Posts Tagged ‘Ustica’

Spiegel missbraucht Bellingcats Reputation

Januar 13, 2015

Ein Team von Spiegel, Algemeen Dagblad und Correctiv hat mit Unterstützung der internationalen Investigativplattform Bellingcat nach den Schuldigen für den Abschuss von Flug MH17 am 17. Juli über der Ukraine gesucht. Diese Investigativjournalisten und Rechercheure kommen zu dem Schluss, dass womöglich beide Seiten, also Russen und Amerikaner, die die Ukrainer decken, ein Interesse daran haben könnten, “die Geschichte von MH17 nicht zu Ende zu erzählen”.

Die Rechercheure schließen aus, dass die Boeing 777 von einer Luft-Luft-Rakete abgeschossen wurde, denn da hätte es weniger Einschusslöcher gegeben.

Was sie nicht ausschließen ist jedoch, dass sich ein ukrainischer Kampfjet in der Nähe der Maschine, vermutlich sogar unterhalb der Malaysian Airlines versteckt haben könnte. Dann hätten die Ukrainer die Passagiere eines zivilen Flugzeugs quasi zu Geiseln gemacht.

(Kurier)

Was für eine komplett an den Haaren herbeigezogene Geschichte, bei der Bellingcats gute Reputation vom Spiegel schamlos missbraucht wird.

Dass sich ein ukrainischer Jet hinter dem Passagierflugzeug versteckt hätte, wurde vom russischen Verteidigungsministerium bereits im August 2014 behauptet:

“Where is the transcript of the recordings of conversations between the pilot of this plane and his command? How did a military aircraft come to be alongside a civilian one?

“If people are saying today that a rocket was fired from the ground towards that military plane, then I’d like to look that military pilot in the eye who used a civilian plane as cover, if of course that’s what happened,” Antonov said.

Was Bellingcat von jener These der “Geiselnahme durch die Ukrainer” tatsächlich hält, kann man bei Bellingcat nachlesen:

Now, instead of a jet appearing in front of MH17 it’s appearing alongside it, maybe even using it as cover from a surfaced launched missile. This would be an impressive feat of piloting considering the speed and flight ceiling of a SU-25 are both much lower than that of MH17

(Bellingcat)

Dass sich Militärjets hinter Passagierflugzeugen verstecken können, die dann statt ihnen abgeschossen werden, ist eine faszinierende Theorie.

Über ein derartiges Szenario wurde nach dem Absturz einer italienischen Passagiermaschine vor Sizilien jahrzehntelang spekuliert.

In der Realität dürfte ein derartiges Manöver wohl trotzdem noch nie stattgefunden haben.

Schützt Putin die ukrainischen Schützen?

November 12, 2014

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bestätigte zu RIA Novosti, dass das Thema der Flugzeugkatastrophe die kurze Unterredung Putins mit Abbott dominiert habe. „Abbott sprach über Angaben verschiedener Herkunft, die der australischen Seite zur Verfügung stehen. Putin sagte daraufhin, dass die russische Seite all ihre Angaben schon bereit gestellt habe und darauf hoffe, dass auch die anderen Angaben, von denen viele sprechen, publik gemacht werden.“

(RIA Novosti)

Obwohl der Abschuss wenige Kilometer von der russischen Grenze erfolgte, konnte Russland keine Beweise für die von russischen Medien (und deren westlichen Nachplapperern) behauptete These eines “Abschusses durch einen ukrainischen Kampf-Jet” vorlegen.

Als 1980 ein italienisches Flugzeug im Mittelmeer abstürzte, fand man in den Radaraufzeichnungen ebenfalls keinen Hinweis auf einen Abschuss durch ein anderes Flugzeug.

Die These eines Nato-Abschusses war jedoch so populär, dass man der eigenen Luftwaffe unterstellte, alle Beweismittel manipuliert zu haben, zumal sie mit den Nato-Tätern unter einer Decke gesteckt habe.

Jahrzehntelang prozessierte man gegen die Generäle der “Aeronautica Militare”, ohne Hinweise für die angebliche Vertuschung zu finden.

Am Ende wurde jedoch in einem absurden Zivilprozess die Luftkampf-These abgesegnet, und Italien zu Milliardenzahlungen wegen der “Nichtverhinderung” des angeblichen Luftkampfes verurteilt.

Nach der italienischen Logik müsste Putin mit den ukrainischen Tätern ebenfalls unter einer Decke stecken, zumal er keine Radaraufzeichnungen für die in seinen eigenen Medien vertretene These vorlegen konnte.

Obwohl Ustica fest zum Repertoire eines jeden gestandenen Verschwörungstheoretikers gehört, und gleichzeitig die russische Theorie begeistert nachgeplappert wird, ist noch niemand der Verschwörungsexperten auf die Idee gekommen, die Schlussfolgerungen aus den eigenen Theorien zu ziehen.

Wäre der Absturz in der Nähe eines Nato-Landes erfolgt, wäre es natürlich etwas völlig Anderes:

Dann wäre es völlig klar, dass das Fehlen von Radar-Beweisen für einen Nato-Abschuss “wie bei Ustica” nur an der Vertuschung durch die Nato liegen könne.

Der Opferausbeuter braucht keine Beweise

September 22, 2014

Berlin – Zwei Monate nach dem Absturz des Fluges MH17 planen die Familien der deutschen Opfer, vor Gericht zu ziehen. Die Hinterbliebenen wollen den ukrainischen Staat in den kommenden zwei Wochen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagen, sagte der Rechtsanwalt und Professor für Luftfahrtrecht, Elmar Giemulla, in der “Bild am Sonntag”. Als Vertreter von drei der vier deutschen Opferfamilien wolle er außerdem Schmerzensgeldforderungen von je mindestens einer Million Euro stellen.

(Spiegel)

Für eine Klage gegen Russland “fehlen noch die Beweise”, bei der Ukraine braucht der feine “Opfer-Anwalt” keine, da sie für ihren Luftraum verantwortlich sei und sich daher auf jeden Fall der “Unterlassung” schuldig gemacht habe.

Nach derselben Logik müsste man den Staat auch verklagen können, wenn ein Raser auf der Autobahn einen Unfall verursacht hat, da der Staat die Kontrolle über die Autobahnen hat (wenn nicht müsste er sie sofort zusperren).

(more…)

MH17 absichtlich abgeschossen?

September 21, 2014

Versehentliche Abschüsse von Passagiermaschinen sind immer wieder vorgekommen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Korean-Air-Lines-Flug_007

http://de.wikipedia.org/wiki/Iran-Air-Flug_655

Im Gegensatz zu den Russen stritten die Amerikaner ihre Tat nicht feige ab.

Absichtliche Abschüsse hätte sich jedoch nicht einmal ein Gaddafi leisten können, da es klar gewesen wäre, dass seine Piloten wohl kaum ohne seinen Befehl gehandelt hätten.

Deswegen war selbst ein Gaddafi auf eingeschmuggelte Bomben angewiesen, wenn er ein Flugzeug abstürzen lassen wollte.

Putin ist wohl ein ziemlich ausgekochter Typ – trotzdem würde ihm niemand zutrauen, absichtlich eine Passagiermaschine abgeschossen zu haben.

Den biederen Ukrainern und ihren biederen Verbündeten wie Mutti-Merkel oder Peace-Obama traut man es hingegen zu.

In fast allen Bereichen war der Ostblock der freien Welt unterlegen.

Bei der Desinformation konnte man jedoch stets große Erfolge feiern.

So konnte die Verantwortung für die Spannung, die durch linke Terrororganisationen in der freien Welt geschürt wurde, erfolgreich dem Westen zugeschoben werden.

Die Ermordung eines amerikanischen Präsidenten durch einen Kommunisten konnte mit Hilfe eines nützlichen Idioten aus Hollywood ebenfalls zu einem rechten Komplott umgedeutet werden.

Die Desinformation hat den Untergang des Kommunismus unbeschadet überstanden.

Die vielen 9/11-Truther zeigen, dass das Urteilsvermögen der freien Welt sogar weiter erodiert.

Ohne Putins Dementi

August 4, 2014

Vielleicht ist das auch kein Wunder, den – ohne jedes Dementi – verdichten sich die Hinweise auf die gleichzeitig mit MH 17 in der Luft befindliche Maschine mit dem russischen Präsidenten Putin an Bord. Sie flog demnach dreißig Minuten hinter der malaysischen Unglücksmaschine und war verspätet.

(Willy Wimmer – Compact)

Dass Putin zu jener Zeit in jener Gegend mit dem Flugzeug unterwegs gewesen wäre, wird nicht einmal von Putin selbst behauptet.

Es stört ihn allerdings auch nicht, wenn seine Propagandisten die Geschichte trotzdem weiterverbreiten.

Auch Gaddafi hatte nach dem Absturz von Ustica nie behauptet, das eigentliche Ziel eines Nato-Angriffes gewesen zu sein.

Trotzdem gilt jene abstruse Geschichte, die von seinen italienischen Öl-Kunden in die Welt gesetzt wurde, heute als gerichtlich abgesegnete Wahrheit.

Wenn es um die Verbreitung eines Ustica-Szenarios geht, darf natürlich auch Rammstein mit seinen “Parabeln” nicht fehlen:

Wer jemals mit Flugunfalluntersuchungen – auch wie im Fall der schrecklichen Katastrophe auf dem US-Stützpunkt Ramstein – befasst gewesen ist, der kann doch nur auf die dabei grundlegenden mathematischen Berechnungen im Sinne von dargestellten Parabeln verweisen. Danach gibt es nicht nur mathematische Gesetzmäßigkeiten für Flugzeuge in zehn Kilometer Höhe, die durch einen Vorfall in ein Unglück gestürzt werden. Wenn man diese Gesetzmäßigkeiten, die vom Charakter her allgemeingültig sind, hier zugrundelegt, dann liegt die Entfernung zwischen dem Absturzort und dem Punkt in zehn Kilometer Höhe, wo sich das Unglück für die Maschine MH17 eingestellt hatte, vom Absturzort fast 100 km westwärts. Alleine schon dieser für eine westliche Regierung zu normalen Zeiten zwingende Darstellung hätte das Gebäude der Schuldzuweisung, auch an den russischen Präsidenten Putin, erst gar nicht entstehen lassen. Solange es niemanden gibt, der diese für jeden Unfall in großer Höhe anzunehmende mathematische Gesetzmäßigkeit in dem vorliegenden Fall begründet außer Kraft setzt, muss nach der Plausibilität vorgegangen werden.

Putin als Opfer?

Juli 19, 2014

In Moskau verbreitete am Freitag das staatlich kontrollierte Fernsehen die These, das Flugzeug des russischen Präsidenten Wladimir Putin könnte das eigentliche Ziel der abgefeuerten Rakete gewesen sein. Tatsächlich war die Präsidentenmaschine zur gleichen Zeit auf dem Heimflug aus Lateinamerika.

(Kronen Zeitung)

Nach dem Absturz eines italienischen Flugzeugs war es Gaddafis italienischen Geschäftsfreunden gelungen, den Täter zum Opfer zu erklären:

Dennoch gelang es Untersuchungsrichter Rosario Priore in jahrelanger Puzzlearbeit, das Szenario von Ustica zu rekonstruieren. Seine These: Nato-Jäger waren an jenem Abend unterwegs, um ein Flugzeug mit Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi abzuschießen. Der aber entkam; stattdessen wurde die Itavia-Maschine vor Ustica von der Rakete getroffen.

(taz)

Allerdings wurde die italienische DC9 erst nach Jahren gefunden – genug Zeit, um Legenden zu stricken, deren Gegenteil – bei umgekehrter Beweislast der perversen italienischen Justiz – nicht mehr bewiesen werden konnte.

Putin wird mit dieser Geschichte nicht so leicht durchkommen.

Zu eindeutig sind die Fakten, die auf dem Tisch liegen.

Dass er mit dem Flugzeug zu jener Zeit in jener Gegend unterwegs gewesen wäre, wird ja nicht einmal von ihm selbst behauptet (allerdings 1980 auch nicht von Gaddafi).

 

Ustica-Szenario für Flug MH370

Mai 20, 2014

Unter dem Titel “Flight MH370 – The Mystery” stellt der US-Autor Nigel Cawthorne nach einem Bericht der “Daily Mail” die Behauptung auf, die Maschine sei bei einem gemeinsamen Trainingsmanöver der amerikanischen und thailändischen Armee über dem südchinesischen Meer aus Versehen abgeschossen worden.

(Focus)

Der Autor greift das Ustica-Szenario auf.

Auch bei Ustica gab es keine Beweise für einen Abschuss durch wen auch immer.

Allerdings war der mit dem Fall betraute Richter fest von der Theorie eines Luftkampfes überzeugt und ordnete sämtliche Fakten seiner faszinierenden Theorie unter.

Als das Wrack schließlich geborgen wurde, konnte von einem internationalen Sachverständigen-Team kein Hinweis auf einen Abschuss festgestellt werden. Stattdessen wurde eine Bombe als wahrscheinlichste Ursache angesehen.

Richter Priore glaubte jedoch trotzdem weiter an seine Theorie und feuerte seine Sachverständigen, um sie mit Sachverständigen zu ersetzen, die willig waren, seine These zu stützen.

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Ausbeutung der Opferangehörigen

März 25, 2014

Absturztheorie erzürnt Opferangehörige

Die Nachricht der malaysischen Regierung, das vermisste Passagierflugzeug der Malaysia Airlines sei in den Indischen Ozean gestürzt, hat bei den Angehörigen Entsetzen und Wut ausgelöst. In einer Stellungnahmen bezeichneten die Familien die Regierung in Kuala Lumpur als „Mörder“ und warfen ihr vor, „die Wahrheit zu verschleiern, verheimlichen und vertuschen“. Bei einem Protestmarsch auf die malaysische Botschaft in Peking entlud sich am Dienstag die aufgestaute Wut.

(ORF)

Die Angehörigen verbrachten zwei Wochen in quälender Ungewissheit.

Nun wurde ihr Hoffen durch eine böse Nachricht beendet.

Es ist menschlich, nicht auf diejenigen wütend zu sein, die einem falsche Hoffnungen gemacht haben, sondern auf diejenigen, die sie zerstört haben.

Die kollektive Trauer und Wut macht Opferangehörige anfällig für Manipulationen.

Eine Verschwörung gegen die geliebten Angehörigen aufzudecken, ist befriedigender, als sich mit einem tragischen Unfall abzufinden.

Eine besonders starke Tradition hat die Instrumentalisierung von Opferangehörigen in Italien.

Bei der gerichtlichen Aufarbeitung des Ustica-Falles spielte der Angehörigen-Verband eine entscheidende Rolle.

Obwohl nach jahrzehntelangen Strafprozessen festgestellt worden war, dass es für die Raketentheorie keine Beweise gebe, gelang es den Opferangehörigen beim Zivilgericht ihre Ansicht durchzusetzen.

In der Regel?

März 16, 2014

So erhellend die Erkenntnisse der beiden letzten Tage sind, eine der großen Fragen in Bezug auf das Verschwinden von Flug MH370 wurde auch bei der Pressekonferenz am Sonntag nicht erörtert: Warum nämlich die Boeing 777-200 nach Abbruch des Funkkontakts umkehren, malaysisches Gebiet überfliegen und dabei vom Radar des Militärs erfasst werden konnte – und trotzdem nichts geschah.

Die gängige Reaktion nämlich auf das Eindringen eines nicht identifizierten Flugzeugs, wie es Flug MH370 nach Abschalten des Transponders und des ACARS war, ist massiv: In der Regel steigen binnen Minuten Kampfjets auf, um den Eindringling abzufangen.

(Spiegel)

Solche Ereignisse sind nun einmal nicht die Regel.

Selbst das Pentagon konnte trotz höchster Alarmbereitschaft nicht geschützt werden.

Dem Militär ein Fehlverhalten vorzuwerfen, ist natürlich immer das Leichteste.

Inkompetente Journalisten werden dann auf einmal zu großen Experten für Radar und Kampfjets.

Bleibt zu hoffen, dass Malaysias Luftwaffe nicht dasselbe Schicksal wie Italiens “Aeronautica Militare” erleidet.

Jahrzehntelang prozessierte Italiens Justiz gegen die Generäle der italienischen Luftwaffe, denen man vorwarf, einen angeblichen Nato-Luftkrieg verschleiert zu haben, der zum Absturz einer italienischen Passagier-Maschine über der Mittelmeerinsel Ustica geführt haben solle.

Faszinierende Theorien

März 12, 2014

Die Suche nach dem seit Samstag spurlos verschwundenen Malaysia-Airlines-Passagierflugzeug konzentriert sich jetzt auf eine Meeresregion Hunderte Kilometer von der letzten bekannten Position entfernt – ein Zeichen, dass es weiterhin keine Hinweise auf das Schicksal des Jets mit 239 Menschen an Bord gibt, im Gegenteil: Malaysia dementierte am Mittwoch auch bisherige Angaben dazu.

Dazu fällt mir eine faszinierende Theorie ein (für die es im Moment keinerlei Belege gibt):

Das Flugzeug könnte von einer Rakete der eigenen Luftwaffe abgeschossen worden sein.

Meine faszinierende (aber recht unwahrscheinliche) Raketen-Theorie könnte nach aktuellem Wissensstand wenigstens noch theoretisch stimmen.

Wenn für die Theorie jedoch keine handfesten Hinweise auftauchen, wäre es wohl angebracht, auch nach anderen (weniger faszinierenden) Szenarien zu suchen, für die man dann vielleicht doch Hinweise finden könnte.

Sobald man einer faszinierenden Theorie verfallen ist, neigt man leider dazu, sämtliche Fakten der eigenen Ansicht unterzuordnen.

In Italien widmete sich die Justiz über 30 Jahre lang solch einer faszinierenden (aber unbeweisbaren) Theorie.

Im Falle von Ustica ignorierte der Richter das Gutachten eines internationalen Sachverständigen-Teams, das von ihm selbst beauftragt worden war, um die Ursache des Absturzes zu klären:

Dass für den Luftkampf auch nach jahrzehntelangen Prozessen keine Hinweise gefunden werden konnten, wurde mit einer riesigen Verschwörung, durch welche alle Beweismittel vernichtet worden seien, erklärt.


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