise an. Der wesentliche Unterschied ist schlichtweg der frühe gewaltsame Tod dieser Leute. So wird man zum idealisierten Märtyrer.

    Und dann gibt es natürlich noch den anderen Typus von Linken, der mindestens genauso häufig vorkommt. Diese Leute standen durchaus voll hinter DDR, UdSSR oder Kuba. Die SED konnte sich doch gar nicht retten vor Linken, die bereit waren für die DDR zu arbeiten. Da kratzen die Historiker bisher nur an Oberfläche, aber selbst das was man weiß ist erschreckend. Aktuelle Beispiele sind Klarsfeld und Wallraff. Sartre hatten wir auch schon. Bloch wäre auch so ein Fall. Die Liste ist endlos.

    Oder Jean Ziegler. Lebt der eigentlich noch? Man hört ja gar nichts mehr von ihm. War er mit Gaddafi im Abwasserkanal und findet den Ausgang nicht mehr oder was ist los?

    Andersherum ist es schwer. Mich würden mal linke Intellektuelle interessieren, die zwischen 1945-1989, die DDR massiv angegangen sind.

    Welcher berühmte Linke hatte „Nieder mit der DDR“ als Lebensziel? Die Zahl wird gegen null tendieren. Der Linke damals wie heute schreit nicht „Nieder mit Kuba, nieder mit Nordkorea, nieder mit dem Iran“, sondern „Nieder mit Israel!“

    • blub Says:

      DDR: Wolf Biermann war zuerst begeisterter Linker und war bei den Jungen Pionieren, hat sich aber später ziemlichen Ärger mit der DDR eingehandelt.
      USA: Linke wie z.B. Max Eastman, Jay Lovestone waren zuerst Kommunisten, Sozialisten oder Gewerkschafter und haben sich später abgewandt. Im Grunde sind dies die späteren bzw. Vorläufer der Neocons.

  3. American Viewer Says:

    Ich sollte nicht so über Ziegler ablästern. Er hat zum ersten Mal (?) in seinem Leben seine Ratio entdeckt:

    http://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/jean-ziegler-wir-sollten-christoph-blocher-dankbar-sein-124177196

    So kann man sich auch wieder beim Publikum einschleimen. Dialektik ist schon was feines. Immer für eine Wendung gut.

  4. Willi Says:

    Nehmen wir mal an, Stalin hat einen Fehler gemacht, nämlich, dass auch er der Anerkennung des Staates Israel zugestimmt hat. Damit begann der Landraub an dem palästinensischen Volk.
    Würde es nun zu einer Ein Staaten Lösung (Palästina) kommen,
    hätten wir auch nicht mehr das Problem mit den Antideutschen
    und anderen Pseudolinken Bellizisten der Israel Lobby.
    Darf mensch darüber nachdenken oder ist er dann auch schon
    ein Antisemit ?

  5. aron2201sperber Says:

    @Willi

    dass dir bei Stalin, der mehrere Millionen Kulaken ermorden ließ, die Anerkennung Israels als erster Fehler einfällt, deutet tatsächlich stark auf deinen Antisemitismus hin.

    vielleicht kein altmodischer, aber ein moderner:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/04/19/das-wesen-des-modernen-antisemitismus/

  6. aron2201sperber Says:

    @American Viewer

    Und dann gibt es natürlich noch den anderen Typus von Linken, der mindestens genauso häufig vorkommt. Diese Leute standen durchaus voll hinter DDR, UdSSR oder Kuba. Die SED konnte sich doch gar nicht retten vor Linken, die bereit waren für die DDR zu arbeiten. Da kratzen die Historiker bisher nur an Oberfläche, aber selbst das was man weiß ist erschreckend. Aktuelle Beispiele sind Klarsfeld und Wallraff. Sartre hatten wir auch schon. Bloch wäre auch so ein Fall. Die Liste ist endlos.

    viele haben sich zwar von der DDR bezahlen lassen:

    So macht Kommunismus Spass. Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret

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    von denen hätte jedoch wohl kaum jemand freiwillig in der DDR gelebt

    • American Viewer Says:

      Das stimmt. Oder man verlies die DDR eines schönen Tages. Das war recht einfach, denn im Gegensatz zu Otto Normalbürger, durfte die Intelligenzija in den Westen reisen. Und nach dem Tod bekam man dann von den 68er-Studenten einen gigantischen Fackelzug. Oh the irony.

  7. shaze86 Says:

    Ich finde den Artikel interessant, aber es gibt auch genügend Rechtsextreme-Utopien. Mein Eindruck ist eher, dass sich in Deutschland die Realo-Sozis durchsetzen

  8. aron2201sperber Says:

    @shaze86

    du hast natürlich recht, dass man auch innerhalb des Systems viel Schaden anrichten kann.

    der sozialdemokratische Wolfahrtsstaat wirkt leider wie ein Magnet für eine Zuwanderung, von der Europa leider kaum profitieren wird:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/04/24/amnesty-international-londonistan/

  9. Stoff für’s Hirn « abseits vom mainstream – heplev Says:

    [...] Aaron Sperber hat etwas zu Linken (allgemein) geschrieben, das erklären könnte, wieso die Linken [...]

  10. Tourix Says:

    Vor einigen Jahren hatte ich eine ausgiebige Diskussion mit einem Kommunisten.
    Seine Ansichten waren ja alle recht Menschenfreundlich, aber eben nur so lange es auf dem Papier steht.
    Immerhin waren wir uns über die menschlichen Schwächen, wie Faulheit und Egoismus einig.
    Er war der Meinung, dass das man durch irgendein System der Belohnung egalisieren könne.
    Meine Antwort war: warum nicht durch Geld ? (Genau das wollte er abschaffen)

  11. dieter Says:

    Trotzki war Stalin zu radikal und links. Der linke Trotzki zählte auch das “mittlere Bauerntum” zum Klassenfeind. Der rechte Buchharin zählte hingegen die gesamte Landbevölkerung, inkl. Kulaken zum Proletariat und wollte die Bauernschaft in Ruhe lassen und die Lenin’sche NEP-Politik fortführen. (NEP = Staat kontrolliert Industrie, Landwirtschaft ist frei)

    Trotzki forderte auch eine permanente Revolution. Er wäre noch brutaler als Stalin gewesen.

    Ich teile also nicht die Auffassung, dass sich immer der rechteste durchsetzt und das das Problem an der linken Utopie ist, dass sie ihre Umsetzung rechts ist.

    Sehr lesenswert ist diesbezüglich Stalins Rede zur rechten Abweichung Buchharins auf Seiten 44ff, Band 12 der gesammelten Werke Stalins:

    http://www.marx2mao.com/PDFs/StWorks12.pdf

    In dieser Rede kontrastiert er sowohl die linke Abweichung Trotzkis als auch die rechte Abweichung Buchharins.

    Stalin ist ein Linker und spricht auch genau so wie ein Linker. Für ihn waren die Kulaken Ausbeuter, die der Heilsversprechung der gleichen Gesellschaft im Wege standen und von denen er die restlichen Bauern befreien wollte.

    Stalin war kein verkappter Rechter, sondern ein konsequenter Linker.

    ***
    In der DDR gab es übrigens Gastarbeiter. Diese durften ihre Familie aber nicht mitnehmen, mussten nach drei Jahren das Land verlassen. Sie durften ihre Wohn- und Arbeitsstätten nicht ohne Genehmigung verlassen und durften keine deutsche Frau heiraten.

    • besucher Says:

      Mit dem Prinzip der permanenten Revolution kann man keinen Staat führen. Stalin erkannte das und widmete sich eher der Realpolitik nachdem er seine Macht gefestigt hatte.

      “…durften keine deutsche Frau heiraten.”

      So etwas findet man glaube ich heute nur noch bei der NPD. Ergo war die DDR die Fortführung des Dritten Reiches :-)

      • dieter Says:

        Stalin hat sein ganzes Leben Revolution geführt. 25 Jahre setzte er an der Spitze des Staates den von Trotzki geforderten roten Terror durch. Je näher man an Stalin dran war, desto höher die Wahrscheinlichkeit, ermordet zu werden.
        Noch nie zuvor konnte eine Person soviel Macht auf sich konzentrieren. Hitler war lange nicht so mächtig.
        Wenn das 25 Jahre lang geht, warum nicht auch 50, 100 oder mehr Jahre? In Nordkorea klappt es ja auch. Und nach Stalin ging es ja mit dem Kommunismus bergab und Liberalismus machte sich breit. Trotzkis Vorstellung ist also alles andere als abwegig.

        ***
        Die DDR betrieb auch eugenische Bevölkerungspolitik. (Hitler hingegen verheizte die besten Männer an der Front)
        Der Vergleich der DDR mit dem Nationalsozialismus ist gar nicht so unangebracht. Vom Begriff her müsste man die DDR als nationalsozialistisch bezeichnen.

        Für das dritte Reich könnte man treffendere Begriffe finden. z.B. Rassenimperialismus.

  12. aron2201sperber Says:

    @Dieter

    ein Tipp für dich:

    http://bluthilde.wordpress.com/

    Satire für Kommunismus-Kenner ;)

  13. Augsteins feministisch-islamischer Zukunftstraum « Aron Sperber Says:

    [...] kann nur ein Mann glauben, der auch daran glaubt, dass der Sozialismus beim nächsten Versuch ganz anders sein [...]

  14. Besserwessi Augstein | Aron Sperber Says:

    […] vorhalten lassen, Linksradikale schaffen es hingegen, sich vom realen Sozialismus erfolgreich abzugrenzen und ihre Utopie als etwas völlig Anderes als alle bisher verwirklichten sozialistischen […]

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