Posts Tagged ‘Peter Scholl-Latour’

Peterles Welterklärungen

August 20, 2013

Aber was wurde konkret gegenüber Russland falsch gemacht?

Peter Scholl-Latour: Putin wollte ursprünglich doch auch die Öffnung nach Westen. Als KGB-Mann hatte er in Deutschland gelebt. Er ist sicher kein Demokrat westlichen Typus, aus der historischen Perspektive Russlands, gemessen an anderen russischen Staatsoberhäuptern, ist er jedoch ein Westler – wohlgemerkt im russischen Sinne. Aber durch die NATO-Osterweiterung, die allen Abkommen nach dem Ende des Kalten Krieges widersprachen, die Russland fast auf die Grenzen von Brest-Litowsk wie nach dem 1. Weltkrieg zurückwarfen, durch das Zurückstoßen Russlands in den Osten, kam es zu einer Abkehr in der politischen Strategie Moskaus.

(Telepolis)

Stalin war wohl auch ein Westler, weil er sich gern Westberlin einverleibt hätte.

Wohlgemerkt im sowjetischen Sinne.

Machen wir einen Sprung nach Ägypten. Der demokratisch gewählte Präsident Mursi wird vom Militär gestürzt, die Reaktionen des Westens reichen von Lippenbekenntnissen bis hin zur klammheimlichen Freude. Bedeutet das vielleicht das Ende des von Ihnen kritisierten Stimmzettelfetischismus, also der Forderung nach demokratischen Prozeduren?

Peter Scholl-Latour: Nein, das denke ich nicht. Das ganze Szenario erinnert an Algerien, zu Beginn der 1990er Jahre, als das Militär mit heimlicher Billigung des Westens die demokratisch gewählte islamistische Regierung stürzte, was zu einem blutigen Bürgerkrieg dort führte. Man hat natürlich nichts daraus gelernt.

Stimmzettelfetischismus wird vom großen Diktaturversteher abgelehnt.

Außer er dient dazu, kernigen Islamisten zur Macht zu verhelfen, die genügend Motivation für den Krieg gegen den heuchlerischen Westen aufbringen.

Die Forderungen des Westens nach Demokratie werden ja immer höchst selektiv vorgetragen. Gegenüber Saudi-Arabien hört man so etwas ja nie oder selten, dabei wird in Saudi-Arabien die strengste islamische Ausrichtung praktiziert. Im Westen wird der Iran immer als Schurkenstaat Nummer 1 dargestellt, dabei stört sich aber niemand daran, dass christlichen Priestern in Saudi-Arabien die Verhaftung droht, dass dort arbeitende Christen keine Messen abhalten dürfen, dass Juden dorthin die Einreise verweigert wird. Zum Dank liefern wird unsere Panzer dorthin, mit denen dann die Demokratiebewegung in Bahrain, wie auch im eigenen Land in Schach gehalten werden kann. Von anderen Beispielen, Libyen etc., ganz zu schweigen.

Saudi-Bashing und Mullah-Verharmlosung dürfen natürlich auch nicht fehlen, auch wenn ein Sturz der Saudis wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Machtübernahme der Salafisten führen würde, während ein Sturz der Mullahs dem Iran zu einer funktionierenden Demokratie verhelfen könnte.

Kairo schlimmer als Peking?

August 16, 2013

Der Nahost-Experte Peter Scholl-Latour fühlt sich durch die Bürgerkriegs-Bilder aus Ägypten „an die Niederschlagung der Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking” erinnert. „Was im Moment in Kairo geschieht, ist noch sehr viel schlimmer“, sagte Scholl-Latour unserer Berliner Redaktion.

Ich habe noch nie etwas davon gelesen, dass Peter Scholl-Latour das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens besonders beklagt hätte, zumal er Demokratie ohnehin nur für einen westlichen Zirkus hält, der nicht nach Asien oder Afrika passe.

Also verwundert es auch nicht, dass er das Vorgehen gegen die ägyptischen Islamisten als viel schlimmer bezeichnet als jenes gegen die chinesischen Demokraten.

Vom Ende des Arabischen Frühlings zu sprechen, sei für ihn ein völlig falsches Bild. „Von einem Arabischen Frühling haben nur Dummköpfe geredet. Den hat es nie gegeben“, sagte er. „Das war nur Wunschdenken.“ Jetzt sehe er Ägypten auf dem Weg zurück in die Militär-Diktatur. „Darauf läuft es hinaus.“

Ob er die Militärdiktatur nun gut oder schlecht findet, verrät uns der große Welterklärer allerdings nicht.

Dass er die Bejubler des Arabischen Frühlings für Dummköpfe hält, hindert ihn nicht daran, regelmäßig auf ihren Konferenzen aufzutreten.

Peter Scholl-Latours jüdisches Geheimnis

Oktober 30, 2012

Als ich mich in einem Beitrag darüber wunderte, dass Peter Scholl-Latour sich laut seiner Biographie zunächst den Tito-Partisanen anschließen wollte, jedoch nach seiner Gestapo-Haft sofort aufbrach, um Titos Genossen in Vietnam zu bekämpfen, wurde ich von einem seiner “Freunde” darauf hingewiesen, dass Peter Scholl-Latour in Wahrheit jüdischer Herkunft sei.

Mittlerweile kann man jenes Geheimnis ganz offen (wenn auch ohne Quellenangabe) auf Wikipedia nachlesen:

Peter Scholl-Latour ist Sohn des im Saarland geborenen und in Lothringen aufgewachsenen Arztes Otto Scholl-Latour und einer elsässischen Mutter. 1936 schickten seine Eltern den katholisch getauften Knaben aufgrund ihrer Schwierigkeiten mit den Nationalsozialisten (jüdische Herkunft) auf das Jesuitenkolleg Sankt Michael im schweizerischen Freiburg, denn er galt im Sinne der sogenannten Nürnberger Rassegesetze als „Mischling 1. Grades“. Nachdem den Eltern weitere Geldüberweisungen in die Schweiz untersagt waren, musste er das Kolleg 1940 verlassen und nach Deutschland zurückkehren. Auf dem Wilhelmsgymnasium in Kassel legte Scholl-Latour 1943 die Abiturprüfung ab.

Sollte diese – in seiner Autobiographie “Mein Leben mit Frankreich” unerwähnte – Familiengeschichte der Wahrheit entsprechen, macht sie Peter Scholl-Latours Lebenswerk noch absurder.

Er hätte ein Regime, das ihn diskriminierte und dazu zwang, seine Herkunft zu verschleiern, überlebt, nur um weiter seine Herkunft zu verschleiern…

…und dabei auch noch als größter deutscher Fürsprecher einer neuen Ideologie aufzutreten, unter deren Herrschaft Juden wieder nur (im besten Fall) als Dhimmis überleben könnten.

Gleiche Ansichten, unterschiedliche Bühnen

Oktober 26, 2012

Jürgen Elsässer hat eine durchwachsene politische Biographie. Er fing einmal ganz links an und wanderte dann immer weiter nach rechts. Der Publizist Henryk M. Broder drückt es so aus: „Ist er ein nationaler Bolschewik, oder ein linker Nationalsozialist?“ Elsässer gilt als „Erfinder“ der “antideutschen” Bewegung.  So schrieb er unter anderem für die Konkret, die Jungle World und die Zeitschrift Bahamas, die als radikalste antideutsche Publikation gilt.

Bislang aber wiesen Scholl-Latours öffentlich geäußerte (außenpolitische) Positionen, verglichen mit denen Elsässers, immerhin ein gewisses Maß an Rationalität auf. Die Teilnahme an der Compact-Konferenz könnte ein Indikator dafür sein, dass sich der Wind gedreht hat.

(Ruhrbarone)

Peter Scholl-Latours Biographie ist auch nicht ganz frei von Seltsamkeiten.

Im Grunde decken sich seine Ansichten schon lange weitgehend mit Elsässers Ansichten.

Seine Äußerungen fallen nur deswegen “rationaler” aus, weil er nicht seine Rolle als Deutschlands größter Welterklärer verlieren will. Auch Elsässer wäre für einen Auftritt bei Maischberger zu taktischen Entschuldigungen und sogar zur Selbstzensur bereit.

(more…)

Größter Welterklärer aller Zeiten

April 13, 2012

Deutschlands größter Welterklärer aller Zeiten bezweifelte gestern bei Maybritt Illner die Zahl von 10.000 Opfern durch das Assad-Regime:

http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2012/04/12/peter-scholl-latour-haut-es-raus/

Stattdessen prophezeite er für den Fall des Sturzes der Assad-Regierung mindestens 100.000 Tote durch einen Bürgerkrieg.

Die Todesopfer bei Gaddafis Sturz bezifferte er wiederum mit 80.000.

Estimates of deaths in the Libyan civil war vary with figures from 2,000 to 30,000 given between March 2 and September 8. An exact figure is hard to ascertain, partly due to a media clamp-down by the Libyan government. Some conservative estimates have been released. Some of the killing “may amount to crimes against humanity” according to the United Nations Security Council and as of March 2011, is under investigation by the International Criminal Court.

http://en.wikipedia.org/wiki/Casualties_of_the_Libyan_civil_war

Der deutsche GröWaZ steht dem deutschen GröDaZ bei der Verbreitung falscher Tatsachen um nichts nach.

Nur bei ihren eigenen Lebensläufen waren die beiden großen Wortführer nicht so erklärungsfreudig:

http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/06/17/keiner-auser-ihm-weis-wie-es-dazu-kam/

Mythenpfege bei Maybritt

April 12, 2012

In der Sendung wurde viel darüber spekuliert, von wem sich der Iran in Wahrheit bedroht fühle – und warum er deshalb ein Recht hätte, sich aufzurüsten.

Scholl-Latour lieferte seine üblichen Plattitüden über die historisch belegte Friedfertigkeit des Irans ab, der in Wahrheit von den Saudis bedroht werde.

Eine Augstein versuchte auch historisch zu argumentieren, indem sie auf die westliche Aufrüstung Saddams im ersten Golfkrieg hinwies.

Dass Saddam bei seinem Angriff auf den Iran seine Waffen und Befehle von den USA erhalten habe, ist eben ein besonders populärer Mythos, auch wenn es nicht besonders kompliziert wäre, sich über die Fakten zu informieren:

http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Golfkrieg

Da auch eine Exil-Iranerin geladen war, durfte auch nicht der Mossadegh-Mythos fehlen, der besagt, dass die iranische Demokratie 1953 durch einen “Umsturz von Außen” für immer und ewig verpfuscht worden sei:

http://aron2201sperber.wordpress.com/2008/11/30/parallellen-zum-sturz-mossadeghs/

Es mag schon sein, dass es dem Iran in Wahrheit nicht um Israel gehe, sondern um die Vorherrschaft in der Region.

Tatsächlich ist es aber so, dass der Iran die Vorherrschaft in der islamischen Welt zu erlangen versucht, in dem er sich als besonders fanatischer Feind Israels gebärdet.

Aus welcher Motivation der Iran sich aufrüstet und Israel bedroht, ist eine Frage, die für uns in Europa Stoff für anregende Gespräche bergen mag.

Die unmittelbar Bedrohten können es sich leider nicht ewig leisten, das Ende dieser hochinteressanten Diskussion abzuwarten.

Warum tötest Du nicht mehr, Zaid?

März 8, 2010

Das macht Deinen Onkel Jürgen sehr traurig.

…und auch der Peter-Opa ist bestimmt sehr enttäuscht über Deinen Verrat an Stammes- und Glaubenstreue, die Du gegen den westlich-dekadenten “Demokratie-Zirkus” eingetauscht hast.

Die Rückkehr der “Realpolitik”

August 25, 2009

Der große Welterklärer Peter Scholl-Latour fordert wieder einmal eine Rückkehr zur “Realpolitik” ein, nachdem die naiven Neocons mit ihrem “Demokratie-Zirkus” gescheitert seien.

Hält man seiner Forderung nach einem Abzug aus Afghanistan das Argument entgegen, dass die Al Qaida und die Taliban dann wieder ihre Terror- und Unterdrückungs-Basis erhielten, werden einem vom großen Welterklärer folgende Fragen (die er auch gleich selbst beantwortet) im empörten Ton entgegengeschleudert:

“Wer hat denn die Al Qaida erschaffen? Die Amerikaner, um die Sowjets im Afghanistankrieg zu bekämpfen.”

“Wer hat denn die Taliban erschaffen? Die Amerikaner, um den afghanischen Bürgerkrieg zu beenden.”

Weder Al Qaida noch die Taliban waren jedoch in irgendwelchen neokonservativen amerikanischen Labors gezüchtet worden, sondern die USA (zunächst die Carter-Administration und später die Clinton-Administration) hatte – den Weg des geringsten Widerstands suchend –  in idealtypisch “realpolitischer” Manier das genommen, was gerade zur Verfügung stand, um ihre Ziele zu erreichen, ohne dabei einen einzigen Soldaten opfern zu müssen. (man hatte aus Vietnam die “richtigen” Lehren gezogen)

Was könnte man besser als „Realpolitik” bezeichnen als diese indirekte Bekämpfung des sowjetischen Feinds durch die Unterstützung irgendwelcher dubioser Gruppierungen vor Ort (aus denen später tatsächlich die Al Qaida und die Taliban hervorwuchsen)

Carters Berater Zbigniew Brzezinski, heute im Obama-Team, ist immer noch mächtig stolz auf seine schlaue Politik von damals.

Wenn man seiner Narrative folgt, nach der durch seine genialen Pläne der Sturz des Kommunismus eingeleitet worden sein soll, erscheinen andere “realpolitische” Meisterzüge wie die Operation Ajax, die angeblich nur eine läppische Million Dollar  gekostet haben soll, oder Kissingers Unterstützung von Pinnochets Putsch gegen Allende als kleine Würfe.

pinnochet

Bushs und Blairs hehre “neokonservative” Ziele, den “edlen Wilden”, die “westliche Demokratie” aufzuzwingen, mögen naiv gewesen sein – die „realpolitische” taktische Unterstützung der Mudschaheddin, aus denen später die Al Qaida hervorging (um ohne eigenes Blutvergießen die UdSSR zu bekämpfen) u. Taliban (um ohne eigenes Blutvergießen den Bürgerkrieg zu beenden) fallen jedoch eindeutig unter die Carter bzw. Clinton Ära.

Werden die USA unter Obama abziehen und das Feld den „gemäßigten Taliban” überlassen, wird natürlich auch nicht er schuld an ihrer wohl darauffolgenden Schreckensherrschaft sein, sondern der naive Bush und die verschlagenen Neocons bzw deren zukünftige Nachfolger.

Pressefreiheit auch für miesen Journalismus

August 24, 2009

Der Artikel im schwedischen Boulevard-Blatt “Aftonbladet” ist exemplarisch für miesen, unfundierten Tratsch-Journalismus. Pressefreiheit beinhaltet jedoch auch schlechten Journalismus (wie in der genannten Zeitung) – sei er von bösen, reichen, einflußreichen Finsterlingen wie Dichand, Murdoch oder Berlusconi gesteuert oder von den elitären Qualitätsmedien wie ORF, BBC oder NY Times produziert.

Pressefreiheit hat nichts mit gutem oder schlechtem Journalimus zu tun, sondern damit, ob der Staat freie Meinungsäußerung zuläßt oder nicht (siehe Iran, Kuba, China und sämtliche arabische Staaten)

Vom schwedischen Staat eine Verurteilung des Artikels zu fordern, zeugt daher von einem falschen Verständnis von demokratischen Grundrechten. Es  ist nicht die Pflicht des schwedischen Staates, sich für einen miesen Journalisten zu entschuldigen, solange dieser im Rahmen der schwedischen Gesetze sein Recht auf Meinungsfreiheit ausübt.

Ausgerechnet die Israelis sollten es besser wissen – und das hat nicht das geringste mit den von deutschen Israelkritikern gern eingemahnten “Lehren des Holocausts” zu tun – sondern mit der eigenen demokratischen Geschichte, in der Israel trotz Krieg und Existenzbedrohung bis jetzt ein Verfassungsstaat mit Grundrechten wie dem Recht auf Meinungsfreiheit geblieben ist.

Nirgendwo wird Israel schärfer kritisiert als in den eigenen Medien wie der Haaretz – oft auch auf  journalistisch unseriöse und sehr schädliche Art und Weise. Trotzdem sollte jedem vernünftigen Israeli klar sein, dass ein Verbot der Haaretz eine Demontage des demokratischen Verfassungsstaats Israel bedeuten würde.

Würde sich Israel vom demokratischen Verfassungsstaat verabschieden, würden Relativisten wie Peter Scholl-Latour, die “Freedom and Democracy” als westliche Illusion, die sich nicht mit der Mentalität der “edlen, wilden Orientalen” verträgt, betrachten, am Ende doch Recht behalten.

Folgerichtig hat Peter Scholl-Latour in einer TV-Diskussion auch seine eindeutigen Präferenzen für den schneidigen Netanyahu im Gegensatz zum schwächlichen Olmert bekundet. Sowie der “Große Welterklärer”  leider jeden Hardliner anfeuert, der seinen Prophezeihungen von der “Untauglichkeit der westlichen Demokratie” zur Erfüllung verhelfen könnte.

“Keiner außer ihm weiß, wie es dazu kam”

Juni 17, 2009

INDO

Aus dem Traum erwacht, wurde er 1943 Soldat, zuerst Fallschirmjäger der Wehrmacht, nach dem 8. Mai 1945 des französischen Expedi­tions­korps für Indo­china, dem Commando Parachutiste Ponchardier. Keiner außer ihm weiß so genau, wie es dazu kam. Stand er wie viele seiner Kameraden vor der Al­ternative, einem schlimmen Schicksal nur durch den Kriegsdienst für Frankreich zu entgehen? Oder bewog ihn Leichtsinn, wie er sagt?

(Günther Deschner – Junge Freiheit)

Wie passt es zusammen, dass sich Peter Scholl-Latour zunächst den kommunistischen Tito-Partisanen anschließen wollte,  jedoch nach 3 Monaten Gestapo-Haft erneut einer Truppe beitrat, die als Sammelbecken für ehemalige Nazi-Kämpfer galt, um Titos vietnamesische Genossen zu bekämpfen?

Als man in Frankreich fast sofort nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bemerkte, dass ein Krieg um den Besitz von Indochina nicht zu vermeiden wäre, wurde die Fremdenlegion dabei entscheidend mit in die Planung einbezogen. Das Problem war nur, dass ihr Bestand inzwischen katastrophale Tiefstände erreicht hatte. Dazu kam, dass viele Legionäre ihre Dienstzeit längst überschritten hatten und bei Kriegsende entlassen werden mussten. Was lag also näher, als unter den hunderttausenden von Kriegsgefangenen zu rekrutieren, die sich in den Händen der Alliierten befanden. Mit den ersten Werbungen wurde bereits Anfang 1944 in Nordafrika begonnen – zuerst nur unter Italienern und Österreichern, zwischen die sich sicher auch einige Deutsche geschmuggelt haben werden, um dem Elend der Lager zu entkommen. Nach und nach wurden dann wieder Werbebüros in Frankreich eröffnet und dann der deutschen Kapitulation auch in den französischen Besatzungszonen in Deutschland und Österreich.

Potentielle Freiwillige gab es genug. Europa war voll von DPs (Displaced Persons) – Flüchtlingen, ehemaligen Kriegsgefangenen und Soldaten, Nazi-Kollaborateuren und Zwangsarbeitern, von denen viele nicht in ihre Heimat zurück konnten oder wollten. Es scheint so, dass sich zumindest unter der ersten Welle eine größere Anzahl von SS-Männern befand, denn es ist mehrfach von Narben an der Stelle der Blutgruppen-Tätowierung die Rede. Allerdings bemühte sich die Legion relativ bald darum, ehemalige Angehörige von SS, Gestapo  und SD auszusondern und abzulehnen. Das war allein schon deshalb nötig, da sich die Zeitungen, vor allem natürlich die französischen, mit Vorliebe auf dieses Thema stürzten. Die Ablehnung beschränkte sich aber vorwiegend auf Deutsche und so fanden nicht wenige europäische Freiwillige der Waffen-SS einer sicheren Unterschlupf in der Fremdenlegion. Besonders beliebt war dieser Ausweg bei französischen Nazi-Kollaborateuren, die gleich nach Kriegsende über 50% der Rekruten stellten.

(Kriegsreisende.de)

Die Angehörigen der Fremdenlegion 1945 waren zu 2/3 Drittel Deutsche. 1946 wurde der Anteil der Deutschen in der Legion auf 25 % begrenzt. Die meisten kamen aus der französischen Kriegsgefangenschaft, mit wenig Verpflegung und schlechter medizinischer Versorgung. Da hatten es die Werber sehr leicht, besonders bei ehemaligen Angehörigen der Waffen SS, da diese Entnazifizierungsüberprüfungen in Deutschland vermeiden wollten. Dennoch waren 55 Prozent aller 19 000 im Indochinakrieg eingesetzten Fremdenlegionäre deutscher Abstammung, Anteile gingen bis zu 80 Prozent.

So hatten viele dieser neuen Legionäre gegen die Russen und somit Kommunisten gekämpft und dachten nun diesen Kampf gegen die vietnamesischen und chinesischen Kommunisten fortzusetzen.

(newsatelier.de)


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